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Bei der Vorstellung des Projekts „Wohnen für Hilfe“ (v.l.): Davit Kvaratskhelia, Veronika Linker, Regionalmanagerin Rike Strohmeyer, Geschäftsführerin Marion Schwarz und Verena Bauer, die Ansprechpartnerin für „Wohnen für Hilfe“ im Landkreis. 

Neues Projekt im Landkreis

Wenn Studenten bei Senioren wohnen

Wohnpartnerschaften zwischen Senioren und jungen Menschen vermitteln – darum geht es bei dem Projekt „Wohnen für Hilfe“. Nun fiel auch im Landkreis der Startschuss. Ein Student und eine Seniorin berichten von ihren Erfahrungen.

Fürstenfeldbruck – Wer im Landkreis schonmal eine Wohnung gesucht hat, der weiß: einfach ist es nicht, den passenden Raum zu finden, den man sich auch noch leisten kann. Vor allem Geringverdiener leiden unter den ständig steigenden Mieten. Oft betroffen sind auch junge Menschen. Gleichzeitig haben Senioren häufig zu viel Platz, nachdem die Kinder lange außer Haus sind. Ganze Zimmer stehen leer und werden nicht genutzt.

So ging es auch Veronika Linker (72). Die Rentnerin lebt mit ihrem Mann (75) in Puchheim in einem großen Haus. Vor rund 20 Jahren erlitt Hans Linker einen schweren Schlaganfall. Nun ist er halbseitig gelähmt. Für die beiden hat sich dadurch einiges verändert. „Mein Mann braucht viel Unterstützung. Die kann ich ihm oft alleine gar nicht geben“, erklärt die Ehefrau. In seinem Haus hat das Paar ein großes Gästezimmer. Das stand lange leer.

Doch seit zwei Jahren wohnt darin Davit Kvaratskhelia (27). Der junge Mann kam aus Georgien zum Studieren nach Deutschland. Jetzt wohnt er bei den Linkers und unterstützt sie im Alltag.

Entstanden ist diese Gemeinschaft durch das Projekt „Wohnen für Hilfe“, das es in München schon länger gibt und das nun auch im Landkreis startet. Ziel dabei ist es, Wohnpartnerschaften zwischen Senioren und jungen Menschen zu vermitteln. Die Jungen dürfen kostenlos bei den Senioren einziehen – wenn sie diesen im Alltag helfen. Ob Gartenarbeit, Einkaufen oder Heimwerkeln – jede Unterstützung wird angerechnet. Als Faustregel gilt: pro Quadratmeter Wohnraum ist eine Stunde Hilfe im Monat zu leisten.

Anlässlich des Projektstarts im Landkreis wurde „Wohnen für Hilfe“ nun im Landratsamt vorgestellt. Neben dem stellvertretenden Landrat Johann Wieser, Regionalmanagerin Rike Strohmeyer und Geschäftsführerin des Seniorentreff-Neuhausen Marion Schwarz war auch Verena Bauer anwesend. Die Sozialpädagogin sitzt seit April in der Vermittlungsstelle im Landratsamt. Sie ist die Anlaufstelle für interessierte Bewerber.

Das Ehepaar Linker gilt bei den Verantwortlichen als Paradebeispiel. Der Philosophie-Student übernimmt derzeit vor allem die anfallende Gartenarbeit und erledigt die im Frühjahr anfallenden Reparaturen. Das ganze Jahr über fährt er den erkrankten Hans Linker zum Arzt.

Aber Davit Kvaratskhelia ist für das Ehepaar nicht bloß ein Untermieter. „Für meinen Mann und mich ist er wie ein Pflegesohn. Wir sind eine richtige kleine Familie“, sagt Veronika Linker. Es wird gemeinsam Abendbrot gegessen und anschließend leistet man sich oft Gesellschaft. „Wir besprechen, was in nächster Zeit so ansteht. Aber es sind auch oft persönliche Themen“, sagt der Student. Der Gesprächsstoff sei ihnen nie ausgegangen. Für alle Beteiligten sei es eine Win-Win-Situation. Jeder profitiere vom anderen. Deshalb hoffen die Verantwortlichen im Landkreis auf viele Interessenten. „Ich hoffe, dass „Wohnen für Hilfe“ von den Bürgern gut angenommen wird. Es ist eine tolle Sache“, sagt Bauer. (amü)

Interessenten

melden sich per E-Mail unter wohnen-fuer-hilfe@lra-ffb.de oder unter Telefon (0 81 41) 51 95 63 2.

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