Eine wahre Meisterin der Akrobatik ist Lexa-Lee an der Lyra Pole – einer Polestange mit Metallreifen.
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Eine wahre Meisterin der Akrobatik ist Lexa-Lee an der Lyra Pole – einer Polestange mit Metallreifen.

Fürstenfeldbruck

Varieté zum Staunen und Rätseln

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Magie und extreme Körperbeherrschung setzen die Naturgesetze außer Kraft – so schien es, als Stefan Schmitt, Alexander Lehmann und Yvonne Hoffmann alias Lexa-Lee die Herrschaft über den Niederbronner Platz übernahmen. Drei Abende lang verzauberte das Trio die Zuschauer mit der Show „The Magic Varieté“.

Fürstenfeldbruck – „Endlich wieder Kultur.“ Mit einem Seufzer der Erleichterung eröffnete der Nürnberger Zauberkünstler Alexander Lehmann das Programm. „Es tut so gut.“ Der Begrüßungsapplaus ließ keinen Zweifel daran, dass die Zuschauer es genauso sahen. Einige hatten weite Wege auf sich genommen, um an diesem lauen Sommerabend unter den mit Lämpchen geschmückten Bäumen vor der Freilichtbühne Platz zu nehmen. Zwei Zuschauerinnen waren gar aus Karlsruhe angereist, nachdem sie aus dem Internet von der Show erfahren hatten.

Der Gedankenleser

Die beiden dürften die 300-Kilometer-Fahrt nicht bereut haben. Zauberei im 21. Jahrhundert hat nichts mehr zu tun mit Kaninchen, die aus dem Hut gezogen werden – das zeigte der Brucker Entertainer Stefan Schmitt eindrücklich. Seine Kunst ist das Gedankenlesen, ja Hellsehen, wenn er etwa von Zuschauern gedachte Begriffe errät. Ob das tatsächlich mit der Bewegung der Augäpfel hinter geschlossenen Lidern zu tun hat, wie Schmitt behauptet?

In gemütlichen Liegestühlen verfolgten die Zuschauer die drei Vorstellungen am Niederbronner Platz.

Es gibt eine Menge – natürlich kontaktlose – Interaktion mit dem Publikum. Lehmann errät ohne Hinsehen, wie ein Zuschauer einen Zauberwürfel verdreht hat. Er verwandelt einen vom Besitzer unterschriebenen Zehn-Euro-Schein in einen Hunderter – um den ursprünglichen Zehner viel später in einer verschlossenen Erdnussdose wieder auftauchen zu lassen.

Beide Magier heben die Zauberei auf ein neues Level, indem sie geschickt mit Erwartungen der Zuschauer spielen. Dinge gehen scheinbar schief, um dann umso verblüffender doch noch zu funktionieren. Schmitt bricht gar eines der ehernen Gesetze seiner Zunft, das verbietet, Zaubertricks an Außenstehende zu verraten. So erfährt man, wie eine zerrissene Papierserviette gegen ein heiles Exemplar ausgetauscht werden kann – nur, dass sich auch die Fetzen am Ende auf wundersame Weise wieder in eine unversehrte Serviette verwandelt haben.

Ohne Tricks und doppelten Boden, dafür mit unfassbarer Muskelkraft und Beweglichkeit arbeitet die Artistin Lexa-Lee. Wie sie sich scheinbar mühelos um die Lyra Pole – eine Polestange mit Metallreifen – biegt und windet, hebt die Schwerkraft und die natürlichen Grenzen menschlicher Gelenkflexibilität einfach auf. Ein verzaubertes Publikum konnte nur noch staunen – und begeistert applaudieren.

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