„Ich sah immer die anderen Sportler von größeren Vereinen mit ihren tollen Trikots und wollte da auch mitmachen.“Albert Bauer

Im Portrait

Zehnkämpfer dreht im Alter voll auf

Fürstenfeldbruck - Vom Anfänger zum bayerischen Vizemeister im Fünfkampf – dass Albert Bauer erst seit zwei Jahren Leichtathletik macht, ist bei dem vielseitigen Hobbysportler kaum zu glauben. Mit dem Sport hat er eine lang gehegte Leidenschaft entdeckt.

Sportlich war Albert Bauer schon immer. Der 50-Jährige stammt aus einem kleinen Ort in der Oberpfalz und spielt schon seit seiner Kindheit Fußball, denn das wurde in der kleinen Gemeinde angeboten. Bei den Bundesjugendspielen lebte er als Kind richtig auf, qualifizierte sich für die Kreismeisterschaft.

„Ich sah immer die anderen Sportler von größeren Vereinen mit ihren tollen Trikots und wollte da auch mitmachen“, erinnert sich Bauer an früher. Aber der Weg zum Training in die entfernten Orte sei für einen Zwölfjährigen zu weit gewesen.

Nach dem Probetraining war die Begeisterung aus Kindertagen neu entflammt. Mit dem Trainer und den Sportlern kam Bauer gut zurecht, hoch motiviert begann er mit dem Training, das drei Abende in der Woche in Anspruch nimmt. Schon im Herbst 2014, nur ein paar Monate nach seinem Leichtathletik-Start, war Bauer bei seinem ersten Wettkampf dabei, seit 2015 misst er sich regelmäßig mit anderen Seniorensportlern.

Dabei musste er sich vor allem die technischen Disziplinen beim Zehnkampf erst einmal aneignen, also Speer- und Diskuswerfen, Kugelstoßen, Hoch- und Stabhochsprung. Mit den Laufstrecken kam Bauer immer gut zurecht, 100, 200, 400 und 1500 Meter gilt es zu überwinden. Aufgeregt ist er dabei nicht, ihm geht es vielmehr um den Spaß.

Zum Sport gehören aber auch Verletzungen – das ist auch bei den Senioren so. Im vergangenen Jahr zog sich der Brucker beim Sprint über 100 Meter eine Zerrung zu, kämpfte aber weiter – und musste dann nach einer schmerzhaften Nacht doch aufgeben. Seither weiß er, dass er sich auch Kraftreserven aufsparen muss.

Denn dass er nicht mehr der Jüngste ist, merkt der Softwareingenieur schon. Am Ende eines Wettkampftages sei er immer ganz schön kaputt und brauche einen weiteren Tag, um sich zu regenerieren: „Als Seniorensportler merke ich körperlich schon, dass ich nicht mehr 20 bin.“

Dass der Senior heuer an der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft teilnehmen konnte, ist für ihn ein großer Erfolg. Seit seinem Geburtstag gehört er zur Ü 50, davor war er bei den fünf Jahre Jüngeren dabei. „Das wird aber mit dem Alter nicht leichter“, betont er. Denn ab der Ü 50 gebe es wieder mehr Teilnehmer. Woran das liegt? Bauer kann nur mutmaßen, dass in diesem Alter die Kinder groß sind und die Eltern wieder mehr Zeit für Sport haben.

Und die brauchen die Leichtathleten auch: Drei Trainings stehen wöchentlich nach der Arbeit an, an den Wochenenden werden Turniere in ganz Deutschland abgehalten. Besonders im Juni und Juli ist Albert Bauer viel unterwegs. Das Verständnis seiner Lebensgefährtin ist dem sportlichen Senior aber sicher – denn kennengelernt hat er sie beim Training.

von Maria-Mercedes Hering

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