Begehrtes Objekt: Für das alte Vereinsheim der Stockschützen gibt es Nutzungsideen, auch bei örtlichen Vereinen. Die spielen im neuen Nutzungskonzept keine Rolle. Weber
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Begehrtes Objekt: Für das alte Vereinsheim der Stockschützen gibt es Nutzungsideen, auch bei örtlichen Vereinen. Die spielen im neuen Nutzungskonzept keine Rolle.

Fürstenfeldbruck

Vereine wollen das Stockschützen-Areal

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Die Stadt Fürstenfeldbruck will das ehemalige Stockschützengelände an der Amper für die Jugend herrichten. Brucker Vereine fühlen sich jedoch übergangen. Einige Klubs würden weitere Flächen auch für die Jugendarbeit dringend brauchen, sagen sie.

Fürstenfeldbruck – Als die Wasserratten vor mehr als 18 Monaten erfuhren, dass das ehemalige Stockschützengelände für die Jugend genutzt werden soll, wurden sie hellhörig. „Wer macht bessere und langfristig stabiliere Jugendarbeit als die Vereine?“, fragt Präsident Stefan Sponer rhetorisch. Kurzerhand erklärte man Vereinsinteresse an dem Areal. Die Wasserratten wollten ein Angebot für die Öffentlichkeit schaffen. „Und wir würden auch das alte Vereinsheim herrichten“, sagt Sponer.

Die Rugby-Abteilung

Ebenfalls Interesse an eine Nutzung hätte die Rugby-Abteilung des TuS Fürstenfeldbruck gehabt. „Für uns wäre es mit Blick auf die Jugendarbeit und die Zukunft äußerst wichtig, eine richtige Heimat zu haben“, sagt der Spieler und ehemalige Abteilungsleiter Raul Weber. Die bislang genutzte Klosterwiese ist von Maulwürfen untergraben und mit Entenkot übersät, die sanitären Bedingungen sind unzureichend. Wenn die Spieler nicht Umkleiden beim SC Fürstenfeldbruck oder am Eisstadion nutzen können, dann sei nach Training und Spielen die Amper unsere Dusche“, sagt Weber.

Die Wasserratten

Auch die Wasserratten würden gerne mehr für die Jugend tun. Rund 400, überwiegend junge, Vereinsmitglieder und um die 600 Kinder in den Schwimmkursen hat der Verein unter seinen Fittichen. „Der Verein wäre bereit, mehr für die Jugend zu tun, unter anderem mit einer Mittags- und Nachmittags-Betreuung für Sportler, die zum Beispiel viel Zeit zwischen Wohnort, Schule und Training in Fürstenfeldbruck vernichten“, sagt Sponer. Dies wäre mit dem Areal der Stockschützen nicht nur für Schwimmer, sondern vereinsübergreifend für viele Jugendliche möglich gewesen.

Sponer wirft der Stadt vor, die Bewerbung der Wasserratten nie ernsthaft in Betracht gezogen zu haben. „Wir haben mehrfach nachgefragt, ob wir ein detailliertes Konzept vorlegen sollen“, berichtet er. Nicht nötig, habe es aus dem Rathaus geheißen. „Uns wurde vorgegaukelt, dass das schon läuft.“ Den Wasserratten-Chef ärgert, dass Konzepte von Vereinen – rund ein halbes Dutzend habe Interesse an dem Areal gehabt – keine Beachtung fänden und nicht mal ernsthaft geprüft würden.

Die Rugby-Abteilung des TuS wurde laut Abteilungsleiterin Sarah Schäfer von Stadtrat Andreas Rothenberger kontaktiert. „Er hat Raul Weber über die Auflösung des Geländes informiert und gefragt, ob wir Interesse daran hätten.“ Die TuS-Abteilung sei sofort darauf eingegangen. „Dabei wurde der Stadt auch mitgeteilt, dass wir uns eine gemeinsame Nutzung mit anderen Vereinen oder dem Stadtjugendrat gut vorstellen können“, ergänzt Weber. „Leider war dies viel zu spät, da die Planungen in Richtung Stadtjugendrat schon abgeschlossen waren.“

Heim renovieren

Wie die Wasserratten hätten sich auch die Rugbyspieler bereit erklärt, das Vereinsheim zu renovieren. „Stattdessen wird das nun mit Steuergeldern gemacht“, sagt Sponer. Michael Neuhierl, Vizepräsident der Wassersportler, sieht darin gar ein rechtliches Problem, einen Verstoß gegen das Subsidiaritätsprinzip: „Derartige Angebote sind keine Pflichtaufgabe des Staates. Er muss zurücktreten, wenn es Dritte besser machen können.“

Neuhierl kritisiert darüber hinaus das Angebot, das die Stadt schaffen will. „Vieles davon gibt es schon an anderen Orten“, sagt er. Einen Pumptrack, ein Art Rad-Hindernis-Parcours, zum Beispiel im Emmering, einen Basketballplatz im Stadtpark und einen Beachvolleyballplatz sogar in nächster Nähe. „Und die stehen meistens leer.“

Die Wasserratten hätten unter anderem einen Streetworkout-Park mit einfachen Fitnessgeräten angedacht, wie er derzeit nur – für die Öffentlichkeit unzugänglich – am Fliegerhorst existiert. „Den hätten auch Nichtmitglieder nutzen können“, sagt Neuhierl. Auch Kooperationen mit der Sportschule oder mit Yogastudios hätte Sponer für möglich gehalten. Er meint: „Die Stadt stößt damit die Vereine, die sich beworben haben, massiv vor den Kopf.“

Und Wasserartten-Präsident Sponer ergänzt, hier würde zugunsten eines fragilen und rechtlich fragwürdigen Konzepts eine Chance vergeben. Er fordert die Stadt auf, das Thema noch einmal mit offenem Visier zu diskutieren und dann die beste Lösung zu realisieren.

Das plant und sagt die Stadtverwaltung

Bei der Stadtverwaltung sind laut Rathaus  zwei Vereinsbewerbungen für das Stockschützenareal eingegangen – eine mit Kurzkonzept, eine ohne Konzept. „Mit dem Verein, der das Kurzkonzept eingereicht hat, wurde gesprochen“, sagt Rathaus-Sprecherin Susanna Reichlmaier. Kurz danach sei der Antrag des Sportreferenten eingegangen, dem zufolge das Areal für den vereinsunabhängigen Sport zur Verfügung gestellt und dort ein Treffpunkt für Jugendliche eingerichtet werden soll.

Daraufhin sei ein entsprechendes Konzept mit dem Sportbeirat, dem Sportreferenten und dem Stadtjugendrat, der das alte Vereinsheim nutzen soll, erarbeitet worden. Die Sportgeräte seien dabei in Abstimmung mit allen Beteiligten ausgesucht worden. „Die Nachfrage nach dem Pumptrack wurde direkt an den Sportbeirat herangetragen“, sagt Reichlmaier.

Den Vorwurf des Rechtsbruchs weist die Stadt zurück: „Eine derartige Interpretation des Subsidiaritätsprinzips im Bereich Sport ist der Stadtverwaltung nicht bekannt.“ Vereinssport sei außerdem nicht Bestandteil des Antrags gewesen. „Das letzte Wort hatte der zuständige Fachausschuss, der das Konzept mit vereinsungebundenem Sport einstimmig bewilligte“, sagt Reichlmaier. ad

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