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Zu ehrender Raumfahrt-Pionier oder Massenmörder? Das Bild von Wernher von Braun wandelte sich mit der Zeit. Dem soll eine Tafel in der 1978 benannten Straße Rechnung tragen.

Fürstenfeldbruck

Weitere Zusatzschilder hängen: Geschichtsstunde am Straßenrand

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Auch in der Hindenburgstraße und in der Wernher-von-Braun-Straße hängen nun Tafeln mit Informationen zu den jeweiligen Namensgebern.

Fürstenfeldbruck –  Damit folgt die Stadt Ratsbeschlüssen, die das Ergebnis eines jahrelangen Streits um eine mögliche Umbenennung mehrerer Straßen in Fürstenfeldbruck waren.

In der Hindenburgstraße gibt ebenfalls eine neue Tafel.

Die Frage, ob man Straßen nicht besser umbenennen sollte, die nach Personen mit problematischen Bezügen zu Nationalsozialismus und Antisemitismus benannt sind, entzweite jahrelang den Stadtrat. Durchgesetzt haben sich die Befürworter einer Umbenennung letztlich nicht, auch weil Anwohner sich teils deutlich dagegen gewehrt hatten. Der Kompromiss: Zusatztafeln sollten kritisch informieren. Doch auch über die Umsetzung des Kompromisses gab es Streit.

Erste Tafeln wieder weg

Lange konnte man sich nicht auf Texte einigen. Dann schritt Ende vergangenen Jahres Oberbürgermeister Erich Raff zur Tat und ließ an einigen Straßen selbst Tafeln anbringen. Die hingen aber nicht allzu lang. Denn zum einen waren die Texte auf den Schildern nicht mit dem zuständigen Arbeitskreis abgestimmt und entbehrten einer kritischen Auseinandersetzung mit den Namensgebern – zum Piloten Siegmund von Gravenreuth etwa hieß es nur: „Angehöriger der Legion Condor im spanischen Bürgerkrieg, Kommodore des Kampfgeschwaders 30 im Zweiten Weltkrieg“ –, zum anderen hatte Raff sich mit der Installation auch über geltende Stadtratsbeschlüsse hinweggesetzt. So wurde er unter Einschaltung der Kommunalaufsicht dazu verdonnert, die Täfelchen wieder abzunehmen.

Damaliges Verständnis

In der Von-Gravenreuth-Straße ist, wie auch in der Zenetti-, Ederer-, Eschenauer-, Lützow- und Josef-Priller-Straße unter den Straßenschildern seit August der gleichlautende Hinweis angebracht: „Die Benennung der Straßen in diesem Gebiet nach Luftwaffenoffizieren des Zweiten Weltkriegs erfolgte 1962 und entsprach dem damaligen Traditionsverständnis in Gesellschaft und Bundeswehr. Sie ist heute umstritten.“

Länger dauerte es in den Fällen Wernher von Braun und Paul von Hindenburg. In der Hindenburgstraße hatte Raffs Schild kurz und knapp dargelegt: „Mitbegründer der Dolchstoßlegende, Reichspräsident 1925-1933, Ernennung Hitlers zum Reichskanzler“. Ein zehnmal so langer Text gibt nun ausführlich Aufschluss über Hindenburgs Rolle in der Weimarer Republik, sein Wirken als Reichspräsident von 1925 bis 1934, den ihm zugeschriebenen Beitrag zum Erstarken des Rechtsradikalismus und zur Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Jetzt fehlt noch Puch

Fast genauso ausführlich fallen die Erläuterungen zu Wernher von Braun aus, dem SS-Sturmbannführer, der sich bei der Entwicklung der V2-Rakete im Zweiten Weltkrieg auch Zwangsarbeitern bediente, von denen Tausende zu Tode kamen. In Deutschland wollte man in ihm lange nur den Pionier der Raumfahrt sehen, dem als Mitentwickler der Saturn-V-Rakete wesentlicher Anteil am Gelingen des amerikanischen Mondfahrtprogramms zugeschrieben wurde. In der Wernher-von-Braun-Straße hing bislang kein Zusatzschild. Auch in der Langbehnstraße in Puch fehlt es noch. Dort soll es im Zuge der Dorferneuerung angebracht werden. 

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