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Wie viele Kindergärten in ganz Deutschland heißt auch die integrative Einrichtung in Gröbenzell nach dem Domizil von Pippi Langstrumpf. 

Müssen Kindergärten zahlen?

Villa Kunterbunt und das Namensrecht

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Wenn sie durch ihre Villa Kunterbunt hüpft, haben ganze Generationen viel Spaß mit Pippi Langstrumpf. Keinen Spaß verstehen aber angeblich die Erben von Astrid Lindgren, der Schöpferin des Kinder-Idols, mit den Namensrechten. Doch deren Anwalt bekräftigt nun: Kindergärten hätten nichts zu befürchten.

Landkreis 1944 hatte die Autorin Astrid Lindgren als damals 37-Jährige ihre Kinderbuchfigur Pippi Langstrumpf geschaffen. Seitdem wurden weltweit 66 Millionen Bücher der Trilogie verkauft und in 70 Sprachen übersetzt. Aus Lindgrens Feder stammen auch „Michel von Lönneberga“ und „Ronja Räubertochter“. Am 28. Januar 2002 ist die schwedische Schriftstellerin in Stockholm gestorben. Seitdem klagt die achtköpfige Erbengemeinschaft regelmäßig auch vor deutschen Gerichten wegen der Namensrechte.

Vertreten werden die Nachfahren der Schriftstellerin in Deutschland vom Hamburger Medienanwalt Ralph Oliver Graef. Ein Kanzleisprecher hatte zunächst gegenüber dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt erklärt: „Die Lizenzgebühren sind abhängig von dem Umfang der Nutzung, deren Reichweite und der Größe des Unternehmens.“ Gemeinnützigen Organisationen würden deutlich niedrigere Sätze angeboten als Wirtschaftsunternehmen. Nun hat sich Graef persönlich eingeschaltet und stellt klar: „Wir freuen uns über jede Bildungseinrichtung, die sich für die Lebenswelt von Astrid Lindgren interessiert.“ Kindergärten, die sich Villa Kunterbunt nennen möchten, bräuchten nur eine Pro-forma-Anfrage stellen. Graef: „In der Regel werden dann die Lizenzen unbürokratisch und gebührenfrei erteilt.“

Nachdem zuletzt die ARD-Sendung „Brisant“ von einer neuerlichen Klageandrohung in Baden-Württemberg berichtet hatte, sind die Verantwortlichen in hunderten deutschen Kindergärten hellhörig geworden – auch in Fürstenfeldbruck und Gröbenzell. Was alle eint, ist der Name: „Villa Kunterbunt“.

Am 26. Juni 1985 hatte der Brucker Kultur- und Sozialausschuss unter der Leitung des damaligen Vizebürgermeisters Georg Hefferle einstimmig beschlossen, den Kindergarten im Westen der Kreisstadt nach dem Zuhause von Pippi Langstrumpf zu taufen. Lediglich dem mittlerweile bereits verstorbenen SPD-Stadtrat Helmut Geys waren damals schon Bedenken gekommen: „Ist es denn notwendig, diesen Namen offiziell zu verwenden?“ Diese Anfrage ist im offiziellen Protokoll nachzulesen, wie Stadtarchivar Gerhard Neumeier bestätigt. Trotzdem stimmte auch Geys ebenso wie alle anderen zwölf Ausschussmitglieder am Ende für „Villa Kunterbunt“.

In Olching wurde das Namensrecht von vornherein umgangen: Der dortige Kindergarten ähnelt nicht mal äußerlich einer Villa und heißt deshalb seit Jahrzehnten nur schlicht und einfach „Kunterbunt“. Betroffen sein könnte auch der integrative Kindergarten „Villa Kunterbunt“ in Gröbenzell. Seit 37 Jahren gibt es ihn. Der Name ist aus der Idee einer Elterninitiative entstanden.

Das ARD-Magazin „Brisant“ hatte über zwei Fälle in Baden-Württemberg berichtet, wonach sich zwei Gemeinden mit Klagen konfrontiert sehen würden. Die Rathäuser in Dielheim und Eppenheim hätten demnach Post aus Saltkrokan bekommen. Auf dieser schwedischen Insel, die einem weiteren Buch von Astrid Lindgren den Namen gab („Ferien auf Saltkrokan“) leben ihre Erben. 

Medienanwalt Graef erklärte jetzt gegenüber dem Tagblatt: „Die Bezeichnung „Villa Kunterbunt“ (und auch Pippi Langstrumpf etc.) ist markenrechtlich für das Unternehmen Saltkråkan AB geschützt. Das bedeutet, dass die Marke nur verwendet werden darf, wenn Saltkråkan AB der Nutzung zustimmt. Viele Unternehmen möchten gerne kostenlos und ohne zu fragen, von den Figuren Astrid Lindgrens profitieren. Dies ist markenrechtlich und urheberrechtlich in der Regel nicht zulässig.“ Das Ziel der Erbengemeinschaft bestehe darin,  das Werk von Astrid Lindgren zu schützen und zu fördern.

Trotzdem müssten, so Graef,  Kindergärten oder ähnilche gemeinnützige Organisationen eine Erlaubnis zur Namensbenützung haben. „Aber Saltkråkan AB hat sich entschieden, in der Regel keine Lizenzgebühr zu verlangen und auch keine Lizenzgebühren rückwirkend geltend zu machen.“ Der Anwalt bekräftigt auch: „Es werden auch keine Briefe mit Forderungen an Kitas verschickt. Die Kindertagesstätten können also unbesorgt sein.“

Weitere Entwicklungen in diesem Zusammenhang siehe hier.

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