Standesgemäß im Stil der Goldenen Zwanziger: Gloria Heep picknickte neben einem Ford-Oldtimer. foto: weber

1. FürstenfeldPicknick 

Zeitsprung auf der Waaghäuslwiese

Fürstenfeldbruck - Beim ersten FürstenfeldPicknick haben sich viele Gäste stilecht in Charlestonkleider und Anzug geworfen, um dem Motto der Goldenen Zwanziger gerecht zu schlemmen und über die Tanzfläche zu schweben. Insgesamt waren laut Veranstalter 1000 Gäste in Fürstenfeld.

Braun und schwarz glänzend steht ein Ford A auf der Waaghäuslwiese, in den blitzblank geputzten Scheinwerfern und Fenstern spiegeln sich Gloria und Peter Heep. Der Schnauferlbesitzer und seine Gattin sind der Hingucker des Abends, wie sie vor ihrem Wagen auf eleganten Metallstühlen sitzen, Rotwein trinken und sich von den Schaulustigen und Fotografen nicht irritieren lassen. Gloria Heep, die beim Veranstaltungsforum arbeitet, hat sich das weiße Kleid, das tatsächlich aus den 1920er-Jahren stammt, für einige Oldtimertreffen angeschafft, bei denen das Paar sich dem amerikanischen Schnauferl anpasst.

So detailgetreu sind nicht viele Besucher verkleidet, einige sind spontan vorbeigekommen und tragen Alltagskleidung, andere haben sich mit Campingstühlen und Kühlboxen in einen Kreis gesetzt. Doch einige könnten tatsächlich der Berliner Unterhaltungsszene zwischen den Weltkriegen entsprungen sein. Auch Susanne und Wolfgang Hauswirth haben sich in Schale geworfen. „Wir dachten uns: ganz oder gar nicht“, erklärt die 54-Jährige, die sich mit ihrem Mann gerne für solche Anlässe anzieht. So ist es nicht verwunderlich, dass das Paar alles schon im Schrank hatte, was es für die Roaring Twenties braucht.

Besonders reizt die Brucker die Musik des Süddeutschen Salonorchesters, das den ganzen Abend aufspielt. Die leichten Melodien laden zum Tanzen ein, auch wenn gerade vor allem Kinder zu den Weisen über die Tanzfläche tollen. Die Veranstaltung ist kostenlos und ungezwungen gehalten, alle sollen den Abend auf dem Klostergelände genießen. „Es ist eine wunderbare Kulisse, und ich finde es gut, dass hier jeder das Ambiente genießen kann“, sagt auch Susanne Hauswirth, die vor allem zum Tanzen gekommen ist. Mit ihrem Mann ist sie eigentlich auf Boogie Woogie spezialisiert, da ist es nicht ganz leicht, sich an Charleston und Swing zu gewöhnen.

Auch Susanne und Andreas Gundel haben Freude an der legeren Atmosphäre und dem Tanzvergnügen. Damit alles zusammenpasst, hat sich das Brucker Paar nicht nur mit Cocktailkleid und Schiebermütze herausgeputzt, auch der geflochtene Picknickkorb passt perfekt zum Bild. Wer auf die Waaghäuslwiese schaut, sieht das Beste aus den Goldenen Zwanzigern: großartige Unterhaltungsmusik und Tänze, Naturgenuss, Charleston-Chick. „Wir nehmen uns das Schönste aus dieser chaotischen Zeit heraus“, gibt Andreas Gundel zu bedenken. Ein Abend unter diesem Motto sei eine gute Sache. „Aber in der Zeit möchte ich nicht leben.“ Schließlich habe es einige Reiche, vor allem aber viele Arme gegeben, Partys wie diese seien nur wenigen vorbehalten gewesen. Grund zum Feiern gebe es aber dennoch, ist Andreas Gundel überzeugt: „Man sollte die Zeitumstände im Hinterkopf behalten. Aber genießen kann man diesen Stil ja trotzdem.“

von Maria-Mercedes Hering 

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