Viele Gewitter gab es in diesem Jahr. Ende Juni zog dieses Exemplar mit zahlreichen Blitzen über Alling.	foto: gehre
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Viele Gewitter gab es in diesem Jahr. Ende Juni zog dieses Exemplar mit zahlreichen Blitzen über Alling.

Landkreis FFB

Die größte Hitze, der stärkste Orkan, die kälteste Nacht: Das verraten die Aufzeichnungen der Wetterstationen

  • Tobias Gehre
    VonTobias Gehre
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Brütende Hitze, klirrende Kälte, Orkanböen oder sintflutartige Regenfälle: Wetterextreme suchen den Landkreis immer wieder heim. Wie heiß es dabei wurde oder wie viel Regen vom Himmel kam, haben Wetterstationen aufgezeichnet. Ein Rückblick.

Landkreis – Der Maisacher Ortsteil Galgen kommt daher wie ein ganz normaler Weiler. Es gibt ein paar landwirtschaftliche Hallen mit Solaranlagen auf dem Dach, eine Kapelle und eine Bushaltestelle. Doch die Siedlung ist etwas Besonderes. Einst wurden dort Todesurteile vollstreckt. Und auch heute hat Galgen noch eine überörtliche Bedeutung. Es beherbergt die einzige offizielle Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Landkreis. Seit 2005 zeichnen dort Meteorologen die Witterung auf – davor wurde auch in Gernlinden, Puch sowie am Fliegerhorst gemessen. Die Wetterexperten können also auf einen wahren Schatz an Daten zurückgreifen. Für das Tagblatt hat DWD-Meteorologe Guido Kugelmann die Schatztruhe geöffnet – und die Extreme herausgepickt.

Die größte Hitze

Auch wenn in Deutschland in den vergangenen heißen Sommern die Temperaturrekorde purzelten: Am heißesten war es im Landkreis am 13. August 2003 – mit 37,0 Grad. Grund für die lang anhaltende Hitze vor 18 Jahren war eine sogenannte Omega-Wetterlage, erklärt Meteorologe Kugelmann. „Diese zeichnen sich durch große Stabilität aus.“ Am Ende blieb 2003 als Jahrhundertsommer in Erinnerung.

Der stärkste Orkan

Seinen Lauf nahm das Unheil Ende Februar 1990 weit draußen auf dem Atlantik. Vor Neufundland braute sich ein gewaltiges Tiefdrucksystem zusammen und machte sich auf den Weg nach Europa. Im Winter nichts Ungewöhnliches. Doch dieses gigantische Tief hatte es in sich. An seinem Südrand entwickelten sich sogenannte Schnellläufer, erklärt Wetterexperte Kugelmann. Zuerst kam Vivian. Richtig ernst wurde es aber mit Orkan Wiebke. Am Fliegerhorst wurden am 1. März 1990 Böen von bis zu 133 Kilometern pro Stunde gemessen.

Das blieb nicht ohne Folgen. Um kurz nach 3 Uhr morgens am 1. März brach fast im gesamten westlichen Landkreis die Stromversorgung zusammen – Bäume waren auf die Leitungen gekracht. Erst am Vortag hatten Techniker die Schäden von Orkan Vivian behoben. Auch die Feuerwehr war ohne Unterlass unterwegs. Die Bilanz: 1103 Einsätze und sechs Verletzte – zwei davon schwer.

Die kälteste Nacht

Für den fiesesten Frost musste Guido Kugelmann ganz tief in seiner Daten-Schatztruhe wühlen. Fündig wurde er 1956. Am 10. Februar sank die Temperatur auf Minus 27,8 Grad. Im Gegensatz zu Orkan Wiebke kam das Unheil diesmal aus dem Osten. „Über Russland gab es einen gigantischen Kältepol“, erklärt Kugelmann nach einem Blick in die historischen Wetterkarten. Teile davon wurden durch ein Hochdruckgebiet über Osteuropa im Zusammenspiel mit einem Tief über dem Mittelmeer förmlich angesaugt. Ihren Anfang nahm die Kältewelle bereits Anfang Februar.

Der kräftigste Regen

So viel wie am 26. Juni 1960 hat es nie mehr an einem Tag geregnet. Laut der Aufzeichnungen des DWD kamen damals 136 Liter pro Quadratmeter vom Himmel. Schuld an dieser Sintflut war laut Meteorologe Kugelmann das bei den Wetterleuten berühmt-berüchtigte Genua-Tief. Dieses schob sich von der namensgebenden italienischen Stadt über die Alpen und hatte jede Menge Wasser im Gepäck.

Das blieb im Landkreis nicht ohne Folgen. In Emmering mussten Soldaten vom Fliegerhorst helfen, angeschwemmtes Treibgut von einem Wehr zu entfernen. In Eching am Ammersee hatte das Flüsschen Windach die Baustelle einer Brücke weggespült. Die Holztrümmer trieben in die Amper und bis nach Grafrath, wo sie die Feuerwehr wieder herauszog. Der Bauunternehmer holte seine Rohstoffe später wieder ab und brachte sie zur Baustelle nach Eching.

Der meiste Schnee

Dieses Ereignis dürfen vielen noch sehr präsent sein. Am frühen Morgen des 5. März 2006 türmte sich die weiße Pracht so hoch wie nie. Die Wetterstation des DWD im Landkreis registrierte eine Schneehöhe von 55 Zentimetern. Lokal dürfte es sogar noch mehr gewesen sein. Grund war damals eine fast stationäre sogenannte Luftmassengrenze.

Am Sonntagmorgen begann das große Schaufeln. Zahlreiche Dächer mussten freigeräumt werden, weil sie drohten, unter der Last zusammenzubrechen. Am Brucker Bahnhof strandeten rund 40 Fußballfans, weil keine Züge mehr fuhren. Und auch die Tierwelt traf es hart. Überall im Landkreis rückten die Jäger aus, um das Wild mit Futter zu versorgen, weil die Tiere wegen der dicken Schneedecke nicht mehr an ihre Nahrung gelangten.

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