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Odyssee einer Flüchtlingsfamilie 

Wenn die Unterkunft das Leben bestimmt

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Die Geburt des eigenen Kindes sollte eines der schönsten Ereignisse im Leben eines jungen Paares sein. Wenn jedoch Komplikationen gepaart mit Vorschriften und Flüchtlingsstatus zusammenkommen, kann daraus eine Belastungsprobe werden. Dies zeigt die Odyssee einer Familie.

Es ist nicht ihr erstes Kind. Sie und ihr Mann, Geflüchtete aus Syrien, haben bereits zwei Töchter und einen Sohn. Jetzt war bei der seit 2014 in Deutschland lebenden und inzwischen geduldeten Familie Nachwuchs Nummer vier unterwegs. Alles schien perfekt vorbereitet und geplant zu sein, bis es Komplikationen in der Endphase der Schwangerschaft gab und damit die Probleme anfingen.

Eine 72-Jährige vom Helferkreis Asyl betreut die 27-jährige Mutter bereits seit ihrer Ankunft in Deutschland. Sie war auch bei den einsetzenden Komplikationen an ihrer Seite, konnte ihr jedoch in diesem Fall nicht helfen. „Sie brauchte jemand, der sich um die Kinder kümmerte. Wir fragten bei der Caritas an, doch die hätten höchstens zwei mal in der Woche jemand schicken können“, erzählt sie.

Das Problem ist, die älteste Tochter geht bereits zur Schule, der Sohn in den Kindergarten. Der Vater ist in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis beschäftigt und kann sich deshalb auch nicht um die Kleinen kümmern. Die rettende Lösung kam dann aus der eigenen Familie. Die Mutter der Mutter  ist im unterfränkischen Aschaffenburg untergebracht und sie zögerte keinen Moment, ihrer Tochter zu helfen.

Da trat aber Problem Nummer zwei auf. Da die Familie  geduldet, aber noch in einer vom Landratsamt angemieteten Wohnung untergebracht ist, gelten sie als sogenannte Fehlbeleger. Das heißt, sie müssen sich eine eigene Wohnung suchen, „was für eine Flüchtlingsfamilie mit bald vier Kindern sehr schwer ist“, erklärt die Helferin. In ihrer jetzigen Bleibe gelten aber strenge Hausordnungen, die unter anderem feste Besuchszeiten vorsehen.

Kontrolleure entdeckten also die vorübergehend eingezogene Mutter und ordneten ihre Heimreise an. „Hätte man vorher einen Antrag gestellt, hätte sie bleiben dürfen“, erklärt ein Sprecher des zuständigen Landratsamts, „aber so mussten wir hart bleiben, vor allem als Vorbild für die 3000 anderen Flüchtlinge im Landkreis.“

So blieb der jungen Mutter nichts anderes übrig, als ebenfalls nach Aschaffenburg mitzugehen. Der Rest der Familie folgte vorerst, doch der Vater und die älteste Tochter mussten nach aufgebrauchtem Urlaub und beendeten Ferien wieder zurück. Ähnliche Kontrollen wie hier im Landkreis fanden bei der Mutter laut wohl aber nicht statt.

Inzwischen hat nun auch die dritte Tochter das Licht der Welt erblickt und die gesamte Familie befindet sich wieder in Unterfranken. Das kleine Mädchen ist jetzt eine gebürtige Aschaffenburgerin, was zukünftige Behördengänge kompliziert machen könnte, sagt die Helferin.

Auch die Asylhelferin war inzwischen nicht untätig und wandte sich an das Landratsamt und an Innenminister Joachim Herrmann. Sie fragte, warum in solchen Fällen keine Ausnahme gemacht werden kann, denn sie gibt sich mit der Erklärung der Kreisbehörde nicht zufrieden. „Woher soll man wissen, dass es da einen Antrag dafür gibt?“ Im Landratsamt hat man der Mutter nun eine Sondererlaubnis für einen längeren Besuch gewährt, ob diese jedoch nach dem ganzen Stress wiederkommt, ist ungewiss. „Außerdem steht es geduldeten Flüchtlingen frei, sich in ganz Bayern eine Wohnung zu suchen“, sagt der Sprecher. Die Helferin kontert jedoch damit, dass der Vater hier einen Beruf hat und die Kinder hier sozialisiert sind. So schnell geht das in Aschaffenburg beispielsweise nicht.

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