So könnte ein Bio-Tönnchen aussehen. 

Ergänzung zum Braunen Sack

Tönnchen könnte Biomüll-Dilemma lösen

Fürstenfeldbruck - Die Sammlung von energetisch wertvollen Küchenabfällen beschäftigt die Kreis-Politik weiter. Jetzt taucht eine neue Idee auf, die das Problem durchweichter Säcke am Gehweg lösen könnte: Das Bio-Tönnchen.

Weite Teile der Politik würden gerne mehr Bioabfälle in die Hände bekommen, um sie energetisch verwerten zu können. Helfen könnte dabei das Biotönnchen. Es könnte als Behälter für den braunen Sack dienen, den die Menschen im Landkreis derzeit für Küchenabfälle benutzen können. Das Tönnchen könnte dafür sorgen, dass der Sack, wenn er zur Abholung bereitsteht, nicht mehr auf offener Straße zerfleddert. Sprich: Es könnte den Biosack attraktiver machen.

Im zuständigen Werkausschuss des Kreistags wurde freilich auch deutlich, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb das Zerfledder-Problem eigentlich für keines hält. Über das aktuelle Biosack-Holsystem jedenfalls gebe es nur vereinzelte Beschwerden im Promillebereich, sagte Werkleiter Herbert Britzelmair.

Dass es sich um ein Tönnchen handeln solle und nicht um eine gescheite Tonne, hat einen Grund: Es sollen wirklich nur Küchenabfälle darin landen und kein Grünschnitt, da ersterer als energetisch wesentlich wertvoller gilt. Ob das Tönnchen kommt, ist noch unklar.

Die Installation einer richtigen (quasi für alle verpflichtenden) Biotonne samt Neubau einer Vergärungsanlage gilt nach einem entsprechenden Gutachten als zu teuer und zudem ökologisch als nicht unbedingt sinnvoll. Trotzdem sind viele Politiker überzeugt davon, dass man mehr Biomüll sammeln könnte, als es im Moment mit dem braunen Sack der Fall ist.

Dazu kommt die Ziel-21-Forderung, den Biomüll künftig im Landkreis zu verwerten und nicht mehr wie jetzt zur energetischen Vergerung ins knapp 100 Kilometer entfernte Volkenschwand (Kelheim) zu karren.

Die Kompostierer geraten in den Fokus der Aufmerksamkeit

Der Werkausschuss des Kreistags kam daher jetzt überein, einem Vorschlag des zuständigen Referenten Dieter Rubenbauer (CSU) folgend zu überprüfen, ob man den Biomüll gemeinsam mit dem Klärschlamm des Amperverbands in Geiselbullach vergären kann. Die Freien Wähler begrüßten diesen Schritt in einer gemeinsamen Erklärung mit der CSU-Kreistagsfraktion, wobei FW-Sprecher Michael Schanderl auch darauf hinwies, dass seit seinem entsprechenden Biomüll-Antrag aus dem Jahr 2011 sehr viel Zeit verstrichen sei. Mehrheitlich beschloss der Werkauschuss, den Standort Geiselbullach in einem Gutachten genauer unter die Lupe zu nehmen..

UBV und Grüne stimmten gegen das neuerliche Gutachten. Sie wollten auch den Standort Egg genauer untersucht haben, was die Mehrheit im Ausschuss aber ablehnte.

Zur Erhöhung der erfassten Bioabfallmenge könnte auch die Abschaffung der Anreize zur Eigenkompostierung beitragen. Im Moment bekommen Eigenkompostierer einen Nachlass von 20 Prozent bei den Leistungsgebühren. Würde man diesen Nachlass kippen, so die Hoffnung, würden die Leute aufhören, selbst zu kompostieren beziehungsweise aufhören, eine real nicht stattfindende Kompostierung vorzutäuschen. Konkret beschloss der Werkausschuss hier aber nur, zum 1. Januar 2017 die Förderung der Anschaffung von Kompostbehältern zu streichen – das sind maximal 25,56 Euro je Haushalt. Bisher waren dem AWB Selbst-Kompostierer eher willkommen.

Bis das neue Gutachten zum Standort Geiselbullach und weitere Berechnungen des AWB vorliegen, dürfte einige Zeit verstreichen. Grüne und UBV zeigten sich insgesamt unzufrieden mit den Schritten jetzt. Sie favorisieren nach wie vor eine große Lösung mit richtiger Biotonne für Gartenabfall und Küchenmüll. Im Raum stand auch die Frage, inwieweit der AWB überhaupt bereit ist, sein System zu überdenken respektive zu erneuern. (st)

Ganz Nebenbei: 

Ja, is denn scho Fasching? Diese Frage drängt sich dem geneigten Leser vielleicht auf, wenn er jetzt von der Idee eines „Bio-Tönnchens“ liest. Aber nein, es ist noch nicht mal Weihnachten und ja, das Tönnchen (Bayerisch vielleicht besser: „Tönnerle“ oder „S´Tonnerl“) steht wirklich zur Debatte. Und ja außerdem: Die Biosäcke zerfleddern tatsächlich. Darum will sie ja kaum jemand haben. Ganz so doof wie es vielleicht klingt, wäre das Tönnchen also nicht. 

Nun ist es so, dass die Parteien und Gruppierungen im Kreistag bei der Debatte um die echte, richtige Biotonne gewissermaßen in einem Dilemma stecken. Die einen wollen die Tonne unbedingt, die anderen auf gar keinen Fall, wobei die anderen sich auf ein Gutachten berufen können. Aus diesem geht hervor, dass eine echte Biotonne samt eigener Vergärungsanlage den Gebührenzahler teuer zu stehen käme und außerdem ökologisch nicht so wirksam wäre, wie man vielleicht denkt. 

Die Befürworter der Tonne bezweifeln diese Aussagen freilich und berufen sich auf den Landkreis Augsburg, von wo her allerdings auch eher Widersprüchliches zu hören ist. Im Gutachten eine eigene Vergärung am Standort Geiselbullach betreffend, muss man nun wohl vor allem eines sehen: Die Vermeidung einer konfrontativen Entscheidung mit ungewissem Ausgang zum jetzigen Zeitpunkt. Man prüft eben eine neue Idee – und damit können (fast) alle leben. Es ist ja nicht verkehrt, sich um genauere Erkenntnisse zu bemühen. Fasching ist also noch nicht, zumindest in der Bio-Frage aber herrscht damit ein gewisser Weihnachtsfriede.

 Kleiner Tipp am Rande: sollte das Tönnchen kommen, dürfte die Werbung dafür auf keinen Fall an einem 1. April starten. (st)

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