Motorisierte Straßenwärter im Landkreis

Unterwegs mit dem Straßen-Doc

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Sie sind bei Wind und Wetter draußen, tagsüber und auch in der Nacht: Die motorisierten Straßenwärter haben viel zu tun. Thomas Pöller ist einer von ihnen. Tagblatt-Volontärin Regina Mittermeier hat ihn auf einer Tour begleitet.

Fürstenfeldbruck – Es ist Freitag, kurz nach 7 Uhr. Für Thomas Pöller beginnt am Kreisbauhof in Bruck die Arbeit. Er zieht die leuchtend orangefarbene Arbeitsuniform an und wirft einen prüfenden Blick in den Kofferraum seines gleichfarbigen Dienstwagens. Tempo 50-Schilder, Leitpfosten und Werkzeug liegen in dem Kastenwagen. Pöller stellt einen Eimer Asphalt dazu und sichert das Richtungsschild im Anhänger. Es weist den Weg nach Jesenwang. „Passt“, sagt er und steigt ein.

Thomas Pöller (60) ist ein Stramot, so nennen sich die motorisierten Straßenwärter. Seit 15 Jahren sorgt er mit einem Kollegen dafür, dass die Kreisstraßen, die sich überrund 130 Kilometer erstrecken, sicher sind und bleiben. Seine Abschnitte kontrolliert Pöller einmal pro Woche.

Los geht’s an diesem Morgen auf der FFB 2 von Jesenwang nach Kottgeisering. Wo diese sich mit der FFB 6 kreuzt, der Straße, die grob gesagt von Moorenweis nach Grafrath führt, gibt es eine Verkehrsinsel. Darauf sollte ein Schild stehen, das nach Jesenwang zeigt. Aber es wurde kürzlich bei einem Unfall beschädigt und dann entfernt – ein Fall für Pöller, den Straßen-Doktor.

Er parkt direkt neben der Insel. „Wir dürfen das“, sagt der gelernte Schreiner. Damit er gesehen wird, schaltet er die Rundumwarnleuchte des Autos ein und stellt orangefarbene Leitkegel auf. Jetzt erst montiert er das neue Schild. Darunter schraubt er ein rundes blaues Zeichen mit einem weißen Pfeil darauf. Es bedeutet, dass die Autofahrer rechts an der Insel vorbeifahren sollen.

„Wir erledigen viel Handwerkliches. Bei großen Arbeiten rückt der Bautrupp an“, sagt er. Von 7 Uhr bis 16 Uhr überwacht Pöller die Straßen. Nach Stürmen und bei Hochwasser legt er auch mal Sonderschichten ein, und im Winter fährt er ab halb drei Uhr morgens Schneepflug.

Heute aber scheint die Sonne und Pöller ist gut drauf – wie meistens eigentlich. „So leicht bringt mich nichts aus der Ruhe, auch wenn ich mal improvisieren muss“, sagt der Unterschweinbacher. Das Alleinsein findet er am schönsten an seinem Beruf.

Allein war er auch, als 2008 ein Unfall passierte. „Ich habe am Straßenrand an der B 471 gearbeitet, mein Auto stand daneben“, sagt Pöller. Aber ein Busfahrer hat nicht rechtzeitig gebremst. Bei dem Zusammenstoß wurde der Kastenwagen mehrere Meter weit geschleudert. „Zum Glück saß ich nicht drin“, sagt er.

Thomas Pöller fährt höchstens Tempo 60. Er schaut abwechselnd nach rechts und links. Plötzlich hält er auf der FFB 7 zwischen Mauern und Schöngeising. „Hier fehlt die Kilometrierung“, erklärt er. Die weißen rechteckigen Stationszeichen, die alle 500 Meter an Bayerns Kreisstraßen stehen, dienen zur Orientierung. Anhand der Zahlen darauf kann man bei einem Unfall den genauen Standort angeben. Mit einem großen Stab gräbt Thomas Pöller ein Loch am Straßenrand und platziert darin das Stationszeichen.

Die letzte Kontrollfahrt führt über Bruck und Emmering auf die FFB 17. Doch bereits an der Emmeringer Straße, kurz nach der Grenze zur Amperstadt, hält Pöller wieder – neben einem Schlagloch. „Ein so kleiner Schaden wird schnell größer, wenn ich ihn nicht repariere“, sagt er, während er das Loch mit einem Besen reinigt. Dann kippt er aus einem Eimer Asphalt hinein und befestigt ihn mit einem Stampfer. Am Ende gießt er Wasser darüber. Durch die chemische Reaktion härtet das Material aus. „Den Rest erledigt der Verkehr“, sagt Pöller und steigt wieder ins Auto.

Er ist fast fertig, nun überprüft er noch die Fahrbahn der FFB 17 in der Unteren Au in Emmering. Prompt sieht er eine breite Reifenspur neben der Straße. Daneben liegen Leitpfosten und Halteverbotsschild. „Ein Laster hat vermutlich beides umgemäht“, sagt Pöller. Das passiert öfter. Nach wenigen Hammerschlägen ist der Pfosten wieder an seinem Platz. Das verbogene Schild packt der 60-Jährige auf den Anhänger. „Da muss ein Neues her. Das erledige ich morgen.“

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