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Reich gedeckter Tisch für Insekten: Im Garten von Jürgen Knöckelmann in Germering blüht es bis in den Herbst hinein. 

Insekten

Der Trend geht zum bienenfreundlichen Garten

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Mehr als 20 000 Menschen haben im Landkreis beim Volksbegehren zur Rettung der Bienen unterschrieben. Die Kampagne scheint aber über die Abstimmung hinaus zu wirken. Viele Menschen wollen selbst etwas tun und den Insekten einen reich gedeckten Tisch bieten.

Fürstenfeldbruck – Lange dauert es nicht mehr. Dann reckt der Freche Michel wieder seine blauen Blüten in die Luft. Die sind nicht nur schön anzusehen – sie sind auch prall gefüllt mit köstlichem Nektar. Und der Tisch bleibt bis zum Herbst gedeckt. Auch deshalb haben die bayerischen Gärtner den blau blühenden Schelm zur Pflanze des Jahres gewählt. Und wegen dieser Eigenschaften empfiehlt auch die Gröbenzeller Gärtnerin Gisela Wendlinger den Ziersalbei ihren Kunden. Denn die fragen immer öfter nach Gewächsen, von denen auch die Insektenwelt etwas hat.

Das Volksbegehren zur Rettung der Bienen und die damit einhergehende Debatte hat offenbar Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen. „Die Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen steigt“, sagt Gärtnermeisterin Wendlinger. Das freut die 49-Jährige natürlich – und das nicht nur, weil es ihr Geld in die Kasse spült.

Nur eine Welt

Schon von Berufswegen ist Wendlinger der Natur stark verbunden. „Wir haben nur die eine Welt“, sagt sie. Deshalb berät sie ihre Kundschaft gerne, wenn es um insektenfreundliche Pflanzen geht. Um die zu schützen, greift die Gärtnerin übrigens gerne zu Nützlingen statt zu chemischen Mitteln. So machen sich etwa Raubmilben gerne über ihre vom Menschen als Schädling betrachteten Verwandten her. Auch dabei verzeichnet Gisela Wendlinger ein steigendes Interesse der Kundschaft.

Das registriert auch der Germeringer Landschaftsgärtner Ulrich Haake – wenn auch nur teilweise. „Gerade ältere Leute zeigen sich interessiert“, sagt der Gartenprofi. Das hat seiner Ansicht nach auch ganz praktische Gründe. Denn gerade die ältere Generation lebe häufig noch in Häusern mit großen Gärten. Neubauten, in die oft jüngere Leute einziehen, hätten dagegen meist nur sehr kleine grüne Oasen. Und dort gelte oft: Hauptsache pflegeleicht.

Nicht ganz selbstlos

Doch auch auf kleinen Flächen sei es möglich, den Insekten einen reich gedeckten Tisch zu bieten. Haake empfiehlt etwa ein Kräuterhochbeet, dessen Bewuchs man blühen lässt. Auch eine so genannte Beeren-Ecke – etwa mit Johannis- oder Walderdbeeren – sei in kleinen Gärten möglich. Generell hat Haake die Erfahrung gemacht, dass sich Gartenbesitzer am ehesten „ködern“ lassen, wenn sie wie bei Kräutern oder Beeren auch selbst etwas von der Bienen-Mahlzeit haben.

Ganz selbstlos wird es wohl auch in der Germeringer Bonhoeffer-Kirche nicht ablaufen. Dort soll der Pfarrgarten umgestaltet werden – natürlich insektenfreundlich, wie Carmen Greiff aus dem Kirchenvorstand erklärt. Die 52-Jährige ist Mitglied bei der ÖDP und hat das Volksbegehren vor Ort koordiniert.

Umwelt in der Predigt

Was genau künftig vor der Kirche wachsen soll, stehe noch nicht fest, sagt Greiff. Sicher ist: In der evangelischen Bonhoeffer-Kirche ist die Natur schon lange ein Thema. Das zeige sich auch in den Predigten von Pfarrer Michael Lorenz. „Die Umwelt spielt dort oft eine wichtige Rolle“, sagt Carmen Greiff.

Das tut sie auch bei den Katholiken – genauer gesagt beim Katholischen Deutschen Frauenbund in Olching. Seit 13 Jahren gibt es dort einen Pflanzenflohmarkt. „Wir haben immer viele heimische Blühpflanzen“, erklärt Organisatorin Hildegard Wimmer. Bei der diesjährigen Ausgabe des Flohmarkts am 26. April im Pfarrheim könnten es vielleicht sogar noch ein paar mehr sein, hofft Hildegard Wimmer.

Ein paar mehr – darauf hofft auch Jürgen Knöckelmann, Orts-Chef des Bund Naturschutz in Germering. Konkrete Nachfragen zu mehr Insektenfreundlichkeit sind bei ihm nämlich noch keine eingegangen. Doch der Naturschützer ist davon überzeugt, dass man auf dem richtigen Weg sei. Denn auch in den großen Gartencentern gebe es immer mehr Pflanzen, die als bienenfreundlich gekennzeichnet sind. Knöckelmanns Schlussfolgerung: „Das würden sie ja nicht anbieten, wenn sie sich kein Interesse versprechen würden.“

Das war das Ergebnis des Volksbegehrens im Landkreis FFB.

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