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Wald im Wandel: 60 000 Bäume gepflanzt

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Von: Tobias Gehre

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So funktioniert der Waldumbau: Anita Ottmann, Leiterin des Forstreviers Fürstenfeldbruck, AELF-Chef Franz-Josef Mayer (l.) und sein Abteilungsleiter Forst, Gero Brehm, besichtigen einen Bereich im Wald bei Emmering, der gerade umgebaut wird.
So funktioniert der Waldumbau: Anita Ottmann, Leiterin des Forstreviers Fürstenfeldbruck, AELF-Chef Franz-Josef Mayer (l.) und sein Abteilungsleiter Forst, Gero Brehm, besichtigen einen Bereich im Wald bei Emmering, der gerade umgebaut wird. © Gehre

Noch immer beherrscht die Fichte die Wälder im Landkreis. Doch Klimawandel und Borkenkäfer machen den Bäumen zu schaffen. Deshalb bauen immer mehr Waldbesitzer ihren Forst um. Allein im vergangenen Jahr pflanzten sie rund 60 000 Bäume – mit amtlicher Unterstützung.

Fürstenfeldbruck – Plötzlich tut sich ein Loch im sonst dichten Wald auf der Emmeringer Leite auf. Wo einst dicke Stämme in die Höhe ragten, kauern jetzt nur noch ein paar Stümpfe. Dazwischen stehen alle paar Meter zylinderförmige Kunststoffgitter. Sie schützen die nur wenige Zentimeter großen Baby-Tannen in ihrem Inneren vor den gierigen Mäulern der Rehe. Der Besitzer des rund ein Hektar großen Waldstücks baut seinen Wald um. Auf dem Areal hat er rund 200 Tannen sowie etwa 600 Eichen, Buchen und Linden gepflanzt. Auf diese Weise soll sein Wald fit gemacht werden für die Zukunft.

Zuschuss für jeden Baum

So wie auf der Emmeringer Leite sieht es derzeit an vielen Stellen im Wald im Landkreis aus. Viele private Forstbesitzer bauen ihren Wald um. Unterstützung bekommen sie dabei vom Brucker Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Die Behörde schießt für jeden Baum, der den Forst in einen resistenten Mischwald verwandeln soll, 2,50 Euro zu. Mit dieser Förderung wurden im vergangenen Jahr über 50 000 Laubbäume gepflanzt, erklärt AELF-Chef Franz-Josef Mayer. Hinzu kamen rund 9000 Tannen, Douglasien und Lärchen. „Mischwald ist die beste Versicherung gegen den Klimawandel“, erklärt Mayer.

Doch für zahlreiche der rund 4500 Waldbesitzer im Landkreis ist der Umbau leichter gesagt als getan. Viele hätten kleine Parzellen geerbt – aber keine Ausbildung in Sachen Waldbau. Um ihnen die Grundlagen zu vermitteln, veranstaltet das AELF Kurse. Außerdem gibt es eine Vor-Ort-Beratung durch Förster. Um die Maßnahmen anschaulich zu machen, gibt es beim Mittelstettener Ortsteil Längenmoos zudem einen sogenannten Waldumbau-Lehrpfad – den einzigen in Bayern.

Franz-Josef Mayer empfiehlt Waldbesitzern, jetzt zu handeln. „Die günstige Lage am Holzmarkt ist eine gute Gelegenheit, jetzt zu durchforsten und den Wald planmäßig umzubauen“, erklärt der Amtsleiter. Verpasste Eingriffe würden zu „Stangenwäldern“ führen, die anfällig für Sturm und Schnee seien.

Kahlschläge seien beim Umbau nicht nötig – im Gegenteil, erklärt Gero Brehm, Abteilungsleiter Forst im AELF. Alte große Fichten dienten als schützender Schirm für die Setzlinge. Und wenn die alten Bäume einmal gefällt werden, sei bereits der Nachfolgewald da.

Die Bedeutung der Jagd

Beim Umbau des Forstes bekommen die Waldbesitzer auch Unterstützung von Mutter Natur. Im vergangenen Jahr seien durch natürlichen Samenflug 5,6 Hektar Mischwald entstanden – das entspricht etwa acht Fußballfeldern. Für einen solchen Naturwald braucht es mehrere Voraussetzungen: passende Samenbäume, ausreichend Licht sowie einen Wildbestand, der das Aufwachsen von Bäumen zulässt.

Für letzteres seien die Jäger verantwortlich. „Die Jagd ist sehr wichtig“, sagt Gero Brehm. In einigen Revieren klappe das recht gut – in anderen nicht so. Es gebe noch Verbesserungspotenzial.

Das sieht der Forstexperte auch bei der Verwendung des Holzes. „Bauen Sie mit Holz aus der Region“, sagt er. Das sei nachhaltig und speichere Kohlenstoff. Material sei in den heimischen Wäldern ausreichend vorhanden. „Selbst wenn man alle Häuser aus Holz bauen würde, würde der Wald noch genauso aussehen“, sagt Brehm.

Waldbesitzer

können sich kostenlos von Förstern beraten lassen. Wer den zuständigen Förster nicht kennt, kann ihn im Internet unter „Försterfinder“ ermitteln oder sich unter Telefon (0 81 41) 3 22 30 beim AELF melden.

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