Das Reh – hier zu sehen ein Bock – dürfe nicht zum Sündenbock für Waldschäden gemacht werden, finden die Jäger.
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Das Reh – hier zu sehen ein Bock – dürfe nicht zum Sündenbock für Waldschäden gemacht werden, finden die Jäger.

„Reh darf nicht zum Sündenbock werden“

Vor neuem Vegetationsgutachten für den Landkreis FFB: Jäger fordern maßvolle Abschussplanung

  • Helga Zagermann
    vonHelga Zagermann
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Im Vorgriff auf das neue Vegetationsgutachten machen sich die Jäger im Landkreis schon für eine maßvolle Abschussplanung stark.

Landkreis – Dieses Jahr wird turnusgemäß von den Behörden ein neues sogenanntes Vegetationsgutachten erstellt. Es zeigt den Zustand der Waldverjüngung auf sowie die Schäden durch Wildverbiss. Im Vorgriff auf das Gutachten stecken schon jetzt die Jäger ihr Revier ab. Die Kreisgruppe im Bayerischen Jagdverband fordert eine Abschussplanung im Schulterschluss mit den Grundbesitzern. Zwischen den Zeilen der Pressemitteilung klingt durch: Die Jäger wollen nicht zu viel schießen.

Der Entwurf des neuen Jagdgesetzes sieht laut Kreisgruppen-Sprecher Michael Pöllmann die Verjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen vor. Er sagt dazu: „Den Verbiss baumschulgedüngter Douglasien oder anderer Baumarten im monokulturellen Fichtenertragswald auszuschließen, würde eine Reduktion des Rehwildes auf null bedingen. Das ist Unfug.“ Wenn man auf einen Teller mit Zwieback dazwischen einige Pralinen lege, sei der Effekt vorhersehbar. Es gebe nicht erst einen Lebensraum und dann das Wild, „sondern ein natürliches Zusammenspiel der verschiedenen Pflanzen- und Tierarten und eine einfache Logik zwischen Nahrungsangebot und -nachfrage“. Die Jäger setzen nun ihre Hoffnung darauf, dass auf Basis des Gutachtens „eine konstruktive Diskussion mit den Grundbesitzern über jagdliche Schwerpunkte zur Verstärkung waldbaulicher Aktivitäten“ möglich ist. Pöllmann betont, dass sich das Wild durch den coronabedingten Freizeitdruck in die Wälder zurückgezogen habe und gestresst sei. „Deutlich erschwerte Jagdbedingungen sind die Folge. Das muss bei der Abschussplanung berücksichtigt werden.“

Aktuell werde nicht nur Fichten, sondern auch Buchen und Eichen mangelnde Zukunftsfähigkeit attestiert. Ob die Zukunft der Wälder etwas mit Libanozeder, Esskastanie, Japanischen Zirkaven oder Colorado-Tannen zu tun haben wird, bleibe festzustellen, so Pöllmann.

Tatsache ist: Der Wald ist durch den Klimawandel gefährdet. Etwa 40 Prozent der in Bayern vorkommenden Planzen- und Tierarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

„Es wäre jammerschade, wenn man versucht, die Jägerschaft zu zwingen, unverhältnismäßig einzugreifen“, sagt der Vorsitzende der Brucker Jägerschaft, Gerhard von Hößlin. Man habe die Entwicklung jahrelang ignoriert, jetzt dürfe man nicht das Reh zum Sündenbock machen. Bisher seien die Abschusszahlen noch nie gesenkt worden – der Verbiss hingegen habe sich über die vergangenen Jahrzehnte hinweg reduziert. Die Jägerschaft wolle weiter „Anwalt eines gesunden Artenreichtums“ sein.

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