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Auf ein und dem selben Acker tauchten diese Doppelspitzbarren auf, zuletzt der untere.  

Archäologie im Brucker Land

Vater und Sohn mit ganz speziellem Finderglück

Manche suchen geduldig stundenlang immer wieder nach archäologischen Funden, andere stolpern im übertragenen Sinn völlig unvermutet drüber. Letzteres passiert einer Bauersfamilie immer wieder. Der Altbauer hat das Talent, Erstaunliches ans Licht zu befördern, quasi an seinen Sohn weitergegeben.

Fürstenfeldbruck – Den betreffenden Acker bearbeitet die Familie seit über 30 Jahren. Im Jahr 1982 fand der heutige Großvater das erste, mindestens 1000 Jahre alte, seltsam geformte Teil. „Es passiert immer beim Pflügen“, erklärt sein Sohn. Bei diesem Arbeitsschritt dringen die Maschinen am tiefsten in den Boden ein, so etwa 25 Zentimeter. „Man dreht die Erde quasi um. Dabei kommt Material nach oben, das vorher unten lag.“ Im Sommer 2017 zog der 46-Jährige mit dem Traktor wieder seine Bahnen auf dem besagten Feld. Plötzlich fiel ihm in dem bereits umgeackerten Bereich ein seltsamer Gegenstand auf.

Aus vorchristlicher Zeit

„Man steigt dann natürlich ab und schaut sich das an“, erklärt der Landwirt. Das Teil, das er fand, kam ihm bekannt vor: aus Metall, länglich und mit zwei spitzen Enden. „Mir war sofort klar, dass das kein Schrott aus neuerer Zeit war, sondern ein ganz altes Drum.“. Er hielt einen so genannter Doppelspitzbarren aus vorchristlicher Zeit in den Händen.

Der Landwirt sah so etwas nicht zum ersten Mal. Berreits 1999 hatte er einen Barren aus dem Boden gepflügt. Auch diesmal nahm die Familie Kontakt zum Historischen Verein Fürstenfeldbruck (HVF) auf. Die Doppelspitzbarren wurden den Hobby-Archäologen leihweise überlassen, damit sie untersucht und ausgestellt werden konnten und können.

Gefahr für die Reifen

Das besondere daran ist, wie Ulrike Bergheim vom HFV erklärt, dass in einem relativ kleinen Raum gleich drei Barren mit der markanten Form gefunden wurden. Sie wurden nämlich oft in größerer Zahl an einem Ort gelagert – oder absichtlich versteckt. Durch die Bearbeitung des Feldes, könne aber nicht genau eingegrenzt werden, wo sie ursprünglich lagen, und ob dort noch weitere liegen.

Versucht hat es der HVF schon. Der Bauer erinnert sich: „Es war im Herbst, ein wunderschöner, kalter Tag, der Wind hat gepfiffen, jeden hat’s gefroren.“ Drei Stunden suchten die Mitglieder des Historischen Vereins den Acker ab. Am Ende mussten sie mit kalten Fingern aber unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Für den 46-jährigen ist das Feld nach den Barren-Funden aber kein Acker mehr wie jeder andere.. „Man schaut jetzt schon immer ganz besonders genau hin, wenn man dort arbeitet.“ Das liegt nicht unbedingt daran, dass er auf neue archäologische Funde und Erkenntnisse hofft. Vielmehr sorgt sich der Landwirt um seine Gerätschaften. „Die Barren sind ja ziemlich spitz, wenn da einer blöd liegt, kann man sich den Reifen kaputt machen.“ Eine dann fällige Reparatur käme teuer. SABINE KUHN

Eisenbarren geben nicht alle ihre Geheimnisse preis

Doppelspitzbarren waren im gesamten mitteleuropäischen Raum verbreitet. Die meisten wurden in Süd- und Westdeutschland, in Ostfrankreich und der Schweiz gefunden. Die Barren aus Eisen, die an beiden Enden spitz zulaufen, waren vermutlich ein Zwischenprodukt bei der Verhüttung und Verarbeitung von Eisen. Ähnlich einem Goldbarren dienten sie wohl zum Transport und zur Lagerung des Rohmaterials. Teilweise wurden schon ganze Lagerstätten (so genannte Horte) dieser Gebilde entdeckt. 

Sie wurden wohl bewusst versteckt, um sie vor einer drohenden Gefahr in Sicherheit zu bringen. Möglicherweise wurden sie aber auch im Rahmen eines religiösen Rituals niedergelegt – eine Art Tribut an die Erde für das ihr entrissene Erz. Die frühesten Exemplare datieren aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert und waren wohl 600 Jahre – also bis in die Römerzeit – in Gebrauch. Möglicherweise dienten sie auch als Zahlungsmittel. Im westlichen Landkreis wurden auf einem Acker in größeren zeitlichen Abständen bereits drei Doppelspitzbarren gefunden. Sie sind zwischen 53 und 61 Zentimeter groß und 5,2 bis 6 Kilogramm schwer. Ihre Form bekamen sie wohl, weil sie so gut zu lagern und zu transportieren waren. Zudem ließen sich aus den Spitzen kleinere Teile herausbrechen, ohne gleich den ganzen Barren verwenden zu müssen

BodenSchätze

Von 2. bis 27. September sind alle Objekte in einer Ausstellung im Landratsamt zu besichtigen. Den Flyer mit mehr Informationen gibt es im Internet unter www.historischer-verein-ffb.de zum Herunterladen. Es gibt auch ein allgemeinverständliches Buch zur Ausstellung. Außerdem bietet der Historische Verein einstündige Führungen für Gruppen von fünf bis 20 Personen an. Interessierte können sich per E-Mail an Fahrten@hvf-ffb.de wenden.

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