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Zu viel Küchenabfall und Plastik im Restmüll

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Von: Thomas Steinhardt

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Der Restmüll landet in Verbrennungsanlagen. © Archiv

Sehr viele Küchenabfälle und viel Plastik: Im Hausmüll der Bürger des Landkreises landen Dinge, die da eigentlich nicht hingehören. Das hat die Analyse des Restmülls im Landkreis ergeben. Jetzt wird über Konsequenzen diskutiert.

Fürstenfeldbruck – Was werfen die Leute trotz der vielen Wertstoffhöfe und trotz des ergänzten Abhol-Angebots mit türkiser und blauer Tonne alles in die schwarze Restmüll-Tonne? Das war die Ausgangsfrage für die Restmüllanalyse, mit der der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB) eine Fachfirma beauftragt hatte. Nun liegen die Ergebnisse vor.

Aus der Küche in die Tonne

Demnach landen sehr viele Küchenabfälle im Restmüll. Das bedeutet, dass es hier viel Potenzial für eine eigene Erfassung gäbe. Im Vergleich entsorgte jeder Einwohner im Landkreis Fürstenfeldbruck pro Jahr acht Kilogramm mehr organisches Material in der schwarzen Tonne als Bürger anderer Landkreise. Insgesamt befinden sich nach Gewicht gemessen 35,5 Prozent organisches Material im Fürstenfeldbrucker Restmüll. Das entspricht einer Menge von 47 Kilogramm je Jahr und Einwohner. Acht Kilogramm davon sind verpackte Lebensmittel. Insgesamt befinden sich im Restmüll 26 Gewichtsprozent an verwertbarem organischen Material. Als nicht verwertbar gilt zum Beispiel Katzenstreu.

Selbst kompostieren hilft nur bedingt

Interessanter Nebenaspekt: Die Leute, die angeben, selbst zu kompostieren, werfen mehr organisches Material in die schwarze Tonne als andere. Insgesamt würden vor allem Essensreste und gekochte Speisereste, die bei der Eigenkompostierung problematisch sind, im Restmüll entsorgt. Daher sei die beschlossene Abschaffung des Eigenkompostierbonus der richtige Weg. Diese Schlussfolgerung zieht der AWB. Essensreste sollen künftig noch mehr als bisher im braunen Sack (beispielsweise samt Biotönnchen) erfasst und in Energie umgewandelt werden.

An Gartenabfällen landen in der schwarzen Tonne laut Studie nur 2,3 Kilogramm je Jahr und Einwohner. Beim Grüngut also sei das Potential weitgehend ausgeschöpft, heißt es in der Studie. 96 Prozent würden bereits getrennt erfasst – also selbst kompostiert oder am Wertstoffhof abgegeben.

Verpackungen machen bis 15 Prozent aus

Weiterhin geht aus der Studie hervor, dass im Restmüll viele Kunststoffverpackungen landen sowie Verbund- und Metallverpackungen. Die Kunststoffmengen im Brucker Müll seien deutlich überdurchschnittlich, heißt es in der Studie. Je nach Bebauungsdichte in den untersuchten Gebieten liege der Gewichtsanteil zwischen zwölf und 15 Prozent. Hier sieht die Studie ein gewisses Änderungspotential. Der AWB rät aber nicht zu einem Systemwechsel – etwa zu einem Abholsystem für Plastik aller Art. Denn mit dem praktizierten Bringsystem via Wertstoffhof erreiche man eine sehr hohe Sortenreinheit, was hinterher eine „hochwerte Verwertung“ erlaube. Die Türkise Wertstofftonne findet unterdessen nur geringe Verbreitung.

Tonnengröße passt in der Regel

Die Untersuchung beruht auf der Analyse von Restmüll aus vier als typisch geltenden Bereichen. Dünzelbach gilt als typisch alt-ländlich, Olching (Schwaigfeld) als neu-ländlich, die Lochhauser Straße in Puchheim als städtisch. Müll aus der Richard-WagnerStraße in Germering wurde als beispielhaft für Wohnanlagen untersucht. Die Analyse – der Restmüll wurde in allen Einzelteilen untersucht – wurde im Mai durchgeführt. Insgesamt waren die Tonnen zu zwischen 83 und 90 Prozent gefüllt. Das bedeutet, dass die Leute in der Regel die passende Tonne bei sich stehen haben.

Mülltrennung Beitrag zum Umweltschutz

Der Abfallwirtschaftsbetrieb will nun verstärkt auf Information setzen. Abfallvermeidung und Mülltrennung könnten einen wichtigen Beitrag zur CO2-Einsparung und zum Ressourcenschutz leisten. Der AWB möchte auch in die Umwelterziehung einsteigen, um Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren.

Offensive: Förderung von Stoff-Windeln

Die Restmüllanalyse hat auch ergeben, dass Hygieneprodukte 12,7 Prozent des Restmülls ausmachen. Das entspricht 3692 Tonnen. Darunter fallen auch Einwegwindeln. Weil die Vermeidung von Abfällen höchste Priorität habe, schlägt der AWB vor, künftig die Verwendung von Stoffwindeln zu unterstützen. So könnte man diejenigen Personen, die ein Mehrwegwickelsystem anschaffen, ab 1. Januar 2020 finanziell in Form eines Zuschusses unterstützen. Sprich: Wer Stoffwindeln verwendet (etwa für Kleinkinder oder Menschen mit Inkontinenz), bekommt dafür Finanz-Hilfen. Der Zuschuss soll einmalig gewährt werden und die Hälfte der Aufwendungen betragen, maximal aber 75 Euro. Der AWB schlägt vor, für das Projekt Windelzuschuss 25 000 Euro im Haushaltsjahr 2020 bereitzustellen. Entscheiden hierüber müssen die Kreispolitiker.

Mehr Informationen

Die Ergebnisse der Studie werden im Einzelnen in der Sitzung des für den AWB zuständigen Werkausschusses des Kreistags vorgestellt. Die Sitzung am 18. November ab 15 Uhr im Landratsamt ist öffentlich.

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