Zugunglück im Hauptbahnhof von Salzburg - viele Verletzte

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Heimat

Unsere Moore prägen Mensch und Natur

Den Menschen sind sie oft unheimlich, seltenen Tieren und Pflanzen bieten sie aber wertvolle Lebensräume. Moore sind faszinierende Landschaften, von denen sich einige auch im Landkreis erhalten haben. Jedes hat seine eigene Geschichte – das Tagblatt erzählt sie zum heutigen Welttag der Feuchtgebiete.

Ampermoos

Es ist eines der größten Niedermoore Deutschlands: Vom Ammersee bis nach Grafrath erstreckt sich das Ampermoos. Entstanden durch den Isar-Loisach-Gletscher, bietet das 529 Hektar große Naturschutzgebiet heute unzähligen Vogelarten eine Heimat – darunter bedrohte Arten wie Bekassine, Kiebitz oder Wiesenpieper. Doch auch dort wurde Torf abgebaut und entwässert. 2017 hat das Bayerische Fernsehen einen Film über das Feuchtgebiet gedreht. Hauptprotagonist: Gebietsbetreuer Christian Niederbichler. „Der Artenrückgang ist nicht gottgegeben, sondern von Menschen verursacht“, sagt der Naturschützer. Deshalb kämpft er seit Jahren für Flora und Fauna in dem Niedermoor.

Fußbergmoos

Noch weitgehend erhalten ist das Fußbergmoos nördlich von Gernlinden. Zusammen mit dem Palsweiser Moos bildet es auf rund 7,4 Quadratkilometern die größte unzerstörte Niedermoorfläche der Schotterebene. Die berühmtesten Bewohner sind heute die Heckrinder, die im Auftrag des LBV die Streuwiesen frei von Bewuchs halten. Doch auch das Fußbergmoos wurde einst zum Torfabbau genutzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schafften Arbeiter den Rohstoff mit einer eigenen Bahn aus dem Moor. Genutzt wurde er unter anderem zum Heizen der Braukessel in der Maisacher Brauerei.

Graßlfinger Moos

Seit vier Generationen lebt die Familie von Alois Waltl im Graßlfinger Moos – die Waltls sind also waschechte „Mosler“. Sein Anwesen ist eines von rund 100, die verstreut in der Landschaft stehen. Dass sich dort nie ein Dorf etabliert hat, liegt für den Olchinger Stadtrat am Moosboden, der das Bauen schwierig macht. „Trotzdem sind die Moosbewohner eine gute Gemeinschaft“, sagt Waltl. Damit das so bleibt, hat sich vor 20 Jahren die Interessengemeinschaft Graßlfinger Moos gegründet. Vom Moor sind heute 575 Hektar Landschaftsschutzgebiet übrig.

Wildmoos

Archäologische Funde gibt es im Wildmoos nahe des Bauernhofmuseums Jexhof. Beim Aushub von Kies wurden dort 1939 und 1965 zwei Gräber entdeckt, erklärt Annette Reindel, Vorsitzende des Vereins „Zeitreise Gilching“. Im Jahr 1980 datierten Experten die Skelette auf das Jahr 1880 vor Christus. Auch Sagen ranken sich um das Moor. So soll der Überlieferung nach nahe des aus dem Wildmoos fließenden Kellerbachs seit uralten Zeiten eine Kiste voller Geld vergraben sein. Gefunden wurde der Schatz bisher aber nicht.

Quellmoor Hohenzell

Auf Flur der Gemeinde Moorenweis, die das Feuchtgebiet schon im Namen trägt, liegt das wohl kleinste Moor im Landkreis. Auf gut einem Hektar breitet sich dort ein so genanntes Quellstaumoor aus, erklärt Peter Brill vom Bund Naturschutz, der das Areal pflegt. „Das ist ein kleines Naturjuwel.“ Hilfe bei der Pflege bekommen die Naturschützer vom Brucker Verein Sprint, der mit Jugendlichen arbeitet, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.

Haspelmoor

Eine Bahnlinie durch ein Moor? Unmöglich! Doch von der vorherrschenden Meinung ließen sich die Ingenieure, die die Bahnlinie München – Augsburg 1840 planten, nicht entmutigen. „Das war eine technische Meisterleistung“, sagt Kreisheimatpfleger Toni Drexler. Durch Entwässerung und Verdichtung gelang es, einen stabilen Bahndamm zu errichten. Dem Ökosystem bekam dieser Eingriff aber gar nicht gut – zumal durch das Absenken des Wasserspiegels auch der begehrte Torf in Reichweite kam. „Bis zu 1600 Arbeiter haben zeitweise im Haspelmoor den Torf abgebaut“, sagt Drexler. Das Moor ist für den Geschichtsforscher aber aus anderen Gründen interessant. Es wurden tausende Steinwerkzeuge gefunden – gefertigt vor 11 500 Jahren.

Puchheimer Moos

Die Franzosen rücken vor. Unter den Puchheimern herrscht 1808 blanke Panik. Die Truppen Napoleons plündern. Doch die Bewohner haben einen Vorteil. Sie kennen sich aus im nahen Moor, verstecken dort ihre Habseligkeiten. Auch später nutzen die Puchheimer das Moos. Torf wird zum wichtigen Rohstoff. Ab 1839 siedeln sich die ersten Torfstecher an – es ist die Keimzelle des heutigen Puchheim-Bahnhof. Später heben sogar die ersten Flugzeuge des Landes auf den Mooswiesen Puchheims ab. Die Bewohner des Altdorfes blicken anfänglich verächtlich auf die ärmlichen Moosbewohner, so Puchheims langjähriger Archivar Werner Dreher. Und auch heute sprechen die alten Ortler noch von den Moslern, wenn sie die Bewohner von Puchheim-Bahnhof meinen. Tobias Gehre


Das Ampermoos lässt sich wunderbar vom Wasser aus erkunden. Eine Bootsfahrt von Stegen nach Grafrath führt die Paddler mitten durch das Naturschutzgebiet. Vom 1. März bis 15. Juli ist das Gebiet wegen der Vogelbrut allerdings tabu. 

Einen guten Blick auf das über 500 Hektar große Areal bietet auch der Vogelbeobachtungsturm bei Kottgeisering. Der einzige Weg durch das Haspelmoor führt zu einem kleinen See, der wie viele andere Tümpel erst dadurch entstanden ist, dass Torf im heutigen Naturschutzgebiet abgebaut wurde. Außer verschiedenen Pflanzen und Moosen erwarten den Spaziergänger Libellen, Eidechsen, Blindschleichen und Kreuzottern. 

Von Esting führt eine schnurgerade Straße – die frühere Schienenverbindung – ins Fußbergmoos. Vorbei an der ehemaligene Moosalm kommt man direkt zur Weide der Heckrinder. Viele kleine Wege und Sträßchen durchziehen das Graßlfinger Moos, weshalb sich eine Erkundung mit dem Fahrrad anbietet. Zur Pause lädt das Gasthaus Haderecker ein. Ins Wildmoos startet man am besten vom Jexhof aus. 

Der Weg ist beschildert. Das Quellstaumoor bei Hohenzell sollte besser nicht betreten werden. So soll das empfindliche Ökosystem geschützt werden. Reste des Puchheimer Mooses lassen sich noch heute östlich der Stadt begutachten. Das von Wiesen und kleinen Wäldchen durchzogene Gebiet lässt sich am besten von der kleinen Fußgängerunterführung am Aubinger Weg erkunden.



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