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Im Fürstenfeldbrucker Rathaus beginnt nach Schließung der Wahllokale das große Zählen der Kreuzerl. Zuerst werden die Urnen ausgeleert. 

So lief der Abend

Bundestagswahl im Landkreis Fürstenfeldbruck: CSU verteidigt Direktmandat

  • Thomas Steinhardt
    VonThomas Steinhardt
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  • Ingrid Zeilinger
    Ingrid Zeilinger
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Deutschlandweit musste die Union Federn lassen, auch die CSU hat es getroffen. Trotzdem wird die Region Bruck/Dachau weiter von einer konservativen Politikerin in Berlin vertreten. Lange Gesichter gab es am Wahlabend bei AfD und Freien Wählern.

Landkreis – Trotz einiger Verluste hat Katrin Staffler aus Türkenfeld ihr Direktmandat für die CSU für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck/Dachau klar verteidigt. Ihr größter Herausforderer Michael Schrodi (SPD) lag am Ende doch deutlich hinter ihr.

Die CSU-Frau

Als Katrin Staffler bei der Wahlparty im Landratsamt eintrifft, gratuliert ihr der Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch (CSU) mit einem Blumenstrauß.

Staffler sah das Ergebnis als Bestätigung ihrer bisherigen Arbeit. Es sei auch gelungen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Nun gelte es „weiter zu arbeiten“. Nachdenklich mache sie allerdings die Oberflächlichkeit des Wahlkampfs. „Das ist nicht die Art von Politik, die ich gerne mache.“ Natürlich, das räumte sie ein, hätten sich viele Leute in Bayern einen anderen Kanzlerkandidaten im Bund gewünscht, wie sie selbst zu jener Zeit im Übrigen auch. Allerdings gelte es, einmal getroffene Entscheidungen zu verteidigen und mitzutragen.

Der SPD-Mann

„Ich bin froh, dass ich und auch die SPD zulegen konnte.“ Das sagte Michael Schrodi. Hätte die Stimmung in den vergangenen zwei Wochen gehalten, wäre noch mehr möglich gewesen. Aber es seien deutliche Zuwächse. „Wir sind vor den Grünen.“ Die SPD habe einen sehr guten Abend erlebt.

Beobachten die ersten Ergebnisse: Michael Schrodi (r.) mit Familie und Parteifreund Peter Falk.

Die Grüne

Mit ihrem Ergebnis im Wahlkreis ist Beate Walter-Rosenheimer (Grüne) zufrieden. „Wir haben ziemlich gut zugelegt.“ Die Grünen hätten sich weiter etabliert, vor allem im ländlichen Bereich. Dort gebe es viele motivierte Aktive. Bundesweit hätte sie schon mit 17 Prozent gerechnet. „Es ist enttäuschend, ich hätte mir mehr gewünscht.“ Taschentücher brauche man aber nicht auspacken. Wichtig sei nun, dass die Grünen mitregieren und den Klimaschutz voranbringen können. „Ich würde die Union gerne vier Jahre in der Opposition sehen.“

Da die Grünen weniger Stimmen als erwartet bekommen haben, steht der Wiedereinzug von Beate Walter-Rosenheimer in den Bundestag auf der Kippe. Sie sei bewusst auf der Liste weiter nach hinten gegangen, um junge Leute vorzulassen. Nun werde es eng. „Es wäre wahnsinnig schade, auch für uns Grüne im Wahlkreis.“

Die Linke

Kandidatin Ernestine Martin-Köppl (Linke) zeigte sich mit ihrem Ergebnis nicht zufrieden, sie sei sogar erstaunt davon. Denn sie habe viel positives Feedback bekommen. „Ich hatte das Gefühl: Wir bekommen mehr.“

Der FDP-Kandidat

Ulrich Bode von der FDP sprach vom besten Wahlkampf, den seine Partei in der Region jemals gemacht habe. Die Schlusskampagne der CSU habe viel von den Stimmen der FDP abgezogen. Bode berichtete von einem Mitgliederzuwachs. Insgesamt sei er mit dem Ergebnis zufrieden. „Der Wahlkampf hat sehr viel Spaß gemacht.“

Daumen hoch: Ulrich Bode freut sich über das Abschneiden der FDP.

Die Freie Wählerin

Susanne Droth stand auch am späten Sonntagabend noch im Ameisenstüberl und bereitete Currywurst, Pommes und mehr zu. Es spielte Live-Musik, dazwischen gab es Hochrechnungen. Die Gäste hielten die Wirtin, die für die Freien Wähler kandidiert hatte, auf dem Laufenden. Mit ihrem Ergebnis ist sie zufrieden. Und die FW hätten ihr Ergebnis fast verdoppelt. „Es ist ein guter Anfang, viele Menschen haben gesehen, dass es die Freien Wähler gibt.“ In vier Jahren könne man es in den Bundestag schaffen. „Aber natürlich liegt noch viel Arbeit vor uns.“ Susanne Droth hätte gedacht, dass die Grünen mehr reißen.

Der AfD-Bewerber

Florian Jäger (AfD) ist nicht zufrieden mit seinem Ergebnis. „Ich hatte die Erwartung, mein Ergebnis im Vergleich zur Wahl 2017 stabil zu halten.“ Doch in Bund und Bayern habe man Stimmen abgegeben. „Die große Frage ist, warum wir nicht von den Stimmverlusten der CDU/CSU profitieren konnten.“ Jäger glaubte, dass der Ruf den einen oder anderen gutbürgerlichen Wähler darin hindere, die AfD zu wählen. Und wegen der Corona-Pandemie seien keine Veranstaltungen möglich gewesen, die einen mobilisierenden Effekt gehabt hätte.

Der Parteifreund

Der CSU-Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch hielt es für bezeichnend, dass die CSU in Bayern sich über 33 Prozent freuen müsse. „Wir dürfen jetzt nicht nur nach Berlin schauen. Uns selbst sind auch Hausaufgaben aufgegeben worden.“ Immerhin sei es gelungen, das Damoklesschwert Rot-Rot-Grün zu verhindern. „Zufrieden aber können wir nicht sein.“ Freilich ist auch Miskowitsch der Meinung, dass die Wahl mit Söder als Spitzenkandidaten besser gelaufen wäre. „Der hätte die anderen eher verfrühstückt.“ Jedoch dürfe man nicht vergessen, dass Laschet ein großes Bundesland erfolgreich führe. Bei ihm sei eher auf weiche Faktoren geschaut worden.

Der Landrat

Dass man bei dieser Wahl kein Strauß‘sches Ergebnis mit 60 Prozent erwarten könne, sei klar gewesen, kommentierte Landrat Thomas Karmasin (CSU) den Bundestrend. Leider bleibe die AfD stabil, zufrieden sei er aber über das überschaubare Ergebnis der Linken. Wichtig sei nun, dass es in Berlin zu einer halbwegs bürgerlichen Regierung komme. „Aus bayerischer Sicht hätten wir uns natürlich einen zugkräftigeren Kandidaten gewünscht.“

Alle News und Infos zur Wahl lesen Sie auch in unserem Live-Ticker zur Bundestagswahl im Landkreis Fürstenfeldbruck.

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