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Eine der Szenen aus dem Video.

Fürstenfeldbrucker Schlachthof wird aufgelöst

Ende des Brucker Schlachthofs: Chef der Metzgerinnung für Neuanfang

Nach den gravierenden Verstößen gegen den Tierschutz wird die Brucker Schlachthof GmbH & Co.KG aufgelöst: Die Einrichtung in ihrer bisherigen Form ist damit Geschichte. Der Chef der Metzgerinnung kündigte an, sich für einen Neuanfang einsetzten zu wollen.

Fürstenfeldbruck – Alle Mitarbeiter werden freigestellt. Das bedeutet auch das Aus für den bisherigen Geschäftsleiter und den Betriebsleiter. Betroffen sind um die 15 Mitarbeiter. Diese Entscheidung fällte am Dienstag die vierköpfige Verwaltungsgesellschaft. In 14 Tagen sollen die gut 80 Kommanditisten einberufen werden. Sie werden entscheiden müssen, was mit dem Grundstück und dem Gebäude geschieht. Nach ersten Informationen von Geschäftsführer Max Keil müssen sie aber nicht damit rechnen, beim Aus der Firma finanzielle Einbußen zu erleiden. Betroffen davon ist dann auch der Brucker Landkreis als stiller Teilhaber mit einer Einlage im Wert von 150 000 Euro.

Zuletzt hatte das Brucker Landratsamt weiteres Video-Material aus dem Schlachthof gesichtet, das der Verein Soko Tierschutz zur Verfügung gestellt hatte. Dieses Material ist unverpixelt. Was auf diesen Bändern zu sehen sei, sei nennenswert, sagte eine Sprecherin der Kreisbehörde, ohne weitere Details bekannt geben zu wollen. Das Material werde an die höheren Aufsichtsbehörden (Regierung von Oberbayern und Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) weiter gegeben. Wer davon ausgehe, dass das weitere Material die Lage verschärft habe, liege nicht falsch, hieß es.

Geschäftsführer Max Keil wollte „Tierleid minimieren“

Max Keil erklärte in einer persönlichen Stellungnahme, dass er als Landwirtschaftsmeister seit 20 Jahren fast täglich ohne wirtschaftlichen Profit für den Brucker Schlachthof arbeite. Keil: „Mein einziger Beweggrund dafür war, Tierleid zu minimieren und vernünftiges Nahrungsmittel zu erzeugen. Nach der aktuellen Kampagne muss ich sagen, es geht nicht mehr.“

In einer Erklärung des Schlachthofs heißt es, dass die gesellschaftlichen und ordnungspolitischen Entwicklungen den Weiterbetrieb der Firma Brucker Schlachthof unmöglich machten. „Die gesamte Schlachtmannschaft ist entlassen. Zu anonym entstandenen und inszenierten Vorwürfen müssen wir keine Erklärung abgeben.“

„Der Fürstenfeldbrucker Schlachthof kann nicht mehr weiter“

Gegenüber dem Tagblatt schilderte Keil die Lage in dramatischen Worten. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie fertig alle sind.“ Es sei furchtbar gewesen, zu erfahren, dass in einem so heimeligen Betrieb zehn Monate lang gefilmt worden sei. „Der Brucker Schlachthof kann nicht mehr weiter.“

Bei der Soko Tierschutz, die alles ins Rollen brachte, hofft man, ein mahnendes Beispiel geschaffen zu haben. Das Ende für den Schlachthof komme dann doch etwas überraschend, meinte ein Sprecher der Organisation in einer ersten Reaktion. „Aber es ist konsequent.“ Tierschutz-Skandale würden oft vertuscht. Der Brucker Fall sei besonders gravierend, da es durchgehend und dauerhaft zu Verstößen gekommen sei. „Man sieht selten, dass Tiere tagelang malträtiert werden.“

Chef der Metzgerinnung: Anständiger Umgang als Qualitätsmerkmal

Landrat Karmasin erinnerte daran, wie schwierig es war, den Brucker Schlachthof vor 21 Jahren aufzubauen und wie viel Liebe und Engagement dahinter steckte. 18 Jahre lang habe das Modell ja auch gut funktioniert. Karmasin würde es sehr begrüßen, wenn sich eine neue Mannschaft für einen neuen örtlichen Schlachthof fände. Die behördlichen Überprüfungen gingen trotz der Schließung weiter.

Engelbert Jais, Chef der Metzgerinnung, kündigte gestern Abend an, sich für einen Neuanfang mit einer neuen Mannschaft einsetzen zu wollen. Er könne sich auch vorstellen, Verantwortung zu übernehmen – aber nicht alleine. Wie lange der Neustart dauere, sei freilich unklar. Leicht werde es sicher nicht, sagte Jais. Er betont: Ein anständiger Umgang mit Tieren ist ein Qualitätsmerkmal.

Allerdings hat nicht nur der Schlachthof in Fürstenfeldbruck Probleme in Sachen Tierschutz. Immer wieder wird in Bayerns Betrieben gegen die Vorschriften für die Betäubung verstoßen.

st

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