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Nicht jeder mag Video-Konferenzen.

Fürstenfeldbruck

Video-Stammtisch mit Startschwierigkeiten

  • vonHans Kürzl
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Im Berufsleben ließ sich in den letzten Monaten viel über Videokonferenzen regeln. Doch nicht jede Form der Begegnung, die ruhen musste, lässt sich ohne weiteres ins Digitale übertragen. Das musste auch der Brucker Gewerbeverband lernen.

Fürstenfeldbruck – Digital Kontakt halten, wo es persönlich nicht möglich ist: Trotz aller Lockerungen in der Coronakrise sind Videokonferenzen eine Möglichkeit sich schnell und direkt auszutauschen. Was auf diesem Wege alles möglich ist und welche Schwierigkeiten damit verbunden sein können, lässt sich beim Gewerbeverband Fürstenfeldbruck beobachten. Der hat versucht, seinen Unternehmerratsch – ein seit Jahren gepflegter Stammtisch von Gewerbetreibenden aus der Stadt – digital fortzusetzen.

„Viele Teilnehmer auf einem schnellen Weg zusammenbringen“, das war für Franz Höfelsauer, Vorsitzender des Gewerbeverbandes und gleichzeitig Gewerberefent der Stadt, der wesentliche Beweggrund, den digitalen Unternehmerratsch ins Leben zu rufen. Drei Mal fand der digitale Ratsch statt und sollte zu einer regelmäßigen Einrichtung werden. Doch vorerst liegt das Vorhaben jetzt auf Eis.

„Ungefähr wie ein Stammtisch in der Online-Version.“ So stellte sich Höfelsauer die digitalen Treffen vor. Themen wie die Gutscheine, die Brucks Stadträte statt dem Sitzungsgeld erhalten sollen, könnten doch gut per Videokanal besprochen werden, dachte sich Höfelsauer. „Oder wie man mit verkaufsoffenen Sonntagen umgeht“.

Unternehmerratsch

Doch erst einmal musste Höfelsauer den Unternehmerratsch selbst in Schwung bringen. Doch nach der dritten Auflage zogen die bisherigen Teilnehmer eine eher ernüchterte Bilanz. Sie hatten durchaus Bedarf gesehen. Vertriebstrainer Mathias Richter sagt: „Wir wollen als Selbstständige untereinander diskutieren“. Doch maximal waren es bisher sieben Gewerbetreibende, die sich eine gute Stunde lang an dem Online-Ratsch beteiligt haben – von 160 Mitgliedern, die der Gewerbeverband Fürstenfeldbruck hat.

„Es sind alle per Rundmail informiert worden“, betont Höfelsauer. Dass der Anklang trotzdem recht gering war, liege vielleicht an der Masse an Mails und Newslettern, sagt Johann Buchfellner von der Sparkasse. Möglicherweise habe auch nicht jeder zeitnah sein elektronisches Postfach abgecheckt.

Daraus zog Höfelsauer den Schluss, man brauche einen attraktiven Programmpunkt als Aufhänger. Das könne jeweils ein besonders interessantes Thema sein oder auch ein möglichst prominentes Zugpferd.

Politiker einladen

So kam die kleine Onlinerunde des Brucker Unternehmerratschs auf die Idee, bekannte Politiker aus der Region hinzu zu bitten. Man fragte an beim Brucker CSU-Landtagsabgeordneten Benjamin Miskowitsch, sich bei der vierten Auflage zuzuschalten. Er könne über die bayerische Landespolitik referieren, und dann Fragen der hiesigen Gewerbetreibenden beantworten, so die Idee. Der Mammendorfer Landespolitiker sagte zu, doch weil die Anmeldezahlen noch geringer waren als zuvor, sagte Höfelsauer den Online-Ratsch ganz ab.

Eine weitere Hemmschwelle hat Vertriebstrainer Richter ausgemacht: „Es findet vielleicht nicht jeder sexy, sich in Videokonferenzen so öffentlich zu präsentieren.“ Zumal bisweilen die Technik an der einen oder anderen Stelle hakt. Bei dem einen fehlt mal das Bild, bei einem anderen mal der Ton. Einer kann sich nur per Text-Chat beteiligen, dann dauert das mit dem spontanen Diskussionsbeitrag länger.

Doch Höfelsauer will sich nicht entmutigen lassen. Zum einen lerne man aus jedem Fehler oder den technischen Schwierigkeiten. „Wenn wir ehrlich sind, müssen wir alle noch lernen, mit solchen Videokonferenzen umzugehen“, sagt er auf Nachfrage. Allein sich dort zu zeigen, erfordere eine gewisse Übung. Bis Herbst will er das Konzept jetzt überdenken und dann – falls regulären Stammtische coronabedingt nicht schon wieder möglich sind – einen neuen Anlauf starten.

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