Die Lage am Freitag 

Der Winter hält die Region Fürstenfeldbruck weiter im Griff

 Kritik an der Regierung von Oberbayern, Sorge um die Dächer, die Bitte der Feuerwehr um eine neue Schneefräse, ein Crash am Freitagnachmittag und Brotzeit für den Bauhof: Die Schneelage am Freitag. 

Fürstenfeldbruck –Die Regierung von Oberbayern hatte am Mittwoch Hausbesitzer dazu aufgerufen die Schneelast auf ihren Dächern zu prüfen und gegebenfalls die weiße Pracht zu entfernen. „Ich halte das für einen Schmarrn“, sagt Josef Gigl, Kommandant der Feuerwehr in Olching. Denn der Normalbürger verfüge weder über die Kompetenz, um die Schneelast zu beurteilen noch über Kenntnisse und Ausrüstung zur Absturzsicherung. „Der Normalbürger hat auf dem Dach nichts verloren“, sagt Gigl. Wer sich unsicher sei, ob sein Dach dem Schnee standhalte, solle eine Fachfirma – in der Regel Dachdecker – beauftragen. „Eigentum verpflichtet“, so der Chef-Retter aus Olching. Der Kommandant betont auch, dass die Feuerwehr dafür nicht zuständig sei.

Das sagt auch Gigls Kollege Michael Gogl. Der Germeringer Stadtbrandmeister rät ebenfalls davon ab, auf eigene Faust das Dach zu besteigen. „Dafür gibt es Profis.“

Vor übertriebener Panik warnt Christian Huber, Feuerwehrchef in Mammendorf. In der Regel sei es auf Privathäusern im Landkreis noch nicht nötig, aufs Dach zu steigen. Wer sich unsicher sei, könne etwa auch den Architekten des Gebäudes kontaktieren. Der wisse genau, wie viel das Dach aushält. Vom eigenmächtigen Abräumen rät Huber ab. „Da fällt man im Fall des Falles tief. Das ist es nicht wert.“

Kultur auf der Kippe

Kopfzerbrechen bereitet der viele Schnee auch Veranstaltern von Kultur-Events. Sie haben in diesen Tagen mancherorts viel Arbeit, um Konzerte oder Kabarett-Abende wie geplant stattfinden lassen zu können. Räumarbeiten auf Dächern müssen organisiert und Absprachen mit den Sicherheitsbehörden getroffen werden. Oder es musste auf die Schnelle ein anderer Veranstaltungsort gefunden werden. So wurde in Germering der Galaball der Tanzgruppe Fun Unlimited, der am Samstag stattfindet, wegen einer Hallensperrung kurzerhand in die Stadthalle verlegt. 

Norbert Leinweber, Geschäftsführer des Veranstaltungsforums Fürstenfeld, war am Freitag damit beschäftigt, zu klären, wer rechtzeitig das Dach der Stadthalle abräumt. Bis Samstagnachmittag muss der Schnee runter sein, sonst kann der ausverkaufte Auftritt von Willy Astor am Abend nicht stattfinden. „Und am Montag haben wir die nächste ausverkaufte Veranstaltung“, sagte Leinweber. „Der Schnee muss runter, wir wissen ja nicht, was noch kommt in den nächsten Tagen.“ 40 Zentimeter hoch lag die weiße Pracht am Freitag. Da habe man nach den Vorschriften eine kleine Reserve, doch Sicherheit gehe vor. Am Freitagnachmittag fand sich dann noch eine Firma, die zusagte, das Dach rechtzeitig bis Veranstaltungsbeginn freizuräumen.

Geräumte Dächer

Von den Schneelasten befreit wurden bisher die Stadthalle in Germering sowie die Eishalle Polariom in der Großen Kreisstadt. Zwei Kindergärten in Olching hat die örtliche Feuerwehr bereits am Donnerstag abgeräumt. Eine Germeringer Dachdeckerfirma half zudem bei Räumarbeiten im benachbarten Gauting. Für Samstag war geplant, auch das Dach des Germeringer Hallenbades abzuräumen.

Eine Schneefräse, bitte

Die Olchinger Feuerwehrleute kämpften auf den Dächern zweier Kindergärten gegen die Schneemassen an. Die Bilanz des Kommandanten Josef Gigl: Eine neue Schneefräse muss her. Gigl, der zugleich Stadtrat der Freien Wähler ist, fackelte nicht lange. Er beantragte am Donnerstag bei einer Sitzung zum Haushalt ein Budget von 15 000 Euro für ein derartiges Gerät – erfolgreich.

„Wir haben beim Räumen große Probleme gehabt“, erklärte er. Die derzeit vorhandenen Schneefräsen seien nicht ausreichend gewesen. Schlechte Bedingungen, wenn man bedenkt, dass allein dieser Einsatz fünf Stunden gedauert habe. Gefahr für die Kinder habe aber zu keiner Zeit bestanden.

Brotzeit für Bauhof

Die Mitarbeiter des Winterdienstes müssen in diesen Tagen einiges an Kritik wegstecken. In Olching ist zumindest ein Bürger sogar im Rathaus aufgetaucht und hat sich über den schlechten Räumservice beklagt. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) hat dazu eine klare Meinung: „Der Bauhof macht eine gute Arbeit.“ Der Mittwoch, an dem es innerhalb kürzester Zeit heftig schneite, sei eine Ausnahme gewesen. Außerdem sei man als Stadt nicht verpflichtet, selbst die letzte Stichstraße zu räumen. Man tue dies, aber es sei eine freiwillige Leistung. Eine Aufmunterung für die Bauhofmitarbeiter kommt auch von einem örtlichen Gastronomen: Peter Helfer vom Daxerhof hat die Winterdienstler zu einem Schweinebraten und Getränk eingeladen. Er appelliert an die Bürger: „Hört’s auf zu schimpfen.“

Unfall auf Neuschnee

Als der Schneefall am Freitagnachmittag einsetzte, kam es prompt zu einem Unfall. Ein 23-Jähriger wollte die Staatsstraße bei Landsberied mit seinem Wagen überqueren. Dabei übersah er einen 41-Jährigen, der von rechts kam. Bei der Kollision wurden laut Polizei zwei Insassen verletzt. Die beschädigten Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden.  tog/gar/sr

Einen Überblick über den Wintereinbruch in Fürstenfeldbruck gibt es hier im Live-Ticker.

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