Ein Metzger-Auszubildender bei der Arbeit.
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Auszubildende fehlen in Metzgereien und anderen Betrieben. (Symbolbild)

Unbesetzte Lehrstellen

Wegen Corona fehlen den Betrieben Azubis

In wenigen Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Und viele Betriebe sind immer noch auf der Suche nach Lehrlingen. Schuld daran ist auch die Corona-Pandemie.

Landkreis – Die Prüfungen waren später und Praktika fielen coronabedingt aus. Vorstellungsgespräche liefen am Telefon, Bewerbungsgespräche über Videokonferenz oder vor Ort mit Maske und Plexiglasscheibe: Die Corona-Pandemie hat den üblichen Bewerbungsprozess durcheinandergewirbelt. Und auch auf die Zahl der besetzten Lehrstellen wirkt sich das Virus aus.

Kreishandwerkmeister Franz Höfelsauer

Besonders viele offene Stellen gibt es im Handwerk. Die Situation hat sich durch die Corona-Pandemie noch verschlimmert, sagt Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer. Durch den Lockdown konnten die jungen Menschen keine Betriebspraktika machen. Aus diesem Grund wurden heuer nur ein Drittel so viele Ausbildungsverträge im Handwerk geschlossen wie sonst üblich.

Die Situation hat sich verschlechtert

Auch Metzgermeister Engelbert Jais hätte gerne fünf neue Auszubildende in seinem Betrieb. Doch gefunden hat er noch keinen einzigen. In den vergangenen Jahren habe sich die Situation zum Schlechten gewandelt. „Das will einfach keiner mehr machen“, sagt der 58-jährige Obermeister der Metzger-Innung. Er fürchtet um die Zukunft seines Berufs: „Das wird noch ein Riesenproblem, wir können unser Handwerk nicht weitergeben.“

Ähnlich geht es auch anderen Sparten: Bäckermeister Werner Nau etwa hat momentan immerhin eine Auszubildende im Betrieb, hätte aber ebenfalls gerne mehr. „Wir haben einen tollen Beruf, aber der wird einfach nicht geschätzt“, sagt er.

Im Einzelhandel hängt es von der Sparte ab, ob Ausbildungsplätze besetzt werden können. Der Expert-Technomarkt versucht jedes Jahr, mindestens einen Azubi pro Standort zu finden. Laut Geschäftsführer Siegfried Müller hat es heuer geklappt. 17 junge Menschen fangen zum 1. September ihre Ausbildung an. Es sei aber durchaus noch Raum für weitere qualifizierte Kandidaten.

Auch das Modegeschäft Fuchsweber hat trotz der verzögerten Schulabschlüsse zwei Lehrlinge gefunden. Geholfen hat allem der langjährige Kontakt zu Schülern durch Praktika und Ferienjobs, sagt Geschäftsführer Frank Röhner. Ganz anders sieht es bei der Supermarktkette AEZ aus. Von den bis zu 20 freien Ausbildungsplätzen im Landkreis ist laut Bezirksleiter Andreas Weigand trotz vergleichsweise hoher Ausbildungsvergütung nur ein Viertel vergeben. Der Grund: Es gibt nur wenige Bewerber.

Einstellungsstopp wegen Corona betrifft auch Lehrlinge

Dieses Problem hat der Maisacher Standort des Technikkonzerns TTI nicht. Weil das Geschäft wegen Corona nicht so gut läuft, gab es einen nahezu vollständigen Einstellungsstopp. Das betrifft auch die Azubis, sagt Personalreferent Thomas Inselkammer. Damit beginnen zum 1. September nur die drei Lehrlinge, die ihren Vertrag bereits in der Tasche haben.

Der Foto-Spezialist Cewe in Germering hat dagegen noch zwei seiner zehn Stellen frei. Maik Horbas, Geschäftsführer des Standorts, sagt, dass es schwierig sei, ausreichen qualifizierte Bewerber zu finden.

Die Sparkassen im Landkreis haben bereits 21 der 25 verfügbaren Lehrstellen besetzt, sagt der stellvertretende Leiter der Personalabteilung, Wolfgang Runkel. „Erstaunlicherweise hatte Corona bei uns keinen Einfluss auf die Anzahl der Bewerbungen.“ Aufgrund der demografischen Entwicklung gebe es jedoch deutlich weniger Bewerber als noch vor 20 Jahren. Ähnlich sieht die Situation auch Robert Fedinger, Vorstand der VR-Bank Fürstenfeldbruck. Dort beginnen dieses Jahr zehn neue Azubis ihre Ausbildung.

Sven Behrens

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