Nichts ging mehr auf der S 4: Bei Grafrath war ein Baum in die Oberleitung gekippt.	foto: mjk
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Nichts ging mehr auf der S 4: Bei Grafrath war ein Baum in die Oberleitung gekippt.

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Bäume fallen um - Keller laufen voll - Zug steckt fest: So wütete das Unwetter im Kreis Bruck

  • Kathrin Böhmer
    VonKathrin Böhmer
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  • Thomas Steinhardt
    Thomas Steinhardt
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Sturzbachartig ergoss sich der Regen über die Region, Blitze zuckten über den Himmel, teils wehte der Wind bedrohlich: Das Unwetter vom Dienstagabend hat etliche Schäden hinterlassen und der Feuerwehr im Landkreis um die 80 Einsätze beschert – einige waren ziemlich außergewöhnlich..

Fürstenfeldbruck – Ein örtlicher Schwerpunkt lässt sich nicht ausmachen – das Unwetter erwischte praktisch den ganzen Kreis und das auch noch kurz vor dem Beginn der EM-Partie Deutschland gegen England. Mit dem Abpfiff der Partie später seien die meisten Feuerwehreinsätze abgearbeitet gewesen, erzählt Ric Unteutsch von der Kreisfeuerwehr. So kamen Niederlage und Einsatzende zusammen. Froh ist Unteutsch, dass es keinen oder kaum Hagel gegeben hat.

Bei dem Unwetter wurden Straßen überflutet, es stützten Bäume um, es kam zu Blitzeinschlägen und Keller liefen voll Wasser. Teils fiel, wie etwa in Emmering, der Strom aus, weil ein Baum in eine Leitung gekracht war.

Die Feuerwehr Eichenau räumte gerade einen Baum von der Straße, als ein Autofahrer die Absperrung ignorierte.

Genau das passierte auch auf der S4. Der Zug blieb auf freier Strecke rund 400 Meter vom Bahnhof Grafrath entfernt liegen. Um die 100 Fahrgäste saßen an die zwei Stunden fest. Problem: Die Feuerwehr Grafrath war zwar sofort vor Ort, konnte mit der Evakuierung aber nicht beginnen, bevor der Bahnstrom nicht abgestellt war. „Die Pappel, die auf die Oberleitung gestürzt war, war rund eineinhalb Stunden später noch warm“, erzählte Max-Joseph-Kronenbitter von der nachalarmierten Feuerwehr Kottgeisering am Tag darauf. „So viel Strom war in dem Baum.“

Bei der Evakuierung der Fahrgäste rettete Kronenbitter auch seine Ehefrau. Sie saß in der S-Bahn, die nicht weiterfahren konnte. Insgesamt sei die Kommunikation in der S-Bahn über den Stand der Dinge nicht wirklich optimal gewesen, hieß es später. Die Fahrgäste konnten dann, nach dem Begleitweg freigeschnitten war, zu Fuß zum Bahnhof Grafrath gehen.

Mehrere umgestürzte Bäume beseitigen musste auch einmal mehr die Feuerwehr in Gröbenzell. So brach an der Maistraße eine Baumkrone ab. Bäume krachten auf den Bahnweg und den Fußweg an der Ammerseestraße, wie Kommandant Christian Weirauch schilderte. Am Hainbuchenweg wurde eine Kastanie entwurzelt – sie lehnte sich gegen ein Haus, eine Fachfirma muss nun tätig werden.

S-Bahn-Passagiere werden von der Feuerwehr befreit. Zwei Stunden hatten sie im Wagon ausgeharrt.

Ein etwas kurioser Vorfall beschäftigte unterdessen die Feuerwehr in Fürstenfeldbruck: Ein Blitz muss in die ehemalige Landwirtschaftsschule an der Bismarkstraße eingeschlagen haben. Die Brandmeldeanlage schlug Alarm, gab aber auch ihren Geist auf. Die Feuerwehr musste das leer stehende Gebäude aufbrechen – passiert war letztlich aber nichts. Die Technik in dem Haus muss nach der Überspannung jetzt genauer überprüft werden, sagte Michael Ott von der Feuerwehr Fürstenfeldbruck.

Großes Entsetzen herrscht unterdessen nach dem Unwetter in Eichenau: Ein Autofahrer hat mit erheblicher Geschwindigkeit die Absperrung zur B2 durchbrochen, die nicht passiert werden durfte. Die Feuerwehr war am frühen Abend gerade dabei, einen Baum in der Roggensteiner Allee wegzuräumen.

Die Einsatzzentrale der Kreisfeuerwehr wurde aktiviert. Mit der Rettungsleitstelle arbeitet sie 80 Einsätze ab. 

Das Unwetter hatte diesen komplett entwurzelt und der Baum versperrte die Durchfahrt. Um den Verkehr umzuleiten, hatten die Einsatzkräfte ein Feuerwehrfahrzeug an der Ausfahrt zur B2 querstellt. Der Autofahrer preschte kurzerhand über den Grünstreifen und bog dann ab der Brücke zum Badesee ab, bis dahin war die Durchfahrt frei. Verletzt wurde niemand, aber der Ärger bei der Feuerwehr ist groß. Für den renitenten Fahrer wird die Aktion Folgen haben: „Wir sehen nicht ein, dass wir uns das gefallen lassen“, sagt Eichenaus Kommandant Maximilian Grain. Das Kennzeichen sei notiert, die Polizei informiert. „Wir haben da eine Nulltoleranzgrenze. Das geht überhaupt nicht.“ Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte waren am Dienstagabend gut beschäftigt. Insgesamt musste die Feuerwehr vier Mal tätig werden. Unter anderem hatte der Blitz in eine Weide in der Kiefernstraße eingeschlagen.

Um die vielen Hilferufe im ganzen Brucker Landkreis abarbeiten zu können, hatte die Kreiseinsatzzentrale der Feuerwehr die Integrierte Leitstelle unterstützt, berichtete Ric Unteutsch. Insgesamt waren Mitglieder aus 21 freiwilligen Feuerwehren über einige Stunden hinweg im Einsatz. Angesichts der Schäden in anderen Regionen sei das Unwetter im Kreis Bruck aber noch glimpflich abgegangen.

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