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Wegbereiter der Elektrifizierung: Alexander Schmiedel spielt Oskar von Miller bei der historischen Stadtführung . 

Touren in der Stadt

Wie die Millers Bruck geprägt haben

„Oh, die Millers“ könnte vom Namen her ein Stück aus einer Volksbühne sein, doch es handelt sich um eine Führung durch Brucks Altstadt über die berühmte Familie Miller. Das Besondere dabei: Ein Schauspieler spielt die Geschichte live an Originalplätzen nach.

Fürstenfeldbruck – Die Millers waren Anfang des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil des Brucker Lebens und ihre Nachfahren sollten München und die Region prägen, wie kaum eine andere Familie.

Um das Jahr 1810 ließ sich Josef Anton Miller in Bruck nieder und eröffnete unweit der Amperbrücke seine Uhrmacherei. Durch eine Heirat mit der Schwester von Johann Baptist Stiglmaier – ein geschickter Goldschmied und Mitglied des Königlichen Münzkabinetts – konnten die Millers ihren Einfluss in Fürstenfeldbruck noch vermehren. Die Kinder Josef Anton Millers sollten den Namen unvergessen machen.

Alexander Schmiedel, Schauspieler von der Neuen Bühne Bruck, spielt bei der Stadtführung die einzelnen Millers und taucht immer mal wieder unerwartet an einem der Wegpunkte der Tour auf um sein Schauspiel zum Besten zu geben.

Eines der acht Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, wurde später Bürgermeister von Bruck und übernahm die Uhrenschmiede seines Vaters. Sein Name war Johann Baptist Miller und sein Grab ist heute noch auf dem alten Friedhof an der Kirchstraße zu finden. „Die Figur auf dem Grabstein der Millers ist aus der Erzgießerei in München, aber sie besteht nicht aus Bronze, sondern aus Zink, weil es billiger war“, erzählt Stadtführerin Petra Vögele, die mit guter Orts- und Geschichtskenntnis überzeugt. So hat sie sich die Zeit genommen, in München Fotos von den Gräbern und Gedenktafeln der Millers zu machen.

Einer der Brüder von Johann Baptist Miller war weit über die Grenzen Brucks bekannt. Ferdinand von Miller, der von Geburt an noch Ferdinand Miller hieß, war ebenfalls sehr geschickt im Umgang mit den Edelmetallen, was ihn in die Königliche Erzgießerei nach München brachte. Er ist es auch, der unter anderem die Quadriga auf dem Münchner Siegestor fertigte und mitverantwortlich war für den Bau der berühmten Bavaria oberhalb der Theresienwiese. Deshalb findet man heute einen Nachguss eines Fingers der Bavaria an der Brucker Hauptstraße.

Sein Sohn sollte jedoch seinen Vater noch einmal überflügeln, denn Oskar von Miller gilt als Wegbereiter für die Elektrifizierung Münchens und dessen Umgebung. Miller baute 1892 in Schöngeising eines der ersten Wasserkraftwerke und versorgte das inzwischen zusammengeschlossene Fürstenfeldbruck mit Strom.

Eine der ersten elektrischen Straßenbeleuchtungen dieser Zeit befindet sich noch am Alten Rathaus neben der Sparkasse, eine Station der Führung. Außerdem ist Oscar von Miller der Begründer des Deutschen Museums und zeitlebens ein begabter Elektroingenieur geblieben. (tel)

Die nächsten Touren

finden am heutigen Samstag bei der Kulturnacht statt. Sie starten an der Hauptstraße 15 (ehemaliges Café Brameshuber) um 19.30, 20.15, 21 und 21.45 Uhr und am Alten Rathaus um 19.45, 20.30, 21.15 und 22 Uhr. Außerhalb der Kulturnacht ist die nächste Tour am Samstag 29. Juli. Die Führung kostet neun Euro für Erwachsene und sechs Euro für Kinder. Anmeldungen via E-Mail an tourismus@fuerstenfeldbruck.de.

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