Ampermoos

Vor fünf Jahren kam die Flut: Rückblick auf das Juni-Hochwasser 2013

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Sonne und Temperaturen bis zu 30 Grad. Das ist der Frühsommer 2018. Vor fünf Jahren sah das ganz anders aus: Nach starken Regenfällen traten Flüsse über die Ufer, das Ampermoos lief voll und vielerorts pumpten die Menschen ihre Keller leer. Das Hochwasser Anfang Juni 2013 traf den Landkreis hart – und blieb nicht ohne Folgen.

Fürstenfeldbruck  Andauernder Starkregen ging am ersten Juniwochenende 2013 über der Region nieder. Flüsse und Bäche konnten die Wassermassen bald nicht mehr fassen. Der Grundwasserspiegel stieg unaufhaltsam. Das Zehn-Jahreshochwasser kam nicht überraschend. Wetterfrösche und das Wasserwirtschaftsamt hatten es vorhergesagt Die Einsatzkräfte waren vorbereitet. Und dennoch konnten sie die Fluten nicht verhindern.

Über 1000 Mal mussten die Feuerwehren binnen weniger Tage ausrücken. Tag und Nacht wurden Sandsäcke befüllt und an die Einsatzorte transportiert. In den Baumärkten waren innerhalb weniger Tage alle Wasserpumpen ausverkauft.

Es gab jede Menge Sachschäden. Aber auch ein Menschenleben war zu betrauern. Einige Tage nach dem Hochwasser ging ein 35-Jähriger nach der Arbeit in Grafrath in die Amper um sich abzukühlen. Dabei unterschätzte er die Strömung in dem noch stark angeschwollenen Fluss. Der Mann wurde weggerissen. Jede Hilfe kam zu spät. Seine Leiche wurde Tage später in Fürstenfeldbruck angeschwemmt.

Eine Frau und ihr Hund hatten mehr Glück. Die Allingerin fuhr mit ihrem Pkw in eine überflutete Unterführung bei Gilching. Zwei Passanten reagierten geistesgegenwärtig und zogen die 63-Jährige aus ihrem Auto, bevor dieses komplett versank. Ihr Hund Pequina wurde anschließend ebenfalls gerettet und versorgt.

Im westlichen Landkreis traf die Flut besonders die Maisacher Gemeindeteile Rottbach, Malching, Diepoltshofen und Überacker. Höfe und Sportplätze glichen einer Seenlandschaft. Bürgermeister Hans Seidl (CSU): „Unter diesen Orten befindet sich Lehmboden, der nicht so gut die Wassermassen aufnehmen kann, wie der Untergrund unter Maisach und Gernlinden.“ Damit kommende Fluten nicht mehr so gravierende Auswirkungen haben, hat der Gemeinderat beschlossen, dass Flachdächer begrünt werden müssen, um vorübergehend als Wasserspeicher zu dienen.

In Olching hatten die Anwohner des Starzelbachs bei der Flut 2013 am meisten zu kämpfen. Damit der in der Stadt künftig nicht mehr so schnell über die Ufer tritt, will sich Olching künftig besser mit den anderen Bachanrainern Alling und Eichenau abstimmen, wie Olchings Feuerwehrkommandant Josef Gigl erklärt. Außerdem wurde inzwischen ein neues System angeschafft, dass das Hochwasser in große Plastikbehälter einfängt, die dann gleichzeitig als Schutzwall dienen.

Fürstenfeldbruck kam 2013 glimpflich davon. Die Stadt hatte aus dem Pfingsthochwasser 1999 gelernt. Vor fünf Jahren konnten die Brucker so, etwa mit ihrer Sandsackfüllanlage, Nachbarkommunen unterstützen. Das berichtet Feuerwehrreferent Andreas Lohde. Mit bangen Blicken schauten Verantwortliche, Einsatzkräfte und Bürger vor fünf Jahren auf das Ampermoos. Dieser natürliche Wasserspeicher bei Kottgeisering nimmt die Wassermassen aus dem Ammersee auf. 2013 reichte die Kapazität. Die Unterlieger blieben vom Schlimmsten verschont. Getroffen hat es die Tiere im Naturschutzgebiet. Bodenbrüter verloren ihre Nester. Zu allem Überfluss paddelten danach verbotenerweise Katastrophentouristen durch das überschwemmte Moos. Aus der Luft boten sich eindrucksvolle Einblicke.

Eine Chronologie des Hochwassers 2013

Sonntag, 2. Juni 2013: Nach extremem Starkregen drohen im Olchinger Westen Keller vollzulaufen. In Eichenau kämpften Einsatzkräfte darum, den Starzelbach in seinem Bett zu halten. In Gröbenzell und Puchheim ist die Lage ebenfalls dramatisch. Kniehoch steht das Wasser am Abend in Überacker. Sturzbäche fließen nach Diepoltshofen und vom Stefansberg nach Oberlappbach. Die Straße zwischen Germerswang und Rammertshofen wird wegen einem Erdrutsch gesperrt. In Bruck verfolgt die Feuerwehr angespannt den Amperpegel. 

Montag, 3. Juni: Der Regen hat langsam nachgelassen. Der Pegel der Amper nähert sich der 1,70 Meter Marke. Das entspricht Hochwasser-Meldestufe 1. Sandsäcke reichen aber vorerst zur Sicherung der Anrainergebäude aus. Im östlichen Landkreis laufen zahlreiche Keller voll, vor allem weil die Kanäle überfüllt sind und das Grundwasser durch die Rohre in die Häuser gedrückt wird. Teils werden Dixie-Klos aufgestellt, da viele Toiletten nicht benutzbar sind. Im westlichen Landkreis gibt es in fast jedem Ort Häuser, in denen Wasser mit Schläuchen ins Freie gepumpt wird. Die Unterführung in Malching ist unbenutzbar, die Schulkinder werden mit einem Shuttle-Bus in die Schule gebracht. 

Dienstag, 4. Juni: Eine Allinger Tierärztin fährt in eine überflutete Unterführung und bleibt stecken. Sie droht mit ihrem Hund unterzugehen und wird gerettet. Puchheim stehen Teile der Einschleifung zur B2 unter Wasser. Die Autos weichen auf Puchheim-Ort aus, was zu langen Staus führt. In Olching kämpft die Feuerwehr mit ausgelaufenen Öltanks. 

Mittwoch, 5. Juni: Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gange. Olching bietet einen Abholservice für Hochwassermüll an. 20 Tonnen Abfall kamen zu diesem Zeitpunkt bereits zusammen. Trotz Verbots fahren Kajakfahrer ins überflutete Ampermoos. Das Hochwasser lockt viele Schaulustige in das Naturschutzgebiet. Dienstag, 18. Juni: Das Hochwasser fordert noch ein Todesopfer. Ein 35-jähriger Inder aus Grafrath wird von der starken Strömung in der Amper mitgerissen.

So war das Pfingsthochwasser im Jahr 1965. Hier finden sich Erinnerungen an Pfingsten 1999.

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