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Von vielen Menschen belebt: So wünscht man sich die Hauptstraße in Fürstenfeldbruck. Nur darüber, wie Menschen dort hinkommen sollen, gibt es anscheinend unterschiedliche Meinungen.

Verkehrsentwicklungskonzept

Wird Fürstenfeldbruck zu fußgängerfreundlich? Gewerbeverband beklagt Entwicklung

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Fürstenfeldbruck hat ein Verkehrsproblem, und das nicht erst seit gestern. Mit einem Verkehrsentwicklungsplan will man den gordischen Knoten lösen. Die Leitlinien für den weiteren Prozess stehen nun fest. Doch der Handel fühlt sich im Stich gelassen.

Fürstenfeldbruck – Der Verkehrsentwicklungsplan für Fürstenfeldbruck ist ein ehrgeiziges Projekt, das viele Interessen unter einen Hut bekommen soll. Wie schwer das ist, zeigt sich jetzt kurz vor dem geplanten Termin für eine zweite Mobilitätswerkstatt, die für den 22. Juni angesetzt ist. In diesem Rahmen sollen Leitlinien vorgestellt werden, die in verschiedenen Arbeitsgruppen entstanden. Doch noch bevor diese Leitmotive der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, kommt bereits Kritik vom Gewerbeverband. Die Vorschläge zur Lösung der Verkehrssituation seien nicht nachhaltig genug und zum Teil sogar kontraproduktiv, moniert der Verbandsvorsitzende und CSU-Stadtrat Franz Höfelsauer.

Die Erarbeitung des Verkehrsentwicklungsplans war im vergangenen Jahr in die Wege geleitet worden. Zunächst mit einer Analyse des Ist-Zustandes. Denn die Situation soll sich für alle verbessern: für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Die Ergebnisse der Analyse wurden den Bürgern bei einer ersten Mobilitätswerkstatt vorgestellt. Dazu konnten sie ihre Visionen äußern. Diese Anregungen hat wiederum eine Arbeitsgruppe aufgegriffen, zu der auch Vertreter der Beiräte und des Gewerbeverbandes gehören.

Erster Schritt: Zehn Leitlinien wurden entwickelt

Bei mehreren Treffen wurden zehn Leitlinien erarbeitet, berichtet Monserrat Miramontes, im Rathaus zuständig für Verkehrsplanung und Mobilitätsmanagement. „Wir versuchen, alle Bedürfnisse zu berücksichtigen.“

So soll etwa der Öffentliche Personennahverkehr besser und nachhaltiger werden. Man will mehr tun für die Radfahrer und Fußgänger. „Stadt der kurzen Wege“ – so lautet ein Credo. Zudem will man mit den Nachbarkommunen gemeinsam planen. Und auch die Situation für den ruhenden Kfz-Verkehr – sprich Parkplätze – soll erträglicher werden.

Gewerbeverband: Pläne gehen auf Kosten des Gewerbes

Für Höfelsauer lesen sich die bisherigen Ergebnisse des Prozesses allerdings anders. „Hier wird der Eindruck erweckt, dass der Fußgänger- und Fahrradverkehr verstärkt in den Vordergrund auf Kosten des Gewerbes gerückt wird“, kritisiert er. Er verweist auf Behörden und Dienstleister sowie viele Geschäfte im Zentrum, auf die Kunden aus der Region angewiesen seien. Viele hätten Schwierigkeiten bei der Existenzsicherung.

Er fürchte, sagt Höfelsauer, dass die Innenstadt nicht mehr angefahren werde und die Geschäfte im Zentrum ausbluten würden, wenn weitere Parkmöglichkeiten wegfielen, etwa am nördlichen Viehmarktplatz. Das Problem müsse mit einer Tiefgarage gelöst werden. „Wir vom Gewerbeverband sperren uns nicht gegen sichere Fuß- und Radfahrwege. Aber wir können nicht ganz einfach das Auto immer weiter aus der Innenstadt verdrängen.“

Nächster Schritt: Erneute Bürgerbeteiligung

Die Kritik kann Monserrat Miramontes nicht nachvollziehen. „Auch Vertreter von Gewerbeverband und Wirtschaftsbeirat sind in der Arbeitsgruppe“, sagt die Verkehrsplanerin. Zumal noch gar keine Maßnahmen feststehen.

Die zehn Leitziele sollen den Bürgern bei der Mobilitätswerkstatt am 22. Juni vorgestellt werden – wenn Corona es zulässt. Die Anregungen, die dabei aus der Bevölkerung kommen, nimmt die Arbeitsgruppe mit. Im Herbst sind dann eine weitere Werkstatt im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche und ein weiterer Workshop mit Nachbarkommunen geplant. Danach sollen die einzelnen Maßnahmen konkreter werden. Läuft alles nach Plan, könnte der Verkehrsentwicklungsplan im Frühjahr 2021 stehen.

Gewerbeverband: Dritter Amperübergang plus Tunnel ist einzige Lösung

Die B2 ist ein Hauptproblem in der Verkehrsthematik. Denn sie sorgt für den Stau und Durchgangsverkehr in der Stadt. Die einzig machbare Lösung, um den starken Durchgangsverkehr zu reduzieren, sieht Gewerbeverbands-Chef Franz Höfelsauer in einem dritten Amperübergang plus Tunnel. Die Verlegung der B2 fordert auch die CSU-Stadtratsfraktion, der er angehört. „Ansonsten wird doch der Verkehr lediglich auf andere Straßen verlagert.“ Damit schaffe man das Problem nicht aus der Welt. 

„Wir vom Gewerbeverband plädieren für ein vernünftiges Miteinander aller, Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV und Autos“, so Höfelsauer. Nur so könne man zu einer vernünftigen Lösung kommen, die letztlich die Interessen aller berücksichtigt. „Vielleicht gelingt der Politik doch noch eines Tages die Aufnahme der einzig vernünftigen Lösung, eine Untertunnelung, im kommenden Bundesverkehrswegeplan.“

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