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Beim türkischen Lebensmittelverkäufer Mustafa in der Münchner Straße kauft Mirko Pötzsch regelmäßig ein. 

Serie: Die beste Straße der Welt 

„Wer hat schon einen Obsthändler im Haus?“

Niemand kennt die Brucker Straßen so gut wie die Menschen, die in ihnen wohnen. Sie erleben sie bei Tag und Nacht. Sie wissen, wo die schönsten Ecken und gemütlichsten Läden sind. In der Serie „Die beste Straße der Welt“ erzählen Brucker, warum sie gerne in ihrer Straße leben. Heute: Mirko Pötzsch, 51,Münchner Straße.

Fürstenfeldbruck – Meine ursprüngliche Heimat ist Wurzen in Sachsen. Ich bin 1991 nach Fürstenfeldbruck gezogen, zuerst in eine Wohngemeinschaft in der Schillerstraße. Die Wohnung hatte einen entscheidenden Vorteil: Bis in die nächste Kneipe, das damalige Drei Rosen, hatte ich es nicht weit. Eine WG ist eben eine WG.

Als feststand, dass ich aus beruflichen Gründen im Großraum München bleiben werde, suchte ich mir eine eigene Wohnung in Fürstenfeldbruck und fand sie in der Münchner Straße in einem Dachgeschoß. Leider ohne Lift. Die Maklerin war übrigens clever: Beim Besichtigungstermin schwiegen die Glocken von St. Magdalena ganz unschuldig.

Viele Menschen glauben ja heute noch, alle Ossis kamen zu DDR-Zeiten ins große Staunen, wenn sie rüber machten. Bei mir war das nicht so, denn ich lebte schon davor nicht im Tal der Ahnungslosen. Während meines Studiums durfte ich Ende der 1980er-Jahre, also noch vor der Wende, meinen Onkel im Hessischen besuchen. Nach der Wende begann mit der D-Mark die De-Industrialisierung des Ostens. Das betraf auch irgendwann meinen Arbeitsplatz. Mit 25 Jahren stellte sich mir die Frage: Was soll ich tun? Zu Hause in der ehemaligen DDR rumsitzen oder mich in die weite Welt aufmachen? Die weite Welt war letztlich Fürstenfeldbruck und der Grund für meine neue Bleibe war eine Anstellung bei der Firma Schleifring.

Zu meinem Vorstellungstermin bin ich damals sieben Stunden am Stück im Trabant nach Bruck gefahren und am gleichen Tag wieder zurück. Die Mentalitäten sind natürlich vergleichsweise unterschiedlich, aber ich habe mich in Fürstenfeldbruck vom ersten Tag an wohlgefühlt: Beim Feierabendbesuch im Marthabräu-Biergarten zum Beispiel – da war damals noch richtig was los.

Heute ist rund um die Münchner Straße viel geboten. Wer würde hier nicht gerne wohnen wollen? Die Straße liegt verkehrstechnisch optimal – als Verkehrsreferent kann ich das beurteilen: Mit dem Auto bin ich ruck zuck auf der B 2 und raus aus der Stadt. Zur S-Bahn laufe ich maximal zehn Minuten. Und wenn ich in die Innenstadt möchte, bin ich auch gleich da. Die Lage ist klasse.

Natürlich ist die Münchner Straße stark befahren. Aber ich wohne quasi in zweiter Reihe im Dachgeschoss. So bekomme ich vom Verkehr kaum etwas mit und habe zudem einen tollen Blick ins Grüne – mitsamt Amper und den schon erwähnten Kirchturm von St. Magdalena.

Zum Haus gehört auch ein Gemeinschaftsgarten – ich sage nur Grillen im Sommer! Und wer kann schon von sich behaupten, ein Sushi-Restaurant, einen türkischen Gemüsehändler und einen Pizzadienst bei sich im Haus zu haben? Verhungern kann ich hier gar nicht. Und wenn gar nix mehr geht, gibt es gegenüber immer noch die Tankstelle und einen Subway.

Verdursten muss ich in der Münchner Straße auch nicht: Wenn ich einfach mal auf ein Bier gehen und gute Rockmusik hören will, gehe ich in den Luftraum in der Schöngeisinger Straße und beim Heimweg komme ich unweigerlich an der ehemaligen Alten Liebe und an Jeaney’s Musikpub vorbei.

Jetzt im Sommer bin ich öfter mit dem Radl unterwegs – der Weg ins Emmeringer Hölzl, zum Veranstaltungsforum oder auch in den Stadtbiergierten beim Unterhaus ist nicht weit. Falls ich irgendwann altersbedingt aus meiner Dachgeschosswohnung in der Münchner Straße ausziehen muss, hoffe ich, dass ich eine altersgerechte Bleibe in einer anderen Brucker Wohnung finde.

Protokoll: Angi Kiener

Lesen Sie hier den ersten Teil unserer Serie: Schöngeisinger Straße.

Lesen Sie hier den zweiten Teil unserer Serie: Pucher Straße.

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