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Ein Heißwassergerät kommt seit mehreren Jahren in Gröbenzell zum Einsatz.

Neue Wege 

Verzicht auf Glyphosat: Mit Hitze statt Chemie gegen das Unkraut

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Die Natur steht in den Startlöchern. Pflanzen warten nur darauf, sich wieder in voller Pracht zu präsentieren – auch solche, die den Menschen ein Dorn im Auge sind. Chemische Unkrautvernichter wie das umstrittene Glyphosat kommen in den Kommunen aber nicht mehr zum Einsatz. Die Bauhöfe gehen neue Wege.

Fürstenfeldbruck – Illusionen macht sich Peter Langenegger keine. Den Kampf gegen das Unkraut werden der Leiter des Brucker Bauhofs und seine Mitarbeiter nicht gewinnen. Dazu ist der „Feind“ zu zahlreich. In jeder Ritze finden die Pflanzen, die der Mensch nicht mag, ein Refugium. Doch der Bauhof-Chef hat eine Geheimwaffe. Mehrmals pro Jahr verpasst er dem widerspenstigen Kraut eine heiße Dusche – so heiß, dass den Pflanzen mit der Zeit die Lust am Wachsen vergeht. Militärs würden diese Strategie als Zermürbung bezeichnen. Experten wie Peter Langenegger nennen das Mittel der Wahl Heißwasserbehandlung.

Mit einem Infraweeder rückt Gärtner Steffen Förster dem Unkraut auf den Germeringer Friedhöfen zu Leibe.

Die Funktionsweise ist denkbar einfach. Auf einem Anhänger haben die Mitarbeiter einen 1500-Liter-Tank mit Wasser, das auf 90 Grad erhitzt wird. Das wird dann auf den unerwünschten Pflanzen verteilt. Ganz beseitigt werden die grünen Störenfriede dadurch nicht. „Die Pflanzen kommen wieder, aber der Wuchs wird gebremst“, sagt Langenegger.

Manche Anwohner betrachten die komplett biologische Unkrautbekämpfung allerdings mit Argwohn, erzählt der Bauhof-Leiter. Sie wollten nicht ganz glauben, dass die Mitarbeiter nur reines Wasser versprühen – sondern vermuten auch eine kleine Prise Pflanzengift im Tank des Fahrzeugs. Doch Langenegger versichert: „Da kann man sich einen Tee damit machen.“

Unkrautbekämpfung mit der Bürste

Auch in Gröbenzell ist man stolz darauf, auf Pestizide wie Glyphosat bei der Unkrautbekämpfung in der Gemeinde verzichten zu können. Der Bauhof mietet das Gerät allerdings, wie eine Rathaus-Sprecherin erklärt. Einer der Vorteile sei zudem, dass es auf vielen verschiedenen Untergründen einsetzbar sei. „Auch hartnäckiges Unkraut wie Löwenzahn lässt sich so gut bekämpfen“, so die Sprecherin.

Auf rohe Gewalt setzt die Stadt Germering. Dort montieren die Bauhof-Mitarbeiter eine sogenannte Wildkrautbürste an ihre Kehrmaschine. Unkraut wird so einfach weggefetzt. Doch überall können die rohen Kräfte nicht walten. Deshalb hat der Bauhof einen sogenannten Infraweeder angeschafft, erklärt der stellvertretende Leiter Michael Seeholzer. Mit Gas wird dabei eine Platte erhitzt – ähnlich wie bei einem Döner-Grill. Und wie bei dem Heißwassergerät braucht es auch beim Infraweeder mehrere Durchgänge. „Wir hoffen aber, dass es weniger werden, wenn wir die Pflanzen nur oft genug ärgern“, sagt Seeholzer.

Das Abfackeln des Unkrauts mit einer Gasflamme ist bei den Bauhöfen übrigens tabu. Zu hoch ist die Gefahr, nicht nur die unerwünschten Pflanzen zu vernichten. Vor wenigen Jahren etwa wollte in Germering eine Frau ihr Unkraut der thermischen Verwertung zuführen. Am Ende landete die Seniorin im Krankenhaus. Hecke und Gartenhaus waren abgefackelt.

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