Zehn Zentimeter Neuschnee

Wintergewitter bringt Region Fürstenfeldbruck ins Schleudern

Ein Wintergewitter hat am frühen Mittwochmorgen den Verkehr im Landkreis größtenteils lahmgelegt. Innerhalb kurzer Zeit fielen rund zehn Zentimeter Schnee. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt presste der einsetzende Berufsverkehr die weiße Pracht zu spiegelglatten Eisflächen. Die Räumdienste hatten zunächst keine Chance.

Fürstenfeldbruck – Peter Langenegger und seine Mitarbeiter im Brucker Bauhof wurden wortwörtlich kalt erwischt. Der Wetterbericht hatte leichten Schneefall für die Nacht angekündigt. Eigentlich kein Problem für die Männer und Frauen in Orange. Doch dann kam das Gewitter – und mit ihm das Chaos. „Es war wie eine Eisschicht“, sagt Bauhof-Chef Langenegger über den vom Berufsverkehr zusammengepressten Schnee auf den Straßen. Wegräumen ließ sich diese Schicht erst einmal nicht mehr. Und auch das Streusalz konnte seine Wirkung nicht so schnell wie nötig entfalten. „Mehr als räumen und streuen können wir aber nicht“, erklärt Langenegger.

Busse fallen aus: „Eine Katastrophe“

So wie in Bruck sah es am Mittwochmorgen in weiten Teilen des Landkreises aus. Auf der B 2 etwa ging stellenweise nichts mehr. Zwischen Hattenhofen und Mammendorf blieben mehrere Lastwagen an Steigungen hängen. Die Folge: lange Staus. Betroffen davon war auch der öffentliche Nahverkehr. „Es war eine Katastrophe“, berichtet Hermann Seifert, im Landratsamt für den ÖPNV zuständig. Auf mehreren Linien musste der Verkehr sogar komplett eingestellt werden – etwa auf den Linien 870 und 872. Der 820er Bus, der zwischen Fürstenfeldbruck und und Seefeld-Hechendorf im Landkreis Starnberg verkehrt, musste in Inning wieder umkehren. Um von Verspätungen von bis 75 Minuten wieder in den normalen Takt zurückzufinden, drehten manche Busse um und kehrten zu ihrem Startpunkt zurück. „Sonst schleppen wir die Verspätungen durch den ganzen Tag“, sagt Seifert.

Bruck stärker betroffen als Nachbarlandkreis

Erst mit Verspätung konnte auch die Straßenmeisterei in Dachau, die auch für den Landkreis zuständig ist, das Eis von den Straßen entfernen. Die Taktik der Räum-Profis: Erst Salz auf die Eisschicht, antauen lassen und dann wegräumen. „Bis Mittag wollen wir alles weg haben“, erklärte der Chef der Straßenmeisterei, Michael Hindahl am Vormittag. Auch er bestätigte, dass vor allem der Landkreis betroffen war. Im Raum Dachau sei deutlich weniger Schnee runtergekommen.

Gebührenpflichtiger Parkplatz nicht geräumt

Der Parkplatz in Geltendorf

Für großen Ärger sorgte der viele Schnee auch bei den Pendlern am Bahnhof Geltendorf. Wegen der Parkgebühren auf dem nördlichen P&R-Platz sind die Pendler ohnehin schon sauer. Wegen der weißen Pracht können sie etliche Stellplätze nicht nutzen. Ein Teil der Parkbuchten war blockiert, weil der von der Durchfahrt geräumte Schnee davor geschoben wurde. „Außerdem war ein Drittel des Parkplatzes am Montag gar nicht geräumt“, so die Pendlerin. Die verfügbaren Parkplätze waren schnell besetzt. „Leute, die später kamen, wussten nicht, wo sie hinsollten.“ Zuständig für den Winterdienst ist eine Firma, die fürs parken Gebühren kassiert.

Windrad steht still

Wegen der Witterungsbedingungen stand am Mittwoch das Windrad bei Malching still. Laut den Brucker Stadtwerken hatte am Vormittag ein Sensor eine zu hohe Belastung für die Rotorblätter angezeigt. Eine zu hohe sogenannte Blattlast führe automatisch dazu, dass die Anlage aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werde.

Turnhalle gesperrt

Ebenfalls eine Folge des Wetters ist die teilweise Sperrung der Realschul-Turnhalle in Maisach. Der Sport-Unterricht für die Schüler könne stattfinden, für Vereine oder andere Nutzer am Abend und am Wochenende ist die Halle aber tabu. Das in den 70ern errichtete Gebäude komme nur sehr schlecht mit Schneelast zurecht, erklärt Landratsamt-Sprecherin Ines Roellecke. Mehr als 20 Kilo Zusatzlast pro Quadratmeter seien nicht möglich. Tagsüber werde die Halle von einer Spezialfirma überwacht. Am Abend oder am Wochenende könne dies aber nicht gewährleistet werden. Der SC Maisach musste ein geplantes Fußball-Turnier absagen.

Probleme auf der S4

Der nasse Schnee führte auch zu Problemen im Bahnverkehr. Am Bahnübergang der S 4 bei der Aubinger Lohe brachte die weiße Pracht einen Sensor immer wieder durcheinander. Dieser zeigt an, ob ein Fahrzeug auf den Schienen steht. Deshalb konnten Züge nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren.  (tog/os/sr/st)

Lesen Sie außerdem: Zahlreiche Unfälle auf eisglatten Straßen und Das Schneechaos in Bayern.

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