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In der Gnadenkirche

Weihnachtsgeschichte aus Kindersicht

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Wenn an Heiligabend in der Gnadenkirche das Krippenspiel aufgeführt wird, sind Generationen dabei – vom Sieben- bis zum 70-Jährigen. Noch feilen sie an den letzten Sätzen. Ein Besuch bei der Probe.

Fürstenfeldbruck – Zwei Bethlehemer Kinder stehen am Altar. Sie haben die vielen Reisenden gesehen, die zur Volkszählung wollen, und überlegen, wie sie ihnen genügend Schlafplätze anbieten können. „Wir könnten doch unser Zimmer frei machen“, schlägt das eine vor. „Lass uns nach Hause gehen und mit unseren Eltern reden“, stimmt das andere zu. „Aber beeil’ dich“, graut es dem ersten. „Es wird gleich dunkel und ich krieg’ Angst.“

So beginnt das Krippenspiel in der evangelischen Gnadenkirche aus Sicht der Kinder. Sie nehmen die Besucher des Gottesdienstes mit auf ihre Reise zum Jesuskind. Bis der Text sitzt, sind viele Proben nötig. Und einige Akteure des Eltern-Kind-Krippenspiels sind bereits echte Profis, wie Organisatorin Claudia Menes erzählt. „Unsere zwei ältesten Mitspieler sind schon seit 32 Jahren dabei. Das Ehepaar hat damals mit seinen Kindern angefangen.“ Als die Kinder zu alt wurden, blieben die Eltern trotzdem dabei. „Diese Tradition macht uns stolz“, meint Menes.

Die anderen Darsteller sind deutlich jünger. „Unsere Kleinsten sind erst sieben Jahre“, erzählt Menes. „Die meisten kommen aus dem Kindergottesdienst, eine Konfimantin ist auch dabei. Manche bringen ihre Eltern mit, manche kommen allein.“ Wie der kleine Daniel, der an diesem Probentag sogar zwei Rollen spielt: den Hirten – und in Vertretung auch Josef.

Denn auch an diesem Tag sind nicht alle Schauspieler zur Probe gekommen – der Weihnachtsstress. Also übernehmen Menes und ihre drei Mitorganisatorinnen Monica Bahner, Dörte Thiel und Astrid Jäger schon mal die eine oder andere Rolle. Das machen alle gerne. „Es macht uns einfach Spaß, die Kinder zur Zusammenarbeit zu motivieren und den Gästen eine Freude zu machen“, sagt Menes. Dass dabei noch nicht alles perfekt läuft, ist kein Problem für die 45-Jährige. „Bis Weihnachten kriegen wir das schon hin.“

Kinder haben eben ihren eigenen Kopf – das gilt auch für die jungen Darsteller des Eltern-Kind-Krippenspiels.

„Einmal trug ein Mädchen während der Vorführung das Jesus-Baby aus der Krippe fort und spielte mit ihm wie mit einer ganz normalen Puppe“, erzählt Menes. „Manchmal vergisst auch jemand seinen Text oder geht einfach von der Bühne.“ Die Zuschauer im Gottesdienst reagieren mit viel Verständnis auf solche Zwischenfälle.

„Die Atmosphäre ist immer sehr wohlwollend“, erzählt Menes. „Die Menschen freuen sich einfach, die Kinder zu sehen.“ Und über ihre Art, den Gottesdienstbesuchern von der Weihnachtsgeschichte zu erzählen.

Zu frei dürfen die Brucker Krippenspieler aber nicht an das Material herangehen. „Unser Publikum ist sehr kritisch“, berichtet Menes lachend. „Einmal wollten wir etwas ausprobieren und erzählten die Weihnachtsgeschichte aus der Perspektive eines Mädchens, das in der Zeit zurück reist.“ Die Organisatoren hatten sich Dickens’ Weihnachtsgeschichte zum Vorbild genommen. Damals spielte Menes das Mädchen, das nachts von einem Geist geweckt wurde. „Den ganzen Abend im Schlafanzug in der Kirche zu stehen war schon einmalig“, scherzt sie. Leider kam die Neuinterpretation nicht so gut an. „Viele haben sich beschwert und wollten ihr altes Krippenspiel zurück“, sagt Menes. „Jetzt versuchen wir, einen guten Kompromiss aus Beständigkeit und künstlerischer Motivation zu finden. Seitdem klappt es ganz gut.“ (Christian Masengarb)

Das Krippenspiel

wird am 24. Dezember ab 16.30 Uhr in der Gnadenkirche, Martin-Luther-Straße 1, aufgeführt.

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