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60 000 Halme pro Jahr verbrauchen alleine Barkeeper Moritz Hicketier und seine Kollegen im Unterhaus – noch sind die Halme aus Plastik. Wir haben Plastik schon lange verbannt.

Manche sind der Zeit schon voraus

Wirte bereiten sich auf Nach-Plastikzeit vor

Die EU sagt dem Plastik den Kampf an. Ab 2021 sollen Produkte wie Einweg-Geschirr oder Strohhalme aus Kunststoff verbannt werden. Gastronomen, Caterer oder Veranstalter im Landkreis stellen sich bereits darauf ein. Manche sind der Zeit sogar voraus.

Fürstenfeldbruck – Wochenende, Samstagabend: Der stressige Job ist weit weg – Zeit zum Ausgehen. Man wirft sich in Schale, brezelt sich auf um wenig später an der Bar am Cocktail zu nuckeln. Für ganze Generationen gehörte dabei der Strohhalm aus Plastik wie selbstverständlich dazu. Doch damit ist bald Schluss. Die EU will Einweg-Trinkhalme, Geschirr und Besteck aus Kunststoff aus Gaststätten, Bars oder Clubs verbannen.

Direkt betroffen davon ist das Unterhaus – eine Institution im Brucker Nachtleben. Noch werden die Cocktails dort aus Plastikhalmen getrunken. Aber nur, bis die Bestände aufgebraucht sind, sagt Geschäftsführer Patrick Gessner. Dann ist Plastik im Brucker Unterhaus Geschichte. „Wir stellen bald um“, sagt Gessner.

Denn Alternativen zum praktischen, aber umweltschädlichen Plastik gebe es genug. Gessner und sein Team haben mehrere Varianten getestet. Zum Einsatz kommen sollen schon bald so genannte Biopot-Halme. Die sollen sich von herkömmlichen nicht unterscheiden, dafür aber biologisch abbaubar sein. Rund 5000 Stück gehen im Unterhaus pro Monat über die Theke, schätzt Geschäftsführer Gessner – im Jahr also etwa 60 000.

Genaue Zahlen kann Quirin Hirling zwar nicht nennen. Doch für den Germeringer, der zusammen mit seinem Bruder Sebastian ein Unternehmen für Zelt- und Geschirrverleih, Partyservice und Festzubehör leitet, spielt das Thema Plastik und dessen Vermeidung eine große Rolle. Bei privaten und geschlossenen Feiern sei Einweg-Geschirr ohnehin kein Thema. Dort kämen so gut wie immer Porzellangeschirr und Besteck aus Metall zum Einsatz. Gereinigt wird das dann jeweils im firmeneigenen Geschirrmobil.

Anders sieht das bei öffentlichen Feiern aus – wie etwa der Vorsilvesterparty der Unterpfaffenhofener Burschen, bei der die Brüder Hirling jedes Jahr das Catering übernehmen. Bei rund 2000 Besuchern des Festes sei die Bewirtung mit Mehrweggeschirr schon rein logistisch nicht machbar.

Plastik schon lange verbannt

Und für den mobilen Riesen-Geschirrspüler sei es bei der Freiluftveranstaltung zum Jahreswechsel schlicht zu kalt. Doch auch für solche Großveranstaltungen haben die Brüder Quirin und Sebastian Hirlinger schon eine Idee für die Post-Plastikzeit: Geschirr aus Palmblättern.

Bereits angebrochen ist diese Zeit bei Gerhard Kohlfürst in seinem Restaurant Fürstenfelder am Kloster Fürstenfeld. „Wir haben Plastik schon lange verbannt“, sagt der Gastronom.

Das Geschirr ist bei Kohlfürst aus Porzellan, das Besteck aus Metall – und die Strohhalme sind aus Papier. Letztere kosten zwar mehr. Dafür fragen die Angestellten die Gäste jetzt, ob sie überhaupt einen wollen. Der Weg weg vom Plastik sei gar nicht schwer, findet Gerhard Kohlfürst. „Denn es gibt genügend Alternativen.“

Über die, sowie über das Thema Plastik allgemein, macht man sich im Brauhaus Bruck wenig Gedanken. „Wir dürfen gar kein Plastik verwenden“, sagt Geschäftsführerin Nadine Mörz. Das sei in der Konzession der Gaststätte so geregelt. Das geplante Verbot hält die Gastronomin trotzdem für gut. „Das ist ein Zug in die richtige Richtung.“ (Tobias Gehre)

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