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Wie der Meister zu seinen analogen Fotos kam

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Von: Ulrike Osman

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Er ist der Meister der analogen Kammer: Der Schweizer
Er ist der Meister der analogen Kammer: Der Schweizer © graf René Groebli führte durch seine Ausstellung, die unter anderem ein Foto von Charlie Chaplin zeigt. foto: Peter weber

Der Schweizer Fotograf René Groebli ist einer der Großen seiner Zunft.

Fürstenfeldbruck – Und obwohl er inzwischen 94 Jahre alt ist und nicht mehr mit der Kamera arbeitet, geht er immer noch auf Reisen und stellt sich auf Ausstellungen seiner Werke den Fragen von Museumsvertretern, Publikum und Presse. Als Groebli dieser Tage das Kunsthaus besuchte, erlebte ein interessiertes Publikum einen ebenso hellwachen wie bescheidenen und zugänglichen Kamera-Künstler, der gefühlt zu jedem seiner berühmten Schwarz-Weiß-Bilder die Entstehungsgeschichte parat hat.

Seine ersten Bewegungsbilder schoss der in Zürich geborene Groebli als Jugendlicher, während er freihändig Fahrrad fuhr. Die Lenkstange scharf, die Straße unscharf, um die Bewegung zu vermitteln. „Wie macht man solche Bilder?“, wollte die stellvertretende Museumsleiterin Verena Beaucamp von Groebli wissen. Seine Antwort: „Man setzt sich aufs Fahrrad und muss aufpassen, dass man nicht umfällt.“ Das Ganze sei ein Experiment gewesen, über dessen Resultat er „erfreut“ gewesen sei.

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Von da an wurde Dynamik zu einer Konstanten in seinen Bildern. „Immer, wenn sich etwas bewegt hat, habe ich geknipst.“ Er sagt tatsächlich „geknipst“, eigentlich ein Unwort, auf das viele Fotografen allergisch reagieren. Doch Groebli sind Kleinlichkeiten offensichtlich fremd. Humorvoll erzählt er von der Entstehung seiner berühmten Serie „Magie der Schiene“ von 1949. Für ein Foto des aus dem Fenster des Führerhauses schauenden Lokführers kletterte er außen auf den Kohlenkasten. Der Zugführer ließ ihn gewähren und warnte ihn durch zweimaliges Pfeifen vor herannahenden Tunneln.

Die Bilder in der Brucker Ausstellung „Early Work“ sind keine Inszenierungen, es sind Ausschnitte aus dem echten Leben, die der Fotograf mit einem untrüglichen Gespür für den richtigen Moment einfing. Sein „Charakterschuss“ (Beaucamp) von Charlie Chaplin entstand 1953 am Rande einer Filmpremiere. Nur zwei-, dreimal habe er abdrücken können, erinnert sich Groebli. Dann sei er von anderen Fotografen im Pressepulk weggedrängt worden. Sein ebenso berühmtes Porträt des Architekten Le Corbusier schoss er so nebenbei während eines gemeinsamen Abendessens.

Was hält er, der Künstler an der analogen Kamera und Meister in der Dunkelkammer, von Digitalfotografie? „Das Digitale eröffnet neue kreative Möglichkeiten, wenn man es klug anwendet“, sagt der 94-Jährige diplomatisch. Das Schlimme sei allerdings, dass es kaum etwas koste, Massen von digitalen Fotos zu machen. Dass weniger Sorgfalt verwendet werden müsse, da unter Hunderten von Bildern ein- und desselben Motivs schon etwas Brauchbares dabei sei und sich viele Fehler im Nachhinein mit der entsprechenden Software korrigieren lassen. Er selbst verwende Photoshop nur in Ausnahmefällen.

„Vieles von der Romantik des Analogen ist verloren gegangen“, bilanziert der 94-Jährige ohne Bitterkeit. Auch er selber habe eine kleine Digicam. „Und für private Souvenirfotos nehme ich mein I-Phone.“

Die Ausstellung

„René Groebli: Early Work. Fotografien 1945-1955“ ist im Kunsthaus auf dem Klosterareal noch bis zum 24. April zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag, 13 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertag 11 bis 17 Uhr.

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