Dr. Andreas Forster.
+
Dr. Andreas Forster.

Der Weg aus der Pandemie

Vorsitzender des Kreisärzteverbands im Interview: „Leute, lasst Euch impfen!“

  • Thomas Steinhardt
    VonThomas Steinhardt
    schließen

Die Corona-Pandemie hat gravierende Folgen für den Alltag der Hausärzte. Dr. Andreas Forster, Vorsitzender des Kreisärzteverbands Fürstenfeldbruck, berichtet.

Fürstenfeldbruck - Wie geht es den niedergelassenen Ärzten in der Pandemie? Wozu rät der Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands, Andreas Forster? Ein Interview.

Die Lage in den Kliniken wird immer wieder beschrieben. Wie ergeht es den niedergelassenen Ärzten in dieser vierten Corona-Welle?

Die Arbeitsbelastung hat in der vierten Corona-Welle um bis zu 30 Prozent zugenommen. Manche Kollegen machen zusätzliche Impfsprechstunden, weil es sonst nicht mehr geht. Die Ärzte bemühen sich wirklich, honoriert wird das leider oft nicht. Die Impfzentren werden jetzt ja wieder hochgefahren. Etwas unsicher ist oftmals die Versorgung mit Impfstoff. Da stellt man sich dann die Frage: Kann man den Patienten einbestellen oder nicht? Die ambulante Arbeit insgesamt funktioniert aber gut. Weiterhin ein Problem ist das Testen, gerade wenn jemand mit Symptomen kommt. Wir sind da in Gesprächen mit dem Landratsamt.

Viele Ärzte raten zur Impfung. Gibt es keinen anderen Weg aus der Pandemie?

Nein. Andere Länder haben es ja versucht und gehofft, eine Herdenimmunität zu erreichen. Das klappt nicht. Und nur zu warten, bis die Anfälligen weggestorben sind, wäre zynisch. Daran mag ich gar nicht denken. Impfen ist der einzige Weg aus dieser Pandemie. Darum sage ich: Leute, lasst Euch impfen. Leider gibt es auch unter Ärzten einige wenige Querdenker, die das anders sehen.

Dr. Andreas Forster: „Die wirklichen Spreader: Das sind die Ungeimpften“

Wenn jemand unsicher ist, ob er sich impfen lassen soll oder nicht. Was würden Sie dem sagen?

Impfen ist sicher. Es gibt keine Impfung, die so gut untersucht ist wie diese. Es gibt riesige Datensätze. Nur weil so unglaublich viele Menschen auf einmal geimpft wurden, fallen ganz seltene Nebenwirkungen auf. Wenn eine Frau raucht und die Pille nimmt, ist die Gefahr einer Thrombose viel höher als durchs Impfen. Außerdem darf man nicht vergessen: Es gibt Leute etwa mit Krebserkrankungen, die können sich nicht impfen lassen. Die werden gefährdet, wenn andere ungeimpft sind. Das größte Risiko im Rahmen der Impfung umzukommen, besteht auf der Autofahrt zum Impfzentrum, das Unfallrisiko ist um ein vielfaches höher als das Risiko einer tödlichen Impfkomplikation.

Die Debatte um sogenannte Impfdurchbrüche verunsichert viele Menschen. Wie verhält es sich mit diesen Durchbrüchen aus Ihrer Sicht?

Eine Impfung schützt nicht immer vor einer Erkrankung. Aber sie schützt vor einem schweren Verlauf. Viele Geimpfte bemerken eine Infektion gar nicht. Menschen mit einem Impfdurchbruch werden nicht schwer krank – sie bekommen allenfalls grippeähnliche Symptome. Ich möchte nicht wissen, wie viele Patienten mehr auf einer Intensivstation wären, wenn sie nicht geimpft wären. Natürlich können Geimpfte auch andere anstecken. Aber die wirklichen Spreader: Das sind die Ungeimpften.  

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare