War der Sex freiwillig?

Zweifel an Vergewaltigung

Knapp zwei Monate waren ein 19-Jähriger aus dem Landkreis und eine mittlerweile 16-Jährige aus dem Raum Schwäbisch Hall im vergangenen Jahr ein Paar. Als die Beziehung bereits beendet war, hatten die beiden noch einmal Sex. Die Vorwürfe gegen den 19-Jährigen wiegen schwer.

Fürstenfeldbruck – War der Geschlechtsverkehr einvernehmlich, wie der 19-Jährige nun vor dem Brucker Amtsgericht beteuerte? Oder hat er an dem Abend seine Exfreundin dazu gezwungen, wie sie es darstellt? Diese Frage bleibt nach dem dritten Verhandlungstag am Brucker Amtsgericht ungeklärt. Das Verfahren wurde ausgesetzt. Es soll ein Glaubwürdigkeitsgutachten über die junge Frau eingeholt werden.

Die 16-Jährige hatte unter Tränen ihre Vorwürfe gegen den 19-Jährigen wiederholt. Eine Aussage, die selbst den Rechtsanwalt des Angeklagten nicht kalt ließ. „Die Vorstellung war beeindruckend“ sagte er anschließend und fügte sogleich an: „Sie muss aber nicht richtig sein“.

Aufgekommen waren die Vorwürfe erst Monate nach dem Sex. Die Polizei erwischte die 16-Jährige mit einem Messer – ein Messer, das sie aus Angst davor, noch einmal vergewaltigt zu werden, bei sich trage, hatte sie damals den Polizisten berichtet. „Ich habe es niemanden erzählt. Ich habe mich geschämt“, erklärte die junge Frau nun mit tränenerstickter Stimme.

Selbst die Mutter der jungen Frau hatte erst Wochen nach dem Vorfall davon erfahren. Allerdings lagen dem Gericht dazu zwei Versionen vor. Die 16-Jährige selber sagte aus, als ihre Mutter nach Wochen bemerkt habe, dass mit ihr etwas nicht stimme, habe diese nachgehakt. Sie selbst habe damals weder schlafen noch essen können. Die Mutter hatte bei der Polizei allerdings angegeben, ihre Tochter habe ihrem Stiefvater von dem Vorfall erzählt, der wiederum ihr davon berichtet habe.

Die 16-Jährige berichtete von weiteren Gewalttätigkeiten des Angeklagten. Als sie noch ein Paar waren, habe er sie immer wieder getreten. Die Mutter hatte auch immer wieder blaue Flecken an ihrer Tochter bemerkt. Warum sie dann nicht die Beziehung beendet habe, wollte der Verteidiger wissen. „Das war blinde Liebe“, sagte die junge Frau.

Der Angeklagte hatte sich ganz anders geäußert. Er beteuerte: „Ich habe noch nie eine Frau gewaltsam angefasst.“ Er sagte aber auch: „Sie wollte, dass ich sie beim Sex dominiere, sie an die Wand drücke, würge und an den Haaren ziehe.“ Seiner damaligen Pflegemutter hatte er anvertraut, dass die 16-Jährige „ein spezielles Mädchen“ sei.

Der Angeklagte hatte von 2014 bis 2016 im Raum Schwäbisch Hall gelebt, weil er nach der Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe dort zwei Jahre in einer intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung verbracht hatte. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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