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Das Straßenschild in Bruck mit dem zwischenzeitlich wieder abgehängten Zusatzschild.

NS-Belastung

Zenettistraße: Verein fordert die Umwidmung

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In der Diskussion um die belasteten Straßennamen kehrt keine Ruhe ein. Nun hat die „Initiative gegen falsche Glorie“ die Zenettistraße ins Visier genommen. Sie droht der Stadt.

Fürstenfeldbruck – Sie droht der Stadt mit Konsequenzen, wenn die Straße nach dem NS-General Emil Zenetti benannt bleibt. Sie soll lieber dem verstorbenen Priester und Autor Lothar Zenetti gewidmet werden. Der Stadtrat hat entschieden, die Straßennamen, die Personen mit nationalsozialistischer Vergangenheit gewidmet sind, nicht umzubenennen. Stattdessen sollen Tafeln mit erklärenden Texten angebracht werden. Darauf stehen Informationen über die Personen und warum sie umstritten sind. So auch bei der Zenettistraße, die auf General Emil Zenetti zurückgeht.

NS-Propaganda

Doch die „Initiative gegen falsche Glorie“ will das ändern. Zenetti habe im November 1943 eine Weisung an Offiziere verfasst – im reifen und abgeklärten Stil von Durchhaltereden der wirkungsmächtigen NS-Kriegspropaganda, schreibt ein Mitglied in einem Brief an OB Erich Raff. „So muss ich erwarten, dass jedem Offizier klar ist, dass das nationale, völkische, soziale und kulturelle Programm der nationalsozialistischen Bewegung die einzige Grundlage unserer weltanschaulichen Ausrichtung sein kann“, zitiert er den General.

„Emil Zenetti ist nicht geschichtspolitisch umstritten, er ist eindeutig historisch bedenklich“, sagt Jakob Knab. Der Autor und Lehrer aus Kaufbeuren hat die „Initiative gegen falsche Glorie“ gegründet. Diese setzt sich seit rund 30 Jahren für die Umbenennung von Bundeswehrkasernen und Straßen ein – mit großem Erfolg. Im Jahr 2005 sei er erstmals auf die Zenettistraße aufmerksam geworden. „Die TU München ehrt ihn noch als Ehrensenator.“ Gegen diesen Ruhm kämpfen Knab und seine Mitstreiter.

Die Einschätzung, dass General Zenetti eine bedenkliche Persönlichkeit ist, teilt Stadtarchivar Gerhard Neumeier. Daher steht der Name auch auf der Liste der Straßen, die ursprünglich umbenannt und nun mit einem erklärenden Text versehen werden sollen. Diese Entscheidung will Knab nicht akzeptieren. Denn ein Erklärschild sei zu viel der Ehre, findet der 67-Jährige.

OB bleibt gelassen

Daher droht er der Stadt mit Beschwerden bei oberen Behörden, falls sie den Namen nicht ändert. Er ist fest entschlossen, das durchzusetzen. Denn für ihn ist die Beibehaltung ein Verstoß gegen das Bayerische Straßen- und Wegegesetz. Hier dürften keine Namen bedenklicher Personen gewidmet werden. Doch wie aus dem Verkehrsministerium zu erfahren war, stimmt diese Einschätzung nicht. „Nach dem Gesetz können die Gemeinden den öffentlichen Straßen Namen geben“, erklärt eine Ministeriumssprecherin. „Die Gemeinden entscheiden auch in eigener Zuständigkeit über Umbenennungen.“

Knab schlägt im Fall der Zenettistraße eine Umwidmung vor. Man könne ein Zusatzschild anbringen und auf den Autor und Priester Lothar Zenetti verweisen. Dieser wurde 1945 im Krieg verwundet und geriet in französische Gefangenschaft. Er wurde im sogenannten Stacheldrahtseminar von Chartres Seminarist und malte Kreuzwegstationen im Seminargebäude. Er starb diesen Februar in Frankfurt am Main. Knab bezeichnet Lothar Zenetti als Pionier neuer geistlicher Lyrik, Konstantin Wecker habe eines seiner Gedichte vertont. „Für ihn lege ich meine Hand ins Feuer.“ Die Umwidmung sei eine elegante Lösung, für die Bewohner der Straße ändere sich nichts.

Per Einschreiben hat Knab OB Raff seine Forderung mitgeteilt. Doch der sieht die Drohgebärde gelassen. Der Stadtrat habe das Thema lange behandelt. „Wir haben einen gültigen Beschluss, da reagiere ich nicht.“ Tatsächlich wurde eine Umwidmung der Zenettistraße diskutiert, berichtet Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne). Aber man habe keine Ausnahme machen, sondern alle Straßen gleich behandeln wollen. „Es ist nicht ehrlich, umzuwidmen.“ Das habe sie Jakob Knab auch geantwortet. Der Meinung ist auch Raff. „Dann steht jemand drunter, der gar nicht gemeint ist.“ Die Texte für die Erklärtafeln stehen inzwischen fest, der Stadtrat wird sich damit noch einmal befassen.

Druck über Petition

Jakob Knab hat inzwischen eine Beschwerde an Landrat Thomas Karmasin geschickt. Doch auch der sieht keinen Grund, die Kommunalaufsicht einzuschalten. „Wie sie ihre Straßen benennt, ist Sache der Stadt“, sagt Karmasin. „Da wollen wir uns nicht einmischen.“

Auch damit gibt sich die Initiative nicht zufrieden. Knab hat inzwischen eine Petition beim Bayerischen Landtag eingereicht. Seine Forderung: Die Stadt soll einen Sachverständigen einladen, der über den Forschungsstand zu General Zenetti berichtet. Dann solle er entscheiden. Dass sein Ansinnen Erfolg hat, bezweifelt Knab. „Die Regierung wird nicht in die Hoheit der Kommunalparlamente eingreifen“, sagt er. „Aber dann wissen die Mandatsträger in Fürstenfeldbruck: Wir geben keine Ruhe.“

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