Wenige Pkw, viele Wohnmobile: Die Nutzung der Park-and-Ride-Anlage am Bahnhof ändert sich.
+
Wenige Pkw, viele Wohnmobile: Die Nutzung der Park-and-Ride-Anlage am Bahnhof ändert sich.

In Corona-Zeiten

Wohnwagen-Boom auf der P&R-Anlage am Brucker Bahnhof

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
    schließen

Im Corona-Jahr 2020 erlebte die Wohnmobilbranche einen Boom. Doch das verschärft auch das Problem fehlender Abstellmöglichkeiten für die Gefährte. In Bruck entdecken die Camper neue Standorte.

Fürstenfeldbruck – In normalen Jahren ist der Parkplatz am Brucker Bahnhof wochentags recht gut belegt. Das ist derzeit anders. Offenbar stellen deutlich weniger Pendler ihren Pkw hier ab, um mit der S-Bahn weiter zur Arbeit zu fahren. Ganz leer ist der kostenpflichtige Parkplatz dennoch nicht. Unter Wohmobilbesitzern hat sich herumgesprochen, dass hier derzeit ausreichend Fläche für ihre großen Gefährte verfügbar ist. „Eine kostengünstige Lösung“, erklärt der Eigentümer eines der Fahrzeuge. „Viel billiger als auf einem Bauernhof“, wo die fahrbaren Appartements alternativ überwintern können und dafür oft dreistellige Beträge im Monat berappen müssen. Am Brucker Bahnhof stehen die Wohnmobile und Wohnanhänger zwar unter einem schützenden Dach. Dafür zahlt man hier nur 15 Euro pro Monat für ein Abstell-Ticket. Das kann man am Automaten ziehen oder digital erwerben. Auch nicht recht viel teurer ist es bei Franz Jais. Der Estinger vermietet auf seinem Grundstück an der Gernlindner Zufahrt zum Fliegerhorst Abstellflächen unter freiem Himmel. 20 Euro pro Monat verlangt er. Doch seine 250 Plätze sind komplett ausgebucht.

Die Nachfrage nach geeigneten Stellplätzen übersteigt das Angebot. Im Straßenraum ist der Platz für die großen Gefährte begrenzt. Zudem dürfen dort auch nicht alle Fahrzeuge unbegrenzt stehen. Ein nicht-motorisierter Wohnanhänger darf nur 14 Tage ungestraft an der selben Stelle stehen. Dann muss er versetzt werden. Aber auch die Besitzer von Wohnmobilen – sie dürfen, wenn sie angemeldet sind, zeitlich unbegrenzt auf der Straße geparkt werden – wissen den Parkplatz am Bahnhof zu schätzen. Zwar ist sein Wohnwagen auch am Bahnhof-Parkplatz nicht ganz sicher vor Karambolagen oder mutwilliger nächtlicher Zerstörung, sagt einer der Fahrzeugbesitzer. Die Fläche wird zwar regelmäßig kontrolliert, aber nicht rund um die Uhr bewacht. Dennoch sei es hier, abseits der Straße, „weitaus sicherer“.

Zum Campingplatz wird der Bahnhofsparkplatz aber nicht. Denn für Wohnmobile gilt in Deutschland zwar: Man darf überall dort, wo es nicht ausdrücklich verboten und mit Schildern gekennzeichnet ist, auch im Wagen schlafen, allerdings nicht länger als eine Nacht an gleicher Stelle. Eine derartige „Reiseunterbrechung“ dient offiziell der „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“. Im Klartext: Zum Ausschlafen oder nach geselligem Abend zur Ausnüchterung.

Ab und zu wird diese Möglichkeit am Bahnhof wohl genutzt. Gelegentlich auch schon mal für mehr als eine Nacht, berichten Wohnwagen-Besitzer, die öfter vorbeikommen um nach ihren Fahrzeugen zu sehen. Nicht nur im Sommer, auch jetzt in der kalten Jahreszeit, hätten sich vereinzelt Menschen in ihrem Camper für längere Zeit „wohnlich eingerichtet“, blieben ein Paar Tage, zögen dann weiter entlang der Bahnlinie zum nächsten P&R-Platz und seinen dann nach ein paar Wochen wieder da.

Für den Parkplatzbetreiber kompensieren die 15 bis 20 abgestellten Wohnmobile zumindest einen Teil der Einnahme-Ausfälle durch fehlende Pendler. Das Areal mit seinen 387 Stellplätzen befindet sich seit 2013 im Portfolio der Conti-Parkgaragengesellschaft. Man befürchte nicht, dass die dauerhaft abgestellten Wohnmobile das P&R-Angebot für Pendler und ihre Pkws einschränkten würden, teilt das Berliner Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Deutsche Bahn als Grundstückeigentümerin sieht derzeit ebenfalls keinen Nutzungskonflikt zwischen Wohnmobilisten und Pendlern. Ob das so bleibt , wenn diese aus dem Homeoffice zurück sind, bleibt abzuwarten.

Weitere Nachrichten aus der Stadt Fürstenfeldbruck finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare