Fliegerbombe: Nürnberg und Fürth rufen Katastrophenfall aus - Sprengung wird eingeleitet

Fliegerbombe: Nürnberg und Fürth rufen Katastrophenfall aus - Sprengung wird eingeleitet
+
Rund 200 000 Anrufe von Hilfesuchenden nehmen Florian Scharf und sein Team jedes Jahr entgegen.

Tag des Europäischen Notrufs

Wenn er ans Telefon geht, zählt jede Sekunde

  • schließen

Es brennt, ein Unfall passiert, ein Mensch ist verletzt – die erste Reaktion nach der Schrecksekunde ist immer die gleiche: Man wählt die 112. Dann läutet das Telefon in der Integrierten Leitstelle Fürstenfeldbruck (ILS). Dort arbeiten Profis, die wissen was zu tun ist. Das Team hat ein System entwickelt, das inzwischen in ganz Bayern Leben gerettet hat.

Fürstenfeldbruck – Einer davon ist Florian Scharf (43). Sein Arbeitsplatz ist umringt von Telefonen und Bildschirmen. Mit einem Handgriff kann er Feuerwehren zu ihrem Einsatzort lotsen und Rettungsdiensten den Weg zum Patienten weisen. Florian Scharf arbeitet in der Integrierten Leitstelle in Bruck. Hier laufen alle Notrufe aus vier Landkreisen (Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg, Starnberg) zusammen. Seine Aufgabe ist es, Hilfe dahin zu schicken, wo sie dringend gebraucht wird.

Zum heutigen „Tag des Europäischen Notrufs“ schaut das Tagblatt hinter die Kulissen der ILS. Mit dem Mottotag will die Europäische Kommission die Bekanntheit der Notrufnummer 112 steigern, die inzwischen in ganz Europa benutzt wird.

Scharf selbst ist Lagedienstführer, was vergleichbar mit einem Schichtleiter ist. Neben dem 43-Jährigen sitzen noch sechs weitere Kollegen in der Leitstelle. Zusammen müssen sie sich um die Notrufe von über 600 000 Einwohnern im Einsatzgebiet kümmern. „Dazu kommen noch die vielen Touristen, die die großen Seen besuchen“, sagt Scharf. Das macht dann in Summe etwa 200 000 Anrufe bei der 112 im Jahr. Viel Arbeit, aber auch viel Verantwortung für die 39 hauptamtlichen Disponenten der ILS.

Aber die Mitarbeiter sind arbeiten unter Druck gewöhnt. Jeder von ihnen muss eine abgeschlossene Feuerwehr- und Rettungsassistentenausbildung vorweisen. Dazu kommt noch die Einführung in das umfangreiche Computersystem der ILS. „Aber nichts ersetzt die Erfahrung von draußen“, meint Scharf. Denn jeder Disponent müsse sich ein Bild von der Situation vor Ort machen können.

Eine weitere entscheidende Fähigkeit für den Beruf ist Einfühlungsvermögen. „Die Menschen, die bei uns anrufen, stehen in der Regel unter enormer Anspannung“, weiß der 43-jährige Lagedienstführer. Vor allem bei bewusstlosen Personen kommt es auf jede Minute an. Ein in der Brucker ILS mitentwickeltes System soll Ersthelfer deshalb anleiten, lebensrettende Maßnahmen an den Betroffenen durchzuführen. „Wir geben am Telefon ganz klar durch, was zu tun ist“, sagt Scharf.

Diese Hilfsanleitung – die inzwischen in ganz Bayern zum Einsatz kommt – hat schon vielen Menschen das Leben gerettet. Leben retten ist ein Ziel, dem sich Florian Scharf nicht nur beruflich sondern auch privat verschrieben hat. Seit dem er 14 Jahre alt ist, engagiert er sich bei der Brucker Feuerwehr. In seiner Freizeit versucht er auch immer mal wieder dort vorbei zu schauen. „Menschen zu helfen, war schon immer mein Metier“, betont der 43-Jährige leidenschaftlich.

Neben dem täglichen Geschäft hat die ILS aber auch die Aufgabe im Katastrophenfall, wie bei Überschwemmungen oder starken Unwettern, die Koordination der Einsatzkräfte zu übernehmen. „Glücklicherweise war es in den letzten Jahren in dieser Hinsicht recht ruhig bei uns“, so Scharf. Das letzte Mal, dass in der Leitstelle die Telefone nicht mehr stillstanden, war, als es im Brucker Kieswerk gebrannt hat. „Das Feuer war überschaubar und schnell unter Kontrolle, aber da die Rauchsäule weithin zu sehen war, riefen ununterbrochen Menschen bei uns an“, erzählt Scharf.

Der 43-Jährige arbeitet jetzt seit elf Jahren in der Leitstelle und merkt, dass nicht nur statistisch sondern auch gefühlt mehr Anrufe bei der ILS eingehen. „Die Hemmschwelle, die 112 anzurufen, sinkt leider.“ Neben den immer wieder vorkommenden versehentlichen Anrufen von Handys aus Hosen- oder Handtaschen, gibt es auch einige kuriose Anfragen. So wollte einer schon mal wissen, warum seine S-Bahn Verspätung hat oder ein anderer, warum seine SIM-Karte in seinem Smartphone nicht funktioniert.

Daher sagt Scharf ganz klar: „Wenn es brennt oder eine lebensbedrohliche Situation vorliegt, dann die 112 anrufen.“ Bei einfacheren Krankheiten sollte immer erst der kassenärztliche Notdienst mit der Nummer 11 61 17 angerufen oder bis zum Öffnen der Hausarztpraxis gewartet werden. Damit sich Florian Scharf und seine Kollegen um die Fälle kümmern können, bei denen es tatsächlich um Leib und Leben geht.

Für die ILS selbst steht übrigens eine große Neuerung bevor: Der Platz reicht nicht mehr, ein Neubau muss her. Wo, ist noch unklar.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

In der Region Fürstenfeldbruck: Straßenlaternen fallen großflächig aus
Dunkelheit und Rätselraten am Montagabend im halben Landkreis Fürstenfeldbruck: Die Straßenlaternen sind großflächig ausgefallen. Die Brucker Stadtwerke sind dran.
In der Region Fürstenfeldbruck: Straßenlaternen fallen großflächig aus
Vor Disko: Mann will Münchnerin (22) vergewaltigen - Zeuge geht mutig dazwischen
Den blanken Horror erlebte eine Münchnerin (22) nachts an einem Club: Ein 26-Jähriger aus Fürstenfeldbruck zog sie in einen Bauwagen und versuchte, sie zu vergewaltigen. …
Vor Disko: Mann will Münchnerin (22) vergewaltigen - Zeuge geht mutig dazwischen
Gröbenzeller beschädigt mit 3,1 Promille Alkohol im Blut vier Autos in Bruck
Ein total betrunkener 51-jähriger Gröbenzeller ist am Sonntagabend mit seinem Pkw auf der Augsburger Straße in Bruck von der Fahrbahn abgekommen. Er beschädigte seinem …
Gröbenzeller beschädigt mit 3,1 Promille Alkohol im Blut vier Autos in Bruck
Jugendliche werfen Schaufenster-Scheibe ein
Drei Jugendliche haben am Samstag in der Früh eine Scheibe des NKD in der Brucker Innenstadt eingeworfen.
Jugendliche werfen Schaufenster-Scheibe ein

Kommentare