Beate Zschäpe: Verteidiger fordern maximal zehn Jahre Haft

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Ernüchternde Bilanz

Zunehmender Verkehr erzeugt immer mehr Treibhausgase in der Region Fürstenfeldbruck

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Ernüchternde bis alarmierende Zwischenbilanz beim CO2-Ausstoß in der Region: Trotz aller Bemühungen werden im Landkreis mehr Treibhausgase in die Luft geblasen als je zuvor gemessen. Landrat Thomas Karmasin will nun einen Aktionsplan vorlegen.

Fürstenfeldbruck– „Wir müssen weiterkommen oder sagen: Ok, dann lassen wir es“, sagte Landrat Thomas Karmasin (CSU) im Energieausschuss des Kreistags, wo am Montagnachmittag eine fast schon deprimierte Stimmung herrschte. Galt der Landkreis Fürstenfeldbruck einst als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und Erneuerbare Energien, so stellt sich nun heraus, dass das selbst gesteckte Ziel der 100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Versorgung der Region und eine drastische Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes bis zum Jahr 2030 praktisch nicht zu erreichen ist.

Aktueller Anlass: Ein Büro hatte im Auftrag des Landkreises eine CO2-Bilanz erstellt. Daraus geht hervor, dass sich in den Jahren 2010 bis 2015 (neuere Daten liegen derzeit nicht vor) in der Region praktisch nichts verbessert hat. Demnach blieb die CO2-Emission mit 6,9 Tonnen pro Einwohner und Jahr trotz aller Einspar-Bemühungen auf gleichem Niveau. Der CO2-Ausstoß in der Region insgesamt stieg sogar um 4,7 Prozent auf knapp 1,5 Millionen Tonnen. Als Hauptgrund nennt die Studie von Ludwig-Bölow-Systemtechnik die gewachsene Bevölkerungszahl und das gestiegene Verkehrsaufkommen, womit ein deutlich erhöhter Kraftstoffverbrauch einhergeht.

„Wir sind nicht annähernd soweit gekommen, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte der Landrat. Er sieht kein Erkenntnis- wohl aber ein Umsetzungsproblem. Vereinfacht und beispielhaft gesagt: Die Leute kaufen zwar neue Kühlschränke mit guter Energiebilanz, stellen den alten aber in den Keller und betreiben ihn dort weiter. Karmasin kündigte an, in absehbarer Zeit ein Papier mit denkbaren Maßnahmen vorzulegen und lud die Fraktionen dazu ein, dabei mitzuwirken.

In der Aussprache zum Thema im Ausschuss betonte der UBV-Kreisrat Jakob Drexler (Hörbach), dass die Energie-Ziele auf allen politischen Ebenen nicht ernst genommen würden. Er forderte: Alle Regelungen, die den Ausbau erneuerbarer Energien behindern, etwa die 10-H-Regel, müssen weg. Auch der ÖDP-Kreisrat Max Keil betonte: Bundes- und Landesregierung bremsen die erneuerbaren Energien immer wieder. Klaus Wollenberg (FDP) indes wollte den Blick lieber auf Fehler in der Region richten. Er bezog sich auf die hohen Auspendlerzahlen, die natürlich viel Verkehr erzeugten und bemängelte, dass vor Ort zu wenig Arbeitsplätze geschaffen würden.

Dass sogar die Städte und Ämter das „blöde Wort“ vom bezahlbaren Wohnraum übernähmen, verstehe er nicht. „Wir schaffen Wohnungen, aber bieten keine Arbeitsplätze an. Die Leute haben keine andere Möglichkeit als zu pendeln.“ Wollenberg drängte auf kurze Wege und sah die Verantwortung bei den Kommunen, während Emanuel Staffler als Sprecher der CSU-Fraktion von einem „Wachrüttler“ sprach und die einende Betroffenheit im Ausschuss als Chance sah, gemeinsam etwas zu bewirken.

FW-Kreisrat und Ziel-21-Chef Gottfried Obermair erinnerte an die Fortschritte beim Öffentlichen Personen-Nahverkehr und forderte, die Entwicklung nicht ganz so negativ zu sehen. Er fragte: „Was wäre gewesen, wenn wir nichts gemacht hätten?“ und gab sich selbst die Antwort: „Dann wäre es katastrophal.“ Insgesamt sei das Thema nicht mehr so sexy wie kurz nach dem Gau im Atomkraftwerk in Fukushima.

Für die Grünen kritisierte Jan Halbauer die Ansiedlung arbeitsplatzarmer Betriebe (siehe Kasten), die Entwicklung bei der S4 („Trauerspiel“) und den Bau immer neuer Umgehungsstraßen, wobei er große Chancen in der Fotovoltaik sah. Halbauer insgesamt zur Lage im Kreis: „Wir sind als Musterschüler gestartet und als Bettvorleger gelandet.“ 

Die Debatte um Trinks und BMW

Im Zuge der Debatte um Arbeitsplätze in der Region kritisierte Jan Halbauer (Grüne) die Ansiedlung des Getränkelogistikers Trinks in Fürstenfeldbruck und auch die Ansiedlung der Fahrsicherheitsanlage von BMW auf Maisacher Flur im früheren Militärareal. Beides erzeuge viel Verkehr, bringe aber kaum Arbeitsplätze. BMW wolle auf dem Areal nichts als eine „Rennstrecke“ betreiben, jede Hoffnung auf höherwertige Firmenteile auf dem Gelände sei sinnlos. Landrat Karmasin wollte das so nicht stehenlassen und erinnerte daran, dass das fragliche Gelände unter strengem Naturschutz (FFH) steht und kaum zu etwas anderem zu nutzen sei. Zudem gebe es durchaus Chancen für mehr BMW (unausgesprochen meinte Karmasin damit Flächen auf Brucker Flur), wenn die Firma sich in der Region gut verortet fühle, wobei er auch durchblicken ließ, mehr dazu im Moment nicht sagen zu können. Gottfried Obermair aus Maisach erinnerte daran, wie wichtig die Ansiedlung von BMW war, um einen Flugplatz auf dem Areal verhindern zu können.

Die Studie

wird am 14. Mai um 19 Uhr im Landratsamt im öffentlich vorgestellt und diskutiert.

Ganz Nebenbei angemerkt

Auch wenn der Aktionsplan des Landrats in Sachen Klimaschutz (siehe Beitrag rechts) noch aussteht: Einige Vorschläge unterbreitet die Kreisverwaltung bereits, die helfen könnten, die CO2-Bilanz zu verbessern. Mehr ÖPNV, mehr Windkraft, mehr Solarenergie, mehr Geothermie, bessere Zusammenarbeit der Kommunen bei der Infrastruktur, bessere Bahn-Verbindungen, Car-Sharing und mehr Fernwärme sind einige der Punkte, die relevant sein könnten. Problem aber: Die drohende Gefahr des Klimawandels ist in den Augen vieler Menschen einfach viel zu abstrakt, als dass sie zu wirklich einschneidenden Veränderungen in ihrem Leben bereit wären. Gleichzeitig hat die große Politik ihr Interesse an der Energiewende wirklich verloren, was auch nicht gerade förderlich ist. Die Ausgangslage für den Landrat und seinen Plan ist mehr als bescheiden. (st)

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