Kette der helfenden Hände

Wenigstens an Weihnachten geborgen

Wenn alle anderen zusammen feiern, fühlen sich die Menschen am Rande der Gesellschaft oft besonders einsam. Für Obdachlose wird deshalb in Fürstenfeldbruck eine Nikolaus- und eine Weihnachtsfeier organisiert. Es gibt Wiener mit Kartoffelsalat, alkoholfreien Punsch – und etwas Nestwärme. Bald wird so manche Geschichte erzählt.

Fürstenfeldbruck – Wer in die Beratungsstelle und Unterkunft für Wohnungslose kommt, hat oft schwere Schicksalsschläge hinter sich. In der Caritas-Einrichtung KAP in der Kapuzinerstraße erfahren diese Menschen Unterstützung unterschiedlichster Art. Neben der Teestube finden sie zeitweise Unterkunft, Hilfe, Beratung sowie ein kleines Stück Normalität.

Paul L. legt Wert auf die Feststellung: „Ich bin nicht obdachlos ich bin ein Durchreisender.“ Der Metzgermeister lebt seit 1996 auf der Straße. „Bevor ich Reisender wurde, pflegte ich jahrelang meine Frau“, erzählt er. Als sie starb meinte, seine Familie, er könne froh sein, dass es endlich vorbei sei. Diese Reaktion traf Paul L. so tief, dass er sein unstetes Leben auf der Straße begann. „Wenn ich eine Woche irgendwo bin, zieht es mich wieder weg“, erzählt er. Weil er in einer Einrichtung der Diakonie ehrenamtlich mithilft, bekam er eine Dauerbahnkarte, die ihm dieses Leben möglich macht. „Hier in Bruck werde ich immer herzlich und warm empfangen.

Franz D. ist seit März obdachlos. „Die Trennung von meiner depressiven Frau vor zwei Jahren hat mich aus der Bahn geworfen“, erzählt der 61-jährige Brucker. Der ehemalige Chef des gelernten Elektrikers zahlte den Lohn nicht pünktlich – D. geriet in Mietrückstand und musste schließlich von seiner Dreizimmerwohnung in ein Appartement ziehen. Weil seine ehemalige Firma in Konkurs ging, ist er arbeitslos. „Ich würde so gerne wieder in meinem Beruf arbeiten aber ich finde keine Stelle, weil ich mittlerweile keinen festen Wohnsitz mehr habe.“ Im Sommer schläft D. oft im Freien an der Amper, hin und wieder übernachtet er in der Caritas-Einrichtung.

Damit das KAP funktioniert, gibt es strenge Regeln. Es gilt ein Alkohol- und Rauchverbot. Der rücksichtsvolle Umgang der Besucher untereinander und mit den Betreuern ist Grundlage für gegenseitiges Vertrauen. Einrichtungsleiter Heinrich Baumann und die Sozialpädagoginnen Juliane Rother und Lidiya Grubmüller kümmern sich ums Formelle. „Wir unterstützen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche, beraten aber auch bei Gesundheits- und Suchtproblemen, bei der Kontaktaufnahme mit Angehörigen oder Ämtern oder bei der Einrichtung einer Postadresse“, erzählt Baumann.

Im Haus gibt es acht Plätze in vier Doppelzimmern, pro Monat und Person sind sieben Übernachtungen möglich. Es stehen Handys bereit, damit die Obdachlosen dringende Gespräche führen können, ihre Post können sie an die Adresse des KAP schicken lassen. „Ohne die gute Zusammenarbeit mit Stadt und Landratsamt gäbe es die KAP in dieser Form nicht“, betont der Einrichtungsleiter.

Armin Pschorn (56) und Hubert Segerer (70) packen seit vielen Jahren ehrenamtlich im KAP mit an. Pschorn wird auch heuer ein feines Weihnachtsessen für die Obdachlosen kochen. Anfang 2017 zieht das KAP in das ehemalige Hotel Hasenheide, das die Stadt erworben hat. „Wir werden dort einen eigenen Eingang haben und einiges brauchen“, sagt Baumann. Dafür sammelt die Kette der helfenden Hände Geld. (akk).

So funktioniert die Kette der helfenden Hände, die auch von denFotofreunden FFB unterstützt wird. 

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