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Die Neuntklässler des Viscardi-Gymnasiums überreichten dem Zeitzeugen Abba Naor weiße Rosen.

Fürstenfeldbruck

Zeitzeuge spricht über sein Leben im und nach dem Konzentrationslager

Es war so still, man hätte eine Stecknadel fallen gehört. Knapp hundert Schüler, Eltern und Lehrer lauschten im Viscardi-Gymnasium den Erzählungen des 91-jährigen Abba Naor, einem der letzten Zeitzeugen, die eine KZ-Gefangenschaft während des Nationalsozialismus überlebt haben.

Fürstenfeldbruck – Abba Naor, ein Jude aus Litauen, lebte mit seiner Familie im Getto von Kaunas. 1944 wurde die Familie in das KZ Strutthof bei Danzig deportiert und dann getrennt. Naor kam nach Utting ins Außenlager Dachau und meldete sich freiwillig in das Außenlager Kaufering, weil er hoffte dort seinen Vater zu finden. Er musste dort hart arbeiten und fand seinen Vater nicht. Auf dem Todesmarsch bei Waakirchen wurde er von Amerikanern befreit.

Auf die Frage nach seinem schlimmsten Erlebnis berichtete Naor von der Deportation seiner Mutter und seines Bruders und dem Hunger. Für ihn war es der schönste Moment, als er nach langer Haft zum ersten Mal in eine Scheibe Brot beißen konnte. Seinen Glauben an Gott habe er verloren, da er im KZ nicht da gewesen sei.

Ob er mit seinem jetzigen Leben zufrieden ist, wollte ein Schüler wissen. Naor erzählte, er habe nach dem Kriegsende in München seinen Vater wiedergetroffen, sei dann aber nach Palästina ausgewandert. Er kommt alle drei Monate nach Deutschland, auch in die Gedenkstätte Dachau, um Jugendlichen von seinem Leben zu erzählen. Mit seiner Frau und seinem Sohn habe er nicht über seine Erlebnisse sprechen können. Die Bilder holen ihn heute noch nachts ein. Naors Botschaft an die Schüler: Sie sollen dankbar sein für die Möglichkeit der Ausbildung und der Berufswahl in einem freien Staat.

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