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Was gilt noch als frisch? Bei Gemüse und Obst sind die Vorschriften besonders streng.

Strenge Auflagen

„Die Vorschriften knebeln uns“: Regulierungswut bremst Tafel-Läden

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Containerer, Foodsaver, Lebensmittelretter – immer mehr Gruppen ziehen gegen Lebensmittelverschwendung ins Feld. Eine Organisation, die seit Langem nicht mehr verkäufliche aber noch gute Nahrungsmittel verteilt, gerät dabei zwischen die Fronten: die Tafel.

Fürstenfeldbruck –  In der Zwickmühle zwischen der Spendenbereitschaft von Supermärkten und strengen Hygienevorschriften versuchen die Helfer sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu konzentrieren – und Bedürftige zu versorgen.

Es ist kurz vor zwölf im Laden der Brucker Tafel. Die Brotregale der Ausgabestelle für nicht mehr verkäufliche aber noch gute Nahrungsmittel sind fast leer, auf einem Teller liegen letzte Gebäckstücke. Wurst und Käse gehen zur Neige. Die ehrenamtlichen Helfer verteilen, was sie haben. Eine Rentnerin etwa muss aus gesundheitlichen Gründen vegetarisch leben, auch ohne Ei. „Ich bekomme hier erstaunlich viel“, sagt sie.

Auch mal was aus dem Reformhaus in der Tafel

Besonders freut sie sich immer, wenn gespendete Produkte aus einem Reformhaus im Tafel-Laden auftauchen. „Einmal habe ich Vitaminpulver bekommen, das hätte regulär sicher 20 Euro gekostet.“ Die Seniorin weiß, dass die Tafel nur bedingt Einfluss auf das Angebot im Laden hat. „Ich kriege hier, was die geschenkt bekommen.“

Frank Bormann holt Brot, Gemüse, Wurst und Milch. Bis vor zwei Jahren war der 53-jährige Schichtleiter in einer Großküche. „Was da weggeworfen wurde, war eine Frechheit. Es wurden palettenweise Lebensmittel vernichtet.“

Die Ware, die die Brucker Tafel an Bedürftige weitergibt, stammt aus Supermärkten, Bäckereien und Metzgereien in der Region. Doch jeder Markt geht mit seinen aussortierten Produkten anders um, berichtet Elisabeth Weller. Sie ist im Vorstand der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Stiftung betreibt die Tafeln. Manche Supermärkte geben Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum – das nicht über die Genießbarkeit entscheidet, sondern lediglich eine Empfehlung ist – durchaus noch ab. Andere werfen sie auf den Müll.

Die Kühlkette darf auf keinen Fall unterbrochen werden. Sonst muss Lidija Bartels alles wegwerfen.

Fällt das jemandem auf, wird schnell an der falschen Adresse Kritik geübt. „Dann heißt es: Warum nimmt die Tafel das nicht? Aber an uns liegt es nicht“, erklärt Elisabeth Weller. Der Vorwurf, die Tafel sei zu wählerisch oder gar überversorgt, ärgert sie. „Wir stehen permanent unter Rechtfertigungsdruck. Dabei werden wir kontrolliert wie ein Lebensmittelgeschäft, für uns gelten die gleichen Hygienevorschriften.“

Strikte Hygiene-Vorschriften in den Tafeln

Alle Mitarbeiter der Tafel-Läden mussten eine Hygieneschulung machen. Das dazugehörige Heft mit Arbeitsanweisungen hat gut 40 Seiten. Die Vorschriften besagen zum Beispiel: Ist in einer Schale Himbeeren nur eine einzige verschimmelt, muss die ganze Schale weggeworfen werden, weil potenziell der komplette Inhalt schon befallen sein kann.

Die schlechte Frucht aussortieren und den Rest an die Kunden weitergeben – das geht nicht. „Wenn ich das zu Hause so mache, ist es meine eigene Entscheidung“, erklärt Elisabeth Weller. „Aber der Tafel-Kunde hat ja nicht mehr die Wahl.“

Gebrauchte Eierkartons für die Tafel tabu

Mag diese Regel noch nachvollziehbar sein – andere sind es weniger. Neuerdings darf die Tafel keine gebrauchten Eierkartons mehr aufheben und wiederverwenden, um gespendete Eier von Paletten umzufüllen. Die Kunden müssen ihre eigenen Schachteln mitbringen oder die zerbrechliche Fracht irgendwie anders nach Hause transportieren. Lidija Bartels und Hedwig Früchtl, die Leiterinnen des Tafel-Ladens in Fürstenfeldbruck, ärgert das. „Dass wir nur saubere Schachteln benutzt haben, ist doch klar.“ Sie beklagen, dass die Regulierungswut keinen Platz mehr lasse für gesunden Menschenverstand. „Die Vorschriften knebeln uns.“

Ehrenamtliche Mitarbeiter in der Tafel

Auch Molkereiprodukte sind für die Tafeln tabu, wenn die Kühlkette unterbrochen wurde. Der Brucker Tafel-Laden wird von ehrenamtlichen Kräften betrieben, von denen jeder kräftig anpacken muss. Die Abläufe sind durchorganisiert, alle Helfer haben feste Aufgaben, es gibt einen Dienstplan und einen Tourplan.

Die Tafel-Fahrer – die zwar fit, aber doch schon lange im Rentenalter sind – steuern jeden Mittwoch 40 Geschäfte in der ganzen Region an, um Ware einzusammeln. Manchmal waren vorher schon die Lebensmittelretter da. Dann gibt es für die Tafel weniger.

Tafel-Arbeit: Rund um die Uhr

Mit der Leitung des Ladens in der Münchner Straße in Fürstenfeldbruck wechseln sich Lidija Bartels und Hedwig Früchtl wöchentlich ab. Wer gerade dran ist, muss 24 Stunden am Tag über das Tafel-Handy erreichbar sein. Es könnte ja sein, dass irgendwo unerwartet Lebensmittel abgeholt werden können, weil in einem Supermarkt eine Kühltruhe ausgefallen ist. Dann heißt es, alles stehen und liegen lassen und hinrasen. „Tafel-Arbeit“, sagt Lidija Bartels, „ist rund um die Uhr.“

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