Walter Müllersorgt sich um die Zukunft der Regionalbanken.

Trotz Niedrigzinspolitik

Volksbank will weder an Filialen noch an Personal sparen

Fürstenfeldbruck – Die Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck hat derzeit nicht die Absicht, Filialen zu schließen. Das erklärte Vorstandsvorsitzender Walter Müller auf Tagblatt-Nachfrage. Auch das Personal wolle man nicht reduzieren. Vor gut zwei Wochen erst hatte die Sparkasse bekannt gegeben, dass sie zum 1. Juli 2017 sechs Standorte aufgeben will – aus Kostengründen.

Die Zukunft der Regionalbanken könne aber durchaus in Gefahr geraten, erklärte Müller bei einem Vortrag über die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank. Organisiert hatte den Abend die Mittelstandsunion (MU). Ursache dafür sei EDIS (European Deposit Insurance System), eine Europäische Einlagensicherung, die laut einem Verordnungsentwurf der Europäischen Kommission in drei Schritten bis 2024 eingeführt werden soll. „Wenn es dann hart auf hart geht, müssten wir Darlehen liefern, die wir nie mehr wiedersehen würden“, sagte Müller. Das könne unter Umständen einer Regionalbank die Existenz kosten.

Gleichwohl würde dies laut Müller teilweise toleriert werden. Er zitierte Felix Hufeld, den Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit den Worten: „Der Austritt von Marktteilnehmern ist durchaus gewünscht.“ Die Bankenaufsicht habe wohl wenig dagegen, wenn Filialen und kleinere Banken verschwinden, folgerte der Vorstandsvorsitzende. Für ihn steht fest: EDIS ist eine Bedrohung für Sparkassen und deutsche Genossenschaftsbanken.

Mit Sorge betrachtet Müller auch das sich rasch verändernde Kundenverhalten, vor allem beim Online-Banking. „Ich erschrecke manchmal, wie leer unsere Geschäftsräume sind“, sagte er. Rund die Hälfte aller Kunden würden ihre Bankgeschäfte mittlerweile über das Internet abwickeln.

Die Folge: Kontoführungsgebühren als eine Einnahmequelle der Banken fallen weg. Ein dichtes Filialnetz müsse daher schon aus wirtschaftlichen Gründen hinterfragt werden, so Müller. Die Lage in Deutschland sei aber – im Vergleich etwa zu Italien – immer noch sehr gut. „Sie müssen vielleicht ein paar Kilometer mehr zu einer Bank fahren, aber sie haben noch einen persönlichen Berater.“ Die Stabilität der Sparkassen und Genossenschaften sei zudem durch deren Kontrollorgane gewährleistet.  (hk)

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