Kühe im Stall
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Kostenüberschreitung

Kühe standen knietief in Gülle: Veterinäre mussten 2018 viele verwahrloste Tiere retten

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Kühe, Papageien, Hunde: Das Veterinäramt musste im Jahr 2018 bei mehreren Haltern massiv einschreiten, um Tiere zu retten.

Fürstenfeldbruck – Der gravierendste Fall dürfte der eines Landwirts aus dem nördlichen Landkreis sein: Er hielt 25 Kühe unter unsäglichen Bedingungen und befolgte auch die Anordnungen des Veterinäramts nicht. Am Ende blieb der Kreisbehörde nichts anderes übrig, als zur ultima Ratio zu greifen, sagte ein Sprecher auf Nachfrage: Das Amt nahm dem Landwirt die Tiere weg. Zuletzt hatten die Kühe bis zu den Knien in der eigenen Gülle gestanden. Die Rinder wurden zu einem anderen Landwirt im Kreis Landsberg gebracht, der für solche Fälle einen Stall vorhält. Dort wurden die Kühe wieder aufgepäppelt.

Eingreifen mussten die Veterinäre auch in Fürstenfeldbruck. Dort wurden in einem Keller in einem viel zu kleinen Käfig mehrere Papageien gehalten – alles andere als artgerecht. Die Tiere waren bereits erkrankt, sie mussten nach der Wegnahme daher zunächst in einer Klinik behandelt werden und wurden dann anderweitig untergebracht. Außerdem mussten die Veterinäre auch einem Hundehalter zwei Tiere wegnehmen.

Für die im Amtsdeutsch „Ersatzvornahmen“ genannten Wegnahmen waren im Haushalt des Landkreises für 2018 rund 7500 Euro eingeplant. Das reichte vor dem Hintergrund der genannten Fälle nicht mehr aus, sodass jetzt im Kreisausschuss außerplanmäßige Mittel in Höhe von 15 000 Euro bereitgestellt werden mussten. Die betroffenen Tierhalter sollen zwar zur Übernahme der Kosten herangezogen werden, die auch Unterbringung und tierärztliche Leistungen beinhalten. „Der kurzfristige Zahlungseingang des Kostenersatzes ist in allen drei Fällen aber nicht absehbar“, heißt es in einem Papier des Veterinäramts. Sprich: Wann und ob das Geld je wieder reinkommt, ist unklar.

Der CSU-Kreisrat und Maisacher Bürgermeister Hans Seidl äußerte in diesem Zusammenhang die Sorge, dass im nächsten Jahr noch viel mehr auf den Landkreis zukommen könnte, was Landrat Thomas Karmasin bestätigte. Tatsächlich steht die Tierauffangstation im Maisacher Ortsteil Überacker vor dem Aus. Der Landkreis war zwar bereit gewesen, die Kleintierpfleger im Rahmen seiner Möglichkeiten finanziell zu unterstützen. Die Kommunen lehnten aber ab. In der Station werden viele Tiere abgegeben. Ob Nachfolger für die Auffangstation gefunden werden können, gilt noch als unklar.  st

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Ein Leben ohne Kaninchen konnte sich eine arbeitslose Buchhalterin (54) aus Fürstenfeldbruck einfach nicht vorstellen. Doch nun wird sie vorerst auf ihre Tiere verzichten müssen - weil sie 22 verwahrloste und kranke Kaninchen in ihrer Wohnung hielt.

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