In Fürstenfeldbruck

Vorläufige Insolvenz beim SCF: Vergleich als oberstes Ziel

Nur rund 30 Mitglieder des SC Fürstenfeldbruck waren zu der Infoveranstaltung gekommen, zu der das Präsidium im Auftrag der Insolvenzverwalter eingeladen hatte. 

Fürstenfeldbruck – Knapp eine Stunde lang erläuterten Oliver Schartl und Henrik Brandenburg von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen das seit 22. September laufende, vorläufige Insolvenzverfahren und welche Konsequenzen daraus entstehen könnten.

Präsident Jakob Ettner habe richtig gehandelt, als er beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt habe, weil der Verein zahlungsunfähig war. Nachdem die Versuche gescheitert waren, sich mit den Gläubigern, hauptsächlich dem Finanzamt und der Stadt zu einigen und Stundungen abgelehnt wurden, war Ettner gezwungen, diesen Weg zu beschreiten. Im Rahmen einer Betriebsprüfung wurde eine Steuerschuld in Höhe von 220 000 Euro festgestellt, die der Verein nicht stemmen konnte. Verursacht wurde diese in erster Linie durch die Aberkennung der Gemeinnützigkeit über einen Zeitraum von vier Jahren.

Eine Verfahrenseröffnung zu vermeiden, das sei sowohl für den Verein, aber auch für die Gläubiger der beste Weg, so Schartl. Beim Finanzamt und bei OB Erich Raff seien sie dabei auf offene Ohren gestoßen, denn niemand möchte, dass der Verein stirbt.

Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit erfolgte, weil im Bereich des Belegnachweises geschlampt wurde. Die Verantwortlichen werde man laut Schartl in den nächsten Wochen auffordern, Schadenswiedergutmachung zu leisten. Man wolle sich mit den Gläubigern vergleichen.

Finanzamt und Stadt hätten signalisiert, dass sie unter diesen Umständen zu einem Vergleich bereit wären. „Ob die Herrschaften, die wir dazu auffordern, bereit sind, mitzumachen“, wird sich zeigen“, sagte Schartl. Sollte das gelingen, könnte der Verein seinen Antrag auf Insolvenz zurückziehen. „Kommt es nicht dazu, sind wir auch mit unserem Latein am Ende.“

Mit Eröffnung des Verfahrens sterbe aber der Verein nicht gleich. Die Insolvenzverwalter haben aber die Pflicht, die Vermögensverwertung durchzuführen. Sicherlich käme da auch Geld zusammen, um die Gläubiger zu befriedigen, aber der zuvor aufgezeigte Weg, sei der wirtschaftlich Vernünftigere, weil er zu einer deutlich höheren Befriedigung für die Gläubiger führen würde. Grundvoraussetzung für den Lösungsansatz ist jedoch, dass sich die Personen, die sich in der Verantwortung sehen, bereit sind, ihren Beitrag zu leisten.

Um dem Verein Geld in die Kasse zu spülen, habe er das Freundschaftsspiel am 27. Januar gegen die Löwen beschafft, sagte Schartl. Aber auch die Mitglieder könnten einen Beitrag leisten, wie Spenden auf ein Treuhandkonto einzahlen. Dieses zähle nicht zum Vermögen des Vereins und somit auch nicht zur Insolvenzmasse. Kommt der Vergleich nicht zustande, erhalten die Spender ihr Geld wieder zurück. „Die Verfehlungen, die den Verein in die Krise geführt haben, sind entstanden, als der jetzige Vorstand noch gar nicht in Amt war, das muss man deutlich herausstellen“, nahm Brandenburg das aktuelle Präsidium aus der Schusslinie. „Der jetzige Vorstand werde völlig zu Unrecht angefeindet.“

Schartl appellierte an die Zusammengehörigkeit im Verein. Nur wenn das Verfahren nicht eröffnet wird, gibt es die Möglichkeit, sich zu vergleichen, machte er deutlich.

SCF-Urgestein Gerhard Knöchel erinnerte an die 250 000 Euro Schulden, die einst die Volkshochschule machte. „Die Stadt als zuständige Aufsichtsbehörde hat die Schulden damals locker übernommen. Sie könnte im Rahmen der Gleichbehandlung jetzt beim SCF auf ihre Forderungen verzichten.“ Das gehe nicht, so Schartl „Sonst bekommen sie Probleme.“

SCF-Ehrenpräsident Hans Hahn, der seinen Ehrentitel zurückgab, mokierte sich darüber, dass das Präsidium ihm keinen Einblick in den Betriebsprüfungsbericht gewährte. Er hätte gern gewusst, welche Dinge das Finanzamt dem Verein vorwerfe. Schartl entgegnete: „Sie sind nicht in der Organstellung und haben kein Recht auf Einsicht.“

Vizepräsidentin Ursula Valier untermauerte das. Sie habe sich bei der Steuerberaterkammer informiert. „Sie sind kein offizielles Organ des Vereins. Aus Gründen der Verschwiegenheit als Steuerberater wurde mir dringend davon abgeraten.“  (Dieter Metzler)

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