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Wegen Bauarbeiten

Diese Umleitung in Fürstenfeldbruck ist völlig verrückt

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Bei Straßenumleitungen durch die Stadt ist oft Improvisationstalent gefragt. Doch in diesem Fall an der Heimstättenstraße ist die Lösung etwas kurios.

José Luis Bueno Born

Fürstenfeldbruck – Heimtücke? Pädagogische Methode? Oder grenzenloses Vertrauen? Man weiß nicht genau, was den Fahrlehrer dazu verleitet hat, die arme Schülerin an diesem Mittag auf das AEZ zufahren zu lassen. Jedenfalls steuert die junge Frau das Auto in Richtung Tankstelle an der Heimstättenstraße. Vor ihr tut sich ein Schilderwald auf: An der Zapfsäule ein roter Kreis, der besagt: Hier bloß nicht durchrauschen! Darunter ein Umleitungspfeil nach rechts. Am Boden jedoch markieren gelbe Linien zwei Fahrspuren, die an den Zapfsäulen Eins und Drei vorbeiführen zum AEZ-Parkplatz. Zum Verbotsschild ist das ausgewiesener Widerspruch. Doch die Fahrschülerin macht alles richtig. Sie drückt aufs Gaspedal. Der Verkehr fließt.

Die Straßenführung an der Heimstättenstraße findet man in keinem Regelbuch. Bauarbeiter haben den Asphalt aufgerissen. Die Wasserleitungen werden saniert. Die Umleitung zwischen Siedlerplatz und Falkenstraße führt über die AEZ-Tankstelle und den angrenzenden Parkplatz des Supermarktes. Die gelben Fahrbahnstränge stechen dabei die weißen Parkmarkierungen aus. Nur auf Höhe der Tankstelle fehlt dafür teilweise der Platz. Man muss sich die Zapfsäulen als Verlängerung des rechten Seitenstreifens der Heimstättenstraße vorstellen. Hinter dem Parkplatz ist endgültig Schluss. Entweder man dreht um oder fährt auf der Falkenstraße weiter.

Es gibt Umleitungen, die man als Autofahrer hasst. Schließlich verursacht eine ungewohnte Verkehrsführung oft zu Stau. Doch – und das ist angesichts der ungewöhnlichen Verkehrssituation erstaunlich – das Chaos am AEZ hält sich an diesem Mittwoch in Grenzen. Um die Mittagszeit stoppt ein Autofahrer an Zapfsäule Nummer Drei, um zu tanken. Man könnte aber auch sagen: Er parkt auf der rechten Fahrspur der Heimstättenstraße. Gleichzeitig kommt ein Frontlader entgegen, der Verkehrsschilder transportiert. Ganz links läuft ein Fußgänger.

Gitti Erikmann

Jetzt geht auf der offiziell ausgewiesenen Straße wirklich nichts mehr. Ein Pkw-Fahrer, der eigentlich zum AEZ möchte, analysiert die Situation ziemlich cool. Er haut den Blinker rein und brettert mit seinem Fahrzeug nun mitten durch die Tanke. Man beobachtet mehrere solcher Situationen, in denen Verkehrsteilnehmer clever ausweichen und gelassen regieren, wenn es sich staut. Man nimmt Rücksicht. Läuft eigentlich alles oder?

Gitti Erikmann, 48, findet das gar nicht lustig. Sie steht hinter der Kasse im Tankstellenhäuschen. Der Umsatz ist eingebrochen, seit man die Straße umgeleitet hat. Weniger Kunden als sonst kommen zum Tanken, und das obwohl die Spritpreise vergleichsweise billig sind. Tankstellen-Pächter Thomas Tienemann sagt am Telefon: „Mir fehlen am Tag einige tausend Liter.“ Er spricht von einem „totalen Chaos“. Er ist enttäuscht von der Stadt. „Eine kleinere Baustelle wäre aus meiner Sicht machbar gewesen.“

So ähnlich sieht das auch José Luis Bueno Born. Der 30-Jährige ist Chef des Getränkemarktes in der Heimstättenstraße. Wer bei ihm einkaufen will, sollte besser den Geländewagen nehmen. Man muss zuerst über den AEZ-Parkplatz fahren. An der Falkenstraße biegt man links ab und darf sich von den Einfahrtverbotshinweisen nicht irritieren lassen. Die Zufahrt erfolgt momentan über die aufgerissene Straße. José Luis Bueno Born sagt, er verkaufe derzeit etwa um 30 bis 40 Prozent weniger Getränke am Tag, und das trotz der sommerlichen Temperaturen. Viele Kunden, die den Weg dennoch zu ihm fänden, seien genervt. Insbesondere ältere Menschen würden ihm erzählen, sie hätten Angst, die Straße vom AEZ zum Getränkemarkt zu überqueren. „Da brettern ja alle nur durch.“

Aber ist es nicht besser so, als wenn die Stadt einfach die ganze Straße gesperrt hätte? Dann hätte das AEZ wohl kurzzeitig ganz zumachen können. So kommen zumindest ein paar Kunden, so wie Renate Rohrhofer. Die 50-Jährige sieht die verkehrliche Situation gelassen. Sie fährt etwa viermal die Woche zum AEZ, um einzukaufen. Sie weiß, dass es besser ist, einmal um das Tanktstellenhäuschen herumzufahren und sich dort einen Parkplatz zu suchen. Die Straße würde ja nicht zum Spaß aufgerissen werden. „Irgendwann muss das ja gemacht werden.“ Die Umleitung verwirre sie jedenfalls nicht.

Und es ist ja auch ein Ende in Sicht. Die Stadt rechnet damit, dass der Verkehr spätestens ab kommenden Dienstag wieder normal über die Straße läuft. Dann ist der nächste Bauabschnitt an der Heimstättenstraße an der Reihe. Die Sanierungsarbeiten im Brucker Westen dauern voraussichtlich noch bis November.

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