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Von den einstigen Hügeln des Gräberfeldes an der Rothschwaiger Straße ist nicht mehr viel zu sehen. Viele wurden abgetragen oder zerstört. 

Rothschwaiger Straße

Der vergessene Friedhof von Bruck

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Beinahe 90 historische Grabhügel liegen seit der Bronze- und Hallstattzeit am westlichen Stadtrand von Fürstenfeldbruck. Sie sollten einst in einer Grünanlage geschützt werden. Doch passiert ist das bisher nicht. Auf der Spur des vergessenen Brucker Parks.

Fürstenfeldbruck – Das Gräberfeld befindet sich im Bereich der Rotschwaiger Straße am westlichen Stadtrand, fast parallel zur B 471. Seine Entdeckung ist laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) auf den Bau der Bahnlinie im Jahr 1871 zurückzuführen. Der Brucker Karl Heinz Weiß hat den Hinweis in dem 1974 von Hans Roth und Heinz W. Schlaich herausgegebenen Buch der Bayerischen Heimatkunde gefunden. Dort wird auch erwähnt, dass die Gräber Teil einer Grünanlage werden sollen. Doch statt eines gepflegten Parks findet man dort ungepflegtes Gestrüpp und Reifenspuren im Wald.

Eine Anfrage bei der Stadt ergibt, dass ein Vermessungsplan des BLfD existiert. Dieser stammt aber aus dem Jahr 1956. Er ist auch in einem archäologischen Führer über den Landkreis Fürstenfeldbruck zu finden. Dort heißt es weiter, dass sich das Gräberfeld beidseits der Rothschwaiger Straße über eine Nord-Süd-Achse von einem Kilometer erstreckt. „Es wurde wie so vieles in der Kreisstadt einfach vergessen“, sagt Weiß über die im Heimatbuch erwähnten Pläne für eine Grünanlage.

Gräberfeld hat arg gelitten

Bei seinen Spaziergängen hat Weiß beobachtet, dass das Gräberfeld arg gelitten hat. Einer der großen Grabhügel westlich des Waldrandes sei nur noch durch einige kümmerliche Stauden sichtbar. Und auch die Gräber im nahen Hochwald seien immer wieder Ziel sinnloser Zerstörung – früher durch angebliche Schatzsucher und übende Soldaten, heute durch Land- und Forstwirtschaft.

Im Heimatkundebuch steht auf Seite 104 geschrieben: „Befinden sich solche Denkmale in einer ortsnahen Planung, dann wird es möglich, sie in den alltäglichen Lebensraum der Bürgerschaft einzubeziehen, wie bei dem bronze- und hallstattzeitlichen, 87 Hügel umfassenden Gräberfeld am Ortsrand von Fürstenfeldbruck, welches Teil einer eigens zu schaffenden Grünanlage werden soll.“ Dass diese Grünanlage in Vergessenheit geriet, könnte auch an den Eigentumsverhältnissen liegen. Marija Tomic von der städtischen Bauverwaltung berichtet, dass lediglich eine Flurnummer der Stadt gehöre. „Die anderen Flurstücke sind in Privatbesitz.“ Auf dem städtischen Flurstück befinde sich ein öffentlich zugänglicher Wald. Inwieweit dort Gräber vorhanden sind, sei der Bauverwaltung aber nicht bekannt.

Nur wenige Funde sind erhalten

Dem archäologischen Führer ist weiter zu entnehmen, dass die Grabhügel beträchtliche Größenunterschiede aufweisen. Die Mehrheit hätte einen Durchmesser von fünf bis sieben Metern, einzelne kämen aber auf 20 bis 30 Meter. Ein gewisser Franz Seraphin Hartmann habe sechs der Gräber geöffnet. Allerdings sind nur wenige Funde aus diesen Grabungen erhalten, die alle in die Hallstattzeit datieren. Sie gelangten in die Sammlungen des Historischen Vereins Oberbayern, der Anthropologischen Gesellschaft und in eine Privatsammlung, die 1922 von der damaligen Staatssammlung erworben wurde.

Neben der Zerstörung durch Schatzsucher, dem Ausheben von Schützengräben sowie durch Land- und Forstwirtschaft berichtet Weiß auch von kleineren Hügeln auf städtischem Grund, die eingeebnet worden seien. Dass dadurch die Gräber selbst gelitten hätten, verneint jedoch das BLfD. Dort ist das Gräberfeld als Bodendenkmal bekannt. Über die archäologische Bedeutung kann Sprecherin Julia Steinbach aber nichts sagen, da es sich um ein eher schlecht überliefertes und nicht präzise lokalisiertes Gräberfeld handle. Steinbach erklärt jedoch, dass auf den Tagblatt-Hinweis hin ein Mitarbeiter vor Ort war. „Dabei waren am Bodendenkmal selbst keine Schäden und Vandalismus festzustellen.“

Die einstmals diskutierte Grünanlage über den historischen Gräbern wäre theoretisch also noch immer umsetzbar. Ob diese aber jemals wieder ein Thema in Fürstenfeldbruck wird, kann wohl nur die Zeit zeigen.

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