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Ob das noch was wird? Bürger und Politiker wünschen sich marktähnliches Treiben auf dem Viehmarktplatz. 

Vernichtendes Urteil 

Viehmarktplatz: Details aus dem Gutachten

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Was geschieht mit dem Viehmarktplatz? Seitdem dem Rathaus ein verheerendes Gutachten zu zwei Planentwürfen vorliegt, ist diese Frage wieder offen. Das Papier lässt nur wenig hoffen. Die Experten haben eine Optimierungsstrategie.

Fürstenfeldbruck – In der zweiten Augustwoche machen sich Mitarbeiter des Beratungsinstitutes GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung) im Auftrag der Stadt Bruck ein Bild vom Viehmarktplatz – und zwar buchstäblich. Sie fotografieren das Areal aus allen erdenklichen Perspektiven. Sie analysieren die „Kurzcharakteristik“ des Standortes, vergeben Noten unter anderem für Erreichbarkeit des Platzes mit Fahrrad, Bus und Auto oder die Erweiterungsmöglichkeiten. Auf dieser Basis bewerten sie zwei Zukunftspläne der Stadt, auf die sich Bürger und Politiker nach langem Hick Hack verständigt hatten. Ihr Urteil ist vernichtend: der Loop, ein modernerer Bau in Form eines Dreiviertelkreises mit begehbaren Dach und modularen Marktständen: „durchschnittlich“. Die Marktscheune: „durchschnittlich bis weniger günstig“.

So steht es im GMA-Gutachten mit dem Titel „Neugestaltung des Viehmarktplatzes“, das dem Tagblatt vorliegt. Die Experten schreiben, dass bei beiden Konzepten die Verkaufsfläche hinter der marktüblichen Dimensionierung zurückbleiben würden. Das schränke den Nutzerkreis ein. Zudem fehlten Lager- und Nebenflächen. Das heißt: Die Entwürfe der Architekten sind zu konservativ geplant.

Das Gutachten hat Oberbürgermeister Erich Raff kürzlich veranlasst, den Konzepten eine Absage zu erteilen. Bei einem Pressegespräch sagte er: „Beide rechnen sich nicht.“ Zwar versucht derzeit Wirtschaftsförderin Aliki Bornheim, potenzielle Mieter und Investoren für den Loop zu begeistern, den die Gutachter noch besser bewerten als die Markthalle. Sie sollen das 3,8 Millionen teure Schlangen-Gebäude ohne Beteiligung der Stadt finanzieren. Doch die Hoffnung im Rathaus, dass sich jemand findet, scheint gering bis nicht vorhanden.

Vor dem Hintergrund potenzieller Nutzer sehen die Gutachter im Viehmarkt einen „Standort mit stark einschränkenden Herausforderungen“. Flächen- und Konzept-bedingt erschwere sich die Vermietung an einen Investor erheblich. Man musste viele Einzelmietverträge schließen. Und das sei aufwendig. Zudem schrecke mögliche Investoren ab, dass sie für das Grundstück nur ein Erbbaurecht erhielten.

Gleichwohl lässt das Gutachten ein wenig hoffen. Die Fachexperten legen eine Optimierungsstrategie für die Konzepte vor. Beim Loop müsste man demnach die Verkaufsfläche des Hallengebäudes von derzeit 415 auf 600 Quadratmeter erhöhen, um die Mindestbetriebsgröße gängiger Einzelhandelskonzepte zu überschreiten.

Die Gutachter empfehlen zu prüfen, ob das Gebäude mit einem höherwertigen Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebot belegt werden könne, das sich aufeinander bezieht. Alternativ schlagen sie einen spezialisierten Einzelhändler vor, der neben Waren auch Schulungen anbietet. Beispiel: „die Kombination aus einem hochwertigen Metzgereibetrieb oder Grillstore und Koch-/Grillseminaren.“

Ob so die Zukunft des Viehmarktplatzes aussieht?

Konzept-Bewertung

Stärken: 

Gute sozio-ökonomische Ausgangssituation des Standortes 

Mittige Lage der Stadt im Landkreis 

Stark frequentierter innerstädtischer Standort mit kurzen fußläufigen Distanzen zu den umliegenden Einzelhandelslagen 

Ansprechendes Erscheinungsbild der Neubauten 

Ansprache lokaler Gewerbetreibender und Stärkung der Regionalität

 

Schwächen:

 hofartige Gestalt der umliegenden Siedlungsstruktur 

Flächengröße schränkt potenziellen Nutzer-/Mieterkreis stark ein, da diese unterhalb der gängigen Mindesbetriebsgrößen liegt 

 Lager- und Nebenflächen fehlen 

 Nutzer/Mieter sind primär inhabergeführte Betriebe 

 Fehlende Alleinstellung des Angebotes im regionalen Kontext 

 Großer Verhandlungsaufwand bei Mietverträgen wegen kleinteiliger Nutzflächen

 Möglichkeiten (Loop): 

 Erweiterung der Markthallenfläche zur Steigerung der Marktfähigkeit 

 Nutzung durch Kombination eines hochwertiger Lebensmittelhandels mit Seminaren 

 Ansiedlung von aufeinander bezogenen Angeboten

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