Über 60 Jahre ein Ehepaar: Ute Daumann und ihr Mann Franz-Josef, der einst Leiter der Flugmedizin auf Fursty war.
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Über 60 Jahre ein Ehepaar: Ute Daumann und ihr Mann Franz-Josef, der einst Leiter der Flugmedizin auf Fursty war.

Nachruf

Über sechs Jahrzehnte Seite an Seite

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Es gibt viele Fotos, auf denen man sie strahlen sieht: Franz-Josef und Ute Daumann Seite an Seite, Arm in Arm. Mehr als 60 Jahre lang gingen sie gemeinsam durchs Leben. Nun sind sie kurz hintereinander gestorben. Ute Daumann brach auf der Beerdigung ihres Mannes tot zusammen.

Fürstenfeldbruck/Malching – Es passierte kurz nach den Fürbitten – die Trauerfeier musste abgebrochen werden. Für die Familie unfassbar tragisch, hat sie nun kurz nach dem Vater auch noch „die Schaltzentrale, den Mittelpunkt“ verloren, wie Sohn Michael Daumann sagt. Für die vier Kinder, die Schwiegerkinder, die zehn Enkel mit Lebenspartnern und sechs Urenkeln waren Ute Daumann und ihr Franjo, wie ihn Freunde nennen durften, immer Anlaufstelle für alle erdenklichen Familienthemen. Das Haus in Malching stand ihnen immer offen.

Die Daumanns lebten seit 1970 in der Region. Kennengelernt hatten sie sich im nordrhein-westfälischen Engar, wo Franz-Josef Daumanns Vater Dorfschullehrer und Ute Lügger Schülerin war. Bei der Hochzeit war sie erst 19. In den folgenden fünf Jahren kamen drei Söhne und eine Tochter zur Welt.

Bilderbuchkarriere bei der Bundeswehr

Der junge Vater studierte zu dieser Zeit noch Medizin. Das Geld war knapp, doch in den folgenden Jahrzehnten machte Daumann als Arzt bei der Bundeswehr eine Bilderbuchkarriere. Er hatte 1957 dem ersten wehrpflichtigen Jahrgang angehört und war Reserveoffizier. 1967 trat er nach Erhalt seiner Approbation als Sanitätsoffizier der Luftwaffe wieder in die Bundeswehr ein. Er wurde Fliegerarzt, Facharzt für Augenheilkunde, mit 40 Jahren der jüngste Oberstarzt der Luftwaffe und später Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses in München. Zu seinen besonderen Leistungen gehörte die Entwicklung einer speziellen Lichtschutzbrille für die Fliegerei.

Leiter des Flugmed

1989 ging für den Träger des Bundeswehr-Ehrenkreuzes in Gold ein beruflicher Traum in Erfüllung. Er wurde als Generalarzt Leiter des Flugmedizinischen Instituts der Luftwaffe auf dem Brucker Fliegerhorst. Auf den Tag genau acht Jahre füllte er diese Position aus, bevor er 1997 in den Ruhestand verabschiedet wurde – wobei das für Franz-Josef Daumann ein dehnbarer Begriff war. Als medizinischer Lehrbeauftragter, Sachverständiger und Gutachter arbeitete er weiter.

Über all die Jahrzehnte hielt seine Ute ihm den Rücken frei, kümmerte sich um die Familie und fand noch Zeit für ehrenamtliches Engagement in der Kirche. Sie machte Krankenbesuche, koordinierte Weltgebetstage, gestaltete Wortgottesdienste und arbeitete als Pfarrsekretärin. „Sie war unheimlich warmherzig und gab für andere ihr letztes Hemd“, sagt Sohn Michael.

Franz-Josef Daumann hielt sich sein Leben lang fit - durch Skifahren im Tiefschnee, Tennis, Laufen, Segeln und zuletzt intensives Golfspielen. Er liebte das Singen und gehörte verschiedenen Chören an, darunter dem Grafrather Chor, aus dem später der Philharmonische Chor Fürstenfeldbruck wurde. Seine Lieben behalten ihn als lebensfroh, bodenständig, bescheiden und zuverlässig in Erinnerung. Franz-Josef Daumann wurde 83, seine Frau Ute wurde 81 Jahre alt.

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