Interview

Warum demonstrieren die Asylhelfer in Fürstenfeldbruck?

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 Die Asyl-Helferkreise gehen auf die Straße. Die große Demonstration am Sonntag, 30. September, steht unter dem Titel „Spurwechsel: Recht auf Arbeit und Ausbildung für alle Geflüchteten“.

Fürstenfeldbruck – Los geht es um 14 Uhr am Volksfestplatz in Fürstenfeldbruck. Hans Sautmann (65), Vorstandssprecher des Asyl-Helferkreises Eichenau, erklärt, was die Demonstranten fordern und was die Teilnehmer erwartet.

-Herr Sautmann, warum rufen die Asyl-Helferkreise zur Demo auf?

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres wurde wieder schmerzlich deutlich, wie viele unserer Geflüchteten zwar ein Ausbildungsangebot haben, aber keine Ausbildungserlaubnis. Das Bundesgesetz sieht vor, dass Asylbewerber nach drei Monaten eine Arbeitsgenehmigung erhalten. Doch über das bayerische Innenministerium kam die Interpretation: Die Bleibeperspektive muss berücksichtigt werden. Das heißt, bei einer niedrigen Bleibeperspektive erhält man in der Regel keine Arbeitserlaubnis. Darauf wollen wir auch vor den Landtagswahlen noch einmal aufmerksam machen.

-Wer beteiligt sich an der Demonstration in Fürstenfeldbruck?

Es sind 14 Asyl-Helferkreise aus dem Landkreis vertreten. Auch Vertreter von SPD, von Grünen, Linken, der Mut-Partei und den Freien Wählern haben ihre Unterstützung erklärt. Es kommen Politiker wie die Landtagsabgeordnete Christine Kamm und die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer von den Grünen, Landtagskandidat Peter Falk (SPD) und Susann Enders von den Freien Wählern. Auch viele Organisationen sind dabei, wie das Bündnis Fürstenfeldbruck ist bunt, nicht braun, der Münchner Flüchtlingsrat, Arrival Aid, Karavane München, GEW, die Pfadfinder vom Stamm Bison Puchheim, das Solidaritätsbündnis Oberland aus Weilheim und viele mehr. Es kommen also nicht nur Gruppierungen aus dem Kreis, sondern vereinzelt auch aus der Region.

-Wie lauten Ihre Forderungen?

Flüchtlinge sollen eine Arbeits- und Ausbildungserlaubnis erhalten, unabhängig von ihrer Bleibeperspektive. Durch die Einrichtung der Ankerzentren hat man das Gesetz ohnehin unterlaufen, da in den Erstaufnahme-Einrichtungen grundsätzlich keine Arbeitserlaubnis erteilt wird. In Fürstenfeldbruck sind viele junge Männer aus Nigeria, die sollen arbeiten. Denn ihre Asyl-Verfahren dauern länger als drei Monate. Wir sollten die Kräfte auf die Integration der Leute konzentrieren – auch wenn es nur auf Zeit ist.

-Was erwartet die Teilnehmer am Sonntag?

Wir ziehen vom Volksfestplatz durch die Stadt bis zum Landratsamt. Auf dem Parkplatz der Kreisbehörde gibt es eine kleine Abschlusskundgebung. Drei Betroffene aus Uganda, dem Iran und Nigeria schildern ihre Fälle. Vertreter der Parteien geben kurze Statements ab. Die Trommlergruppe Diappo untermalt die Kundgebung.

- Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie?

Wenn wir 150 werden, bin ich froh. Wenn es mehr werden, bin ich heilfroh.

Anmerkung der Redaktion: Andere Mitorganisatoren rechnen mit mehreren Hundert Teilnehmern.

Interview: Ingrid Zeilinger

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