Bauernmarkt

So vielfältig ist die Speisekartoffel

Fürstenfeldbruck – Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Das und was man aus der Wunderknolle so alles machen kann, haben die Besucher auf dem Bauernmarkt erfahren. Von Tornados bis Kartoffelkäse war alles dabei.

Rund 10,4 Millionen Tonnen Kartoffeln wurden vergangenes Jahr in Deutschland erzeugt. Um zu zeigen, wie besonders das Grundnahrungsmittel ist, fand am Wochenende der Tag der Speisekartoffel am Bauernmarkt statt. Dutzende Besucher wollten dort einen so genannten Tornado probieren. Die Kartoffellocken werden frittiert und lediglich mit Salz und Paprika gewürzt. Sie haben sich bereits 2015 zum absoluten Publikumsmagneten entwickelt.

Doch nicht aus jeder Kartoffel kann ein Tornado werden. Denn die Knollen sind je nach Sorte sehr unterschiedlich. „In diesem Jahr haben wir sechs verschiedene Sorten angebaut“, erzählt der 24-jährige Christian Keil aus Puchheim. Darunter auch einige ältere und unbekannte Kartoffeln. Dabei gab es heuer aber ein Problem. Durch den vielen Regen entstand die so genannte Krautfäule, eine erhöhte Feuchtigkeit in der Pflanze, die zu Ertragsausfällen führen kann.

Richard Bartels.

Im Vergleich zum trockenen Jahr 2015 sei man diesmal aber einigermaßen glimpflich davon gekommen. „Wir haben auch viele historische Sorten angebaut, die sich vom Geschmack her sehr unterscheiden“, erzählt Keil. Und tatsächlich: Während der „Rosa Tannenzapfen“, eine traditionelle Delikatess-Kartoffel, eher nussig schmeckt, ist „Cheyenne“, eine neuere Kartoffelsorte aus Frankreich, sehr süß.

Wenn man als Besucher zu der Kartoffel aber Kräuterquark essen möchte, bekommt man mindestens einen prüfenden Blick von dem 24-jährigen Sebastian Best aus Fürstenfeldbruck. „Diese besonderen Kartoffelsorten sollte man höchstens mit etwas Butter essen, sonst geht der gute Geschmack verloren“, erklärt er. Die traditionellen Sorten werden heute nur noch selten angebaut, weil sie für viele Bauern wirtschaftlich nicht mehr rentabel sind. Die Form einiger Kartoffeln kann von industriellen Maschinen kaum oder gar nicht verarbeitet werden. Deshalb ist bei historischen Kartoffelsorten viel Handarbeit und Geduld gefragt.

Und das kostet Zeit und Geld. Doch der Durchschnittskonsument sei heutzutage nicht mehr bereit, einen höheren Preis für Kartoffeln zu zahlen. Das kritisiert Richard Bartels von der Slow-Food Gruppe Fürstenfeldbruck: „Die Kartoffel ist zu einem Industrieprodukt geworden, bei dem es nicht um natürlichen Geschmack, sondern eher um den wirtschaftlichen Profit geht.“ Slow-Food ist eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern und mündigen Konsumenten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. Und so geht es ihnen auch bei der Kartoffel um „gute Sorten und handwerkliche Zubereitung“.

In der Hand hält Bartels an diesem Tag zwei lauwarme Steingefäße mit Kartoffelkäse, einem traditionellen Aufstrich, der entweder pikant oder mild serviert werden kann. „Den habe ich am morgen noch gemacht. Er schmeckt am besten, wenn er noch warm auf das Brot kommt“, schwärmt Bartels. Während sich viele jungen Gäste bei dem Wort „Kartoffelkäse“ verdutzt anschauen, kommen bei der älteren Generation Erinnerungen hoch. Am Ende bildet sich eine lange Schlange vor dem Slow-Food-Stand.

Und wer nach einer Delikatess-Kartoffel, dem Tornado und einem Brot mit Kartoffelkäse immer noch einen freien Platz im Magen gefunden hat, konnte die Probier-Arie mit einer andalusischen Gazpacho (eine kalte Tomatensuppe) abrunden. Die Familie Reichlmayr hatte sich hier aber nicht in der Veranstaltung geirrt, sondern wollte die Vielfalt betonen. Denn streng genommen gehört ja auch die Tomate zur Familie der Kartoffel. Nicht nur das haben die Besucher am Bauernmarkt gelernt. Sondern auch, wie viel Arbeit in einer Kartoffel stecken kann und dass es weit mehr als eine Sorte und einen Geschmack gibt. (Tim Grübl)

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